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Im Gespräch: Bruchhagen und Heidel : „Man hätte Capos nie zulassen dürfen“

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Bruchhagen: Das darf aber nicht so enden, dass wir den Ultras Merchandising-Rechte überlassen oder Ähnliches. In Italien hat sich die Ultrabewegung durchgesetzt, und der Fußball liegt dort am Boden. Die Vereinspräsidenten haben den Ultras die Karten umsonst gegeben, ihnen Merchandising-Rechte überlassen. Die regieren die Stadien, dort ist rechtsfreier Raum. Die sind da unter sich, weil sonst keiner mehr hin geht. Das wird in Deutschland nicht passieren, weil alle, die den Fußball lieben, zu entschlossen sind.

Gibt die große Gruppe den Übeltätern Schutz?

Bruchhagen: Es gibt bei den Ultras die Kreativen und Fußballliebhaber, die den Support organisieren. Und es gibt eben ganz klare Kandidaten, die sich nur ausdenken: Wo können wir die Etablierten ärgern, wie können wir Aufmerksamkeit erregen, die Gesellschaft provozieren.

Heidel: Das Problem der Gruppe ist es, die Genannten durch einen Selbstreinigungsprozess auszugrenzen. Die verpfeifen keinen aus ihrer Gruppe, egal was er macht. Wir müssen den Friedfertigen aber klarmachen, dass sie die gewaltbereiten Mitglieder ausgrenzen müssen.

Bruchhagen: Ich bin schrittweise zum Hardliner geworden. Das war ich zunächst nicht. In der jetzigen Situation helfen nur restriktive Maßnahmen. Und da haben wir bessere Karten, denn die Staatsanwaltschaft ist nach den Angriffen auf die Polizei ganz anders sensibilisiert. Zuvor hat sie die Delikte als Wirtshauskeilerei bagatellisiert.

Wie steht es um Prävention? Die Fanprojekte sind fast allerorten unterbesetzt.

Bruchhagen: Wir können auch 80 Sozialarbeiter da reinschicken. Und dennoch werden wir die Ultras nicht überzeugen. Vielleicht muss dann am Ende doch mal ein Verein wegen einer Acht-Punkte-Strafe absteigen, damit sie es kapieren.

Was halten Sie vom Ausschluss von Dynamo Dresden aus dem DFB-Pokal?

Bruchhagen: Ich werde als Vertreter der DFL sicher nicht Urteilsschelte betreiben. Ich persönlich hätte das nicht so entschieden. Kollektivstrafen haben den Nachteil, dass sich manche mit den Verursachern der Strafe solidarisieren.

Heidel: Ich glaube schon, dass auch so was wie die Strafe für Dresden abschreckt. Darüber wird jetzt gesprochen werden in Fankreisen.

Welche Einflusschance hat ein Verein im Stadion? In Mainz wirkt Stadionsprecher Klaus Hafner sehr deeskalierend. Das gibt es in Frankfurt nicht.

Heidel: Klaus Hafner nimmt die Gästefans mit ins Boot. Bei uns werden der Gegner und seine Fans, außer vielleicht gegen Lautern und die Eintracht, mit Beifall begrüßt.

Bruchhagen: Wir haben 40 000 Zuschauer im Schnitt. Vermutlich wären 37 000 dazu bereit, den Gegner zu würdigen. Aber die werden halt dominiert von den Capos oder wie die heißen, die mit ihrer Flüstertüte den Ton angeben. Auch das kam übrigens aus Italien. Das hätten wir nie zulassen dürfen. Und dann springen unsere lieben Zaunkönige aus Mainz sogar noch an den Fanblock und feiern mit.

Sie zielen darauf ab, dass Manager Heidel, Präsident Strutz und Trainer Tuchel Widerspruch provozierten mit einem Ausflug auf den Zaun des Fanblocks.

Heidel: Ich bleibe dabei, dass wir lieber nah dran sein sollten.

Bruchhagen: Christian, Du verharmlost das. Es kann sein, dass in zwei Jahren dieselben, mit denen ihr da gefeiert habt, vor Eurem Bus sitzen und diesen blockieren.

Heidel: Das glaube ich nicht. Wenn man Nähe und Dialog praktiziert, kann man so was vielleicht sogar verhindern.

Das Gespräch führten Uwe Marx und Daniel Meuren

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