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Im Gespräch: Bruchhagen und Heidel : „Man hätte Capos nie zulassen dürfen“

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„Es geht um die Mystik einer Jugendbewegung“: Frankfurter Fans beim Auswärtsspiel in Bochum Bild: dapd

Zwischen Annäherung und Null-Toleranz-Politik: Der Manager von Mainz 05 und der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht über den Umgang mit der Ultrabewegung.

          Herr Bruchhagen, wissen Sie wie der Rauch von Bengalischem Feuer riecht?

          Bruchhagen: Nein, weiß ich nicht.

          Heidel: Wie Kaugummi, glaube ich.

          Klingt ja ganz harmlos.

          Heidel: Ich weiß schon, wie das riecht, aber so genau beschreiben kann ich es nicht.

          Bruchhagen: In den zehn, zwölf Jahren, in denen ich früher bei Arminia Bielefeld in der Stehkurve gestanden habe, gab es so etwas nicht, deshalb kann ich auch nicht sagen, wie es riecht.

          Sie erleben es also immer aus großer Entfernung?

          Bruchhagen: Ja.

          Haben Sie trotzdem Angst dabei?

          Bruchhagen: Ich kenne die Gefahren. Wir wissen, dass Magnesium mit enormen Hitzegraden arbeitet und dass jederzeit eine Massenpanik ausbrechen könnte. Aber wir gehen ja auch auf das Oktoberfest, und an jedem Tag dort werden mehr Menschen verletzt als an einem Wochenende in der Fußball-Bundesliga.

          Das klingt ja fast verharmlosend. Ist das ein Plädoyer für Bengalos?

          Bruchhagen: Nein, ist es natürlich nicht. Ich verharmlose nichts, wir haben ein großes Problem im Fußball, das alle sehr ernst nehmen. Aber nehmen sie nur unser Spiel zuletzt gegen Kaiserslautern: Da wurden vier, fünf Bengalos hochgehalten - hochgehalten, wohlgemerkt, sonst nichts. Und wir müssen uns direkt wieder dafür erklären. Das ist ärgerlich.

          Eintracht-Vorstand Bruchhagen: „Ich bin schrittweise zum Hardliner geworden“

          Aber nach den Ereignissen zuletzt verständlich.

          Bruchhagen: Nur - wie schaffe ich den Spagat zwischen Verniedlichung und der Tatsache, dass dieses Thema gerade sehr überhöht dargestellt wird und uns demnächst womöglich eine Platzsperre einbringt. Eine solche Strafe ist für uns doch fast schon vorhersehbar - bei den Geldstrafen, die wir schon bekommen haben. So wie das Thema gerade diskutiert wird, entsteht ein Pingpongspiel, die Sportgerichtsbarkeit kommt ins Spiel, der DFB, alle sind auf den Plan gerufen. Und wir als problembehafteter Verein bekommen am Ende eine Platzsperre, die wir nicht verkraften könnten.

          Warum nicht?

          Bruchhagen: Nicht wegen der entgangenen einen Million Euro pro Spiel, sondern weil das Auswirkungen haben würde für den Verkauf von Logen oder Business-Sitzen. Dieser Strafenkatalog darf nicht immer weiter gedreht werden.

          Es hilft doch nicht weiter, wenn Sie sagen, dass härtere Strafen keine Lösung sind, weil sie Ihren Klub treffen würden.

          Bruchhagen: Eine Jugendkultur, die sich aus sich selbst entwickelt hat, zu analysieren und mit probaten Mitteln zu kanalisieren, ist nun mal viel, viel schwerer, als das mancher denkt, der jetzt nach Law and Order ruft. 

          Manager Heidel: „Mich rufen die eher an“

          Mainz 05 hat zuletzt nach Ausschreitungen in Kaiserslautern eine Rekordstrafe von 5000 Euro verhängt, und Sie haben angekündigt, die Übeltäter schnell dingfest zu machen und ihnen eine Geldstrafe aufzubrummen. Hatten Sie Erfolg, Herr Heidel?

          Heidel: Es ging damals weniger um die Bengalos, sondern um Verunglimpfungen des Gegners, vor allem von Fritz Walter. Man kann sich verbal in die Wolle bekommen, aber so etwas wollen wir bei Mainz 05 nicht. Was die Bengalos betrifft: Wir sind heute in einer ganz anderen Dimension als noch vor einem Jahr.

          Inwiefern?

          Heidel: Vor einem Jahr hat jeder gewusst, das ist verboten, und dann gab es ab und zu mal eine Strafe.

          Und heute?

          Heidel: Da haben sich die gesamten Ultragruppen in Deutschland solidarisiert. Wir haben es jetzt mit einer Bewegung zu tun, die entstanden ist, weil falsche Erwartungen geweckt wurden.

          Bruchhagen: Ja, von einem Mitarbeiter des DFB, der heute gar nicht mehr da ist.

          Sie spielen auf die Ansage des ehemaligen Sicherheitsbeauftragten Spahn in Richtung der Ultras an: Verhaltet euch mal eine Weile ruhig, dann können wir über spezielle Zonen für das Abbrennen von Bengalos in den Stadien reden.

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