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Im Gespräch: Bruchhagen und Heidel : „Man hätte Capos nie zulassen dürfen“

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Was ist maximal möglich?

Bruchhagen: Drei Jahre.

Heidel: Ich hätte auch kein Problem zu sagen, lebenslang raus. Bei dem Thema werde sogar ich aggressiv. Wer bei uns gewalttätig wird, ohne den Ansatz der Notwehr, der ist weg. Aber klar - in einer viel kleineren Szene als in Frankfurt. Das alles macht einen Dialog allerdings nicht überflüssig.

Klingt nach dem Motto: Null Toleranz, oder?

Bruchhagen: Dem nähern wir uns ja an. Aber die Beweisführung ist nun mal nicht leicht.

Heidel: Allein die Identifikation von Tätern ist oftmals äußerst schwierig.

Bruchhagen: Die Haupttäter sind nun mal oft vermummt. Und die Polizei soll deeskalierend arbeiten, die müssen sich ja schon bei anderen Sachen zurückhalten. Was glauben sie, wie übel die beschimpft werden, wenn sie zum Beispiel Sicherheitsketten bei Fanaufmärschen bilden. Ihre Reihe verlassen sie trotzdem nicht, denn keiner weiß, was dann mit ihnen passiert Es ist absurd.

Heidel: Als wir mal in Hannover gespielt haben, hing ein riesiges Spruchband, auf dem Polizisten mit schlimmen Parolen beleidigt wurden, bestimmt zehn Minuten im Hannoveraner Block, ohne dass auch nur einer da rein gegangen wäre, um es abzuhängen - weil man sich dieser Gefahr nicht aussetzen wollte. Was ich gut verstehen kann.

Warum kann man die Wiederholungstäter nicht ausschließen?

Bruchhagen: Die schließen wir ja aus, wenn die Beweislage es zulässt. Aber dann nehmen die sich einen Anwalt, die Beweislage wird immer dünner. Gehen Sie mal in einen Prozess hinein, wenn ein Anwalt einen Ultra mit Stadionverbot in der Revision vertritt. Der hessische Innenminister Rhein will künftig mit Platzverweisen und Meldepflicht zum Zeitpunkt des Spiels vorbeugen.

Sie könnten ja auch mal persönlich zur Zielscheibe des Protests werden. Sind Sie schon mal bedroht worden?

Bruchhagen: Man wird mal blöd angemault, wenn man durch die Straßen geht. Es kommen Briefe.

Heidel: Mich rufen die eher an.

Welche Form nehmen diese Proteste an?

Bruchhagen: Das ist auf dem Niveau von "Hau ab und verpiss dich!", wenn man gerade abgestiegen ist.

In Magdeburg wurde ein Spieler an seiner Haustür bedroht.

Heidel: Dieser Vorfall in Magdeburg kam jetzt leider natürlich genau passend. Ich bin aber weit davon entfernt, Angst davor zu entwickeln. Ich glaube nicht, dass bestimmte Gruppen nun generell versuchen, Einfluss zu nehmen auf Spieler. Das ist ein Einzelfall von Geistesgestörten, die man entsprechend bestrafen muss. Da reichen Stadionverbot oder Geldstrafe nicht aus. Aber noch mal: Daraus darf man nicht folgern, dass jeder Ultra ein Schläger oder Verbrecher ist. Das wäre Quatsch.

Wie pflegen Sie in Mainz Kontakt zu den Fans?

Heidel: Einige Ultras sitzen bei uns immer mal unterhalb der Geschäftsstelle in einem Lokal. Da setze ich mich auch dazu und rede mit ihnen. Sie widersprechen sich in ihrer Argumentation sicher oft selbst. Aber ich finde die Diskussionen mit ihnen auch oft spannend. Nur gibt es in diesen Gruppen Ausnahmefälle. Für die Ultras ist der Verein und die Ultragruppe selbst ein so großer Teil ihres Lebens.

Bruchhagen: Was Christian da schildert, galt bei uns auch noch vor zwei Jahren. Aber sie machen sich rar. Sie absentieren sich total von den anderen Gruppen. Sie betonen immer wieder ein besonderes Gefühl. Da geht es um die Mystik einer Jugendbewegung. Es ist ja wohl keine Lösung, alle 400 bekannten Ultras auszusperren. Ich hoffe nicht, das wir eines Tages so weit gehen müssen.

Heidel: Das Merkwürdige an den Auseinandersetzungen zwischen Ultras verschiedener Vereine ist: In vielen Dingen im Kampf um das Bewahren ihrer Fußballkultur sind sie einer Meinung. Und trotzdem hauen sie sich dann bei anderer Gelegenheit die Köpfe ein. Ich glaube, dass wir gewisse Dinge nur im Dialog unterbinden können.

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