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Im Gespräch: Bruchhagen und Heidel : „Man hätte Capos nie zulassen dürfen“

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Heidel: Das hat man in Aussicht gestellt. Und was war das Ergebnis? Sie haben es beim Verband geprüft und dann festgestellt, dass das überhaupt nicht geht. Wie können wir uns denn auch gegen bestehende Gesetze stellen? Und jetzt werden Bengalos gezündet, um es uns zu zeigen, und nicht mehr, um eine Mannschaft zu unterstützen, wie das früher der Fall war.

Und nun?

Heidel: Das ist jetzt ein politisches Thema. Das bekommt man nur noch im Dialog vom Tisch. Es soll ja jetzt einen Gipfel geben, bei dem gar keine Fanvertreter dabei sind. Das würde ich überhaupt nicht verstehen.

Bruchhagen: Die Ultraszene kokettiert aber auch zum Teil damit, dass sie nicht mit den Etablierten kommuniziert.

Dynamo Dresden will für das Auswärtsspiel bei St. Pauli keine Karten mehr an die eigenen Fans ausgeben. Das müsste bei Eintracht Frankfurt doch schon seit Jahren eine vertretbare Praxis sein.

Bruchhagen: Nein, nein, das kommt für uns nicht in Frage. Wir werden doch wegen einer Minderheit keine Kollektivstrafe verhängen. Das wäre doch eine Kapitulation erster Güte. Nein, das können wir nicht machen.

Es ist also keine Option für Sie, die friedfertige, aber schützende Masse mit zu bestrafen, um die Gewaltbereiten zu treffen?

Bruchhagen: Die Frage ist: Grenze ich wirklich aus, oder führe ich Solidarisierung zu? Bei einer Jugendkultur können Sie hundertmal recht haben, aber eine solche Solidarisierung können Sie nicht verhindern.

Kann es noch schlimmer werden?

Bruchhagen: Ich hoffe nicht. Ich finde etwas fatal an der Diskussion: Im Stadion muss kein Besucher Angst haben. Die Zuschauer gehen sicher zu den Spielen der Eintracht. Die Fangruppierungen haben sich noch nie gegen normale Zuschauer gewandt. Sie sind aggressiv, zum Teil gewaltbereit und verletzen Gesetze, belästigen den normalen Zuschauer aber nicht.

Die Zuschauer aus Kaiserslautern, die kürzlich bei einem Pokalspiel attackiert wurden, sind großteils normale Zuschauer gewesen.

Bruchhagen: Der Gegner und in der verquasten Gedankenwelt auch die Polizei sind der Feind. Vor dem Kaiserslautern-Spiel haben die Ultras in einem Organ dazu aufgefordert, wenn es sein muss, die Sitze rauszureißen. Das ist die klare Aufforderung, dass Gewalt erlaubt ist. Das geht natürlich nicht.

Heidel: Man muss aber zwei Dinge trennen - Bengalos und Gewalt, das ist nicht dasselbe. Dass das Abbrennen nicht erlaubt ist, ist die eine Sache. Aber Gewalt ist für mich, wenn zwei kommen, und es gibt was auf die Mütze. Das darf man nicht gleichsetzen.

So oder so scheinen Sie die Urheber der Gewaltexzesse nicht zu erreichen.

Bruchhagen: Die Ultrabewegung übt auf junge Menschen eine Faszination aus, die man nicht erklären kann. Sie entsteht aus der Ermangelung von katholischer Jugend, von Pfadfindern, Gesangvereinen, aktiven Sportvereinen, in Ermangelung der Vereinskultur der sechziger, siebziger Jahre, der beruflichen, emotionalen und familiären Bindungen. Da geraten viele Beobachter in die Spur der Ratlosigkeit.

Sie auch?

Bruchhagen: Es ist selbst für die schwierig, die auf diesem Gebiet Spezialisten sind. Fußballvereine gehören nicht dazu. Wir sind dafür ja gar nicht ausgebildet. Und ich schon gar nicht. Christian Heidel ist ja wenigstens noch jünger.

Und Mainz ist ein ruhigeres Pflaster?

Heidel: Ich kenne unsere Pappenheimer ja alle. Ich bin mit der Fankurve aufgewachsen, ich komme ja auch daher. Und ich kann auch vieles verstehen. Aber die Grenze gibt es beim Thema Gewalt. Wir haben einen ganz klaren Standpunkt: Wenn bei uns einer überführt wird, dann bekommt er das längste Stadionverbot, das überhaupt möglich ist. Ohne jegliche Diskussion. Das wissen bei uns alle.

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