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Im Gespräch: BVB-Trainer Klopp : „Warum nervt die Meisterfrage?“

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Volkstribun im Westfalenstadion: „Dieser unglaubliche Kessel, das ist verrückt” Bild: dapd

Trotz zehn Punkten Vorsprung nach der Hinrunde verbietet Jürgen Klopp seinen Spielern das Träumen in der Öffentlichkeit. Im Interview spricht der Trainer von Borussia Dortmund über gute Spieler, schlechten Charakter und sein Temperament.

          6 Min.

          Jürgen Klopp kann mit Borussia Dortmund der größte Erfolg seiner bisherigen Trainerkarriere gelingen. Nach der Hinrunde der Fußball-Bundesliga führt der BVB die Bundesliga-Tabelle mit zehn Punkten Vorsprung auf Mainz 05 und Bayer Leverkusen an. Die Münchner Bayern liegen gar schon 14 Zähler zurück. Dennoch reagiert der 43 Jahre alte Fußballlehrer allergisch auf das Wort Meisterschaft. Im Interview spricht er über seine Gründe zur Zurückhaltung.

          Werden Sie demnächst Bundestrainer - oder gehen Sie doch noch bald zum FC Liverpool, wenn dort nach dem jüngsten Trainerwechsel mal wieder ein Coach benötigt wird?

          Ich glaube, ich mache alles zusammen. Aber Sie müssen schon eine ernsthafte Frage stellen, wenn Sie eine ernsthafte Antwort haben wollen.

          „Wir haben das in der Vorrunde relativ gut gemacht”
          „Wir haben das in der Vorrunde relativ gut gemacht” : Bild: dpa

          Was denken Sie denn, wenn Sie solche Schlagzeilen lesen?

          Gar nichts. Bei Liverpool habe ich keine Ahnung, woher es kam. Das ist vermutlich aus einem dieser bunten englischen Blätter. Ich habe gerade erst bis 2014 in Dortmund verlängert. Zu glauben, dass ich alles hinwerfe, weil Liverpool mal ruft, ist doch albern und absoluter Quatsch.

          Nerven Sie die kleinen Störmanöver der vergangenen Wochen wie nun Liverpool oder vorher das angebliche Interesse von Real Madrid an Lucas Barrios?

          Nein, überhaupt nicht. Mich amüsiert das nur. Ich stehe nicht im Ruf, zu Vertragsbrüchen zu neigen. Aber besser, die englischen Zeitungen schreiben, ich sei ein Kandidat, als dass da stehen würde, von acht Millionen Trainern, die getestet wurden, ist Jürgen Klopp der Letzte, der dahin passen würde. Das Thema Nationalmannschaft hat mich komplett überrascht. Ich war im Urlaub, habe das Interview mit Löw nicht gelesen, aber ich habe beim Skifahren aufgrund der vielen SMS gemerkt, das irgendetwas passiert sein muss. Ich dachte schon, ich hätte einen Herzschrittmacher, so oft hat es an meiner Brust gepiepst. Was Joachim Löw gesagt hat, ist sehr nett, hat aber darüber hinaus keine Bedeutung. Es ist nicht so, dass ich das Gefühl hätte, ich könnte den Job des Bundestrainers nicht machen. Nur die Frage stellt sich nicht.

          Ganz Fußball-Deutschland fragt sich, warum eine solch junge Mannschaft wie der BVB mit einem solch großen Vorsprung Tabellenführer sein kann . . .

          Erst mal muss man jetzt sagen, dass wir nichts, was bisher passiert ist, als normal empfinden. Wir haben ja nicht im Sommer gesagt, passt mal auf, im Winter werdet ihr euch alle wundern, da sind wir zehn Punkte vor allen anderen. Wir wussten, dass wir vor einer schweren Saison stehen. Wir hatten uns in der vergangenen Spielzeit für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert, und wir hatten keine Ahnung, wie wir mit dieser Mehrfachbelastung umgehen. Aber wofür ich mich schon sehr lange entschieden habe, ist, dass wir mit diesem Team unsere eigenen Erfahrungen machen müssen. Es gab noch keine Mannschaft mit einer solchen Altersstruktur, die eine ähnliche Situation hatte.

          Sie betonen häufig, dass Ihre Spieler einen guten Charakter haben. Führt ein guter Charakter zwangsläufig zu einem guten Zusammenhalt? Kevin Großkreutz hat beispielsweise einen Teil des Urlaubs bei Dede in Brasilien verbracht, das ist sicherlich auch wegen des Altersunterschiedes ungewöhnlich.

          Wir werden ihn jetzt nur noch Kevinho nennen. Es ist außergewöhnlich: Einige der Jungs haben sich im vergangenen Sommer schon in Florida im Hotel getroffen. Dabei waren wir so viel zusammen, dass die Jungs normalerweise genug voneinander haben und ihren Urlaub mit der Freundin oder dem bestem Freund verbringen. Das sind halt ganz normale Kerle.

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