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Im Gespräch: Bayern-Sportvorstand Sammer : „Ich liebe Konflikte“

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Der Mahner Matthias Sammer: „Wir wollen weg von diesem Hype. Wir wollen uns mit Arbeit beschäftigen, mit Details“ Bild: Wonge Bergmann

Matthias Sammer ist nah dran an der Entwicklung der Bayern nach dem Triple. Im Interview spricht der Sportvorstand über den Hype um Trainer Guardiola, neue Münchner Motivation, die Rivalität mit Klopp und sein Image als Polarisierer.

          Es heißt, die größten Fehler mache man im Erfolg. Welche muss der FC Bayern jetzt vermeiden?

          Die Mannschaft, der Verein und Pep Guardiola müssen zusammenwachsen, sich aneinander gewöhnen. Es kommt darauf an, die Tradition des Klubs und das, was die Mannschaft stark gemacht hat, mit den neuen Ideen, die vom Trainer kommen, sensibel zu verbinden. Wenn das funktioniert, werden wir erfolgreich sein.

          Vor einem Jahr kam die große Motivation aus der bitteren Niederlage gegen Chelsea. Kann dieselbe Motivation aus einem großen Triumph kommen?

          Ich weiß nicht, ob die Motivation damals von vornherein da war. Aber wir haben eine Motivation daraus gemacht. Mit klaren Zielen und drei Schwerpunkten: Stärkung der Persönlichkeit der Mannschaft, disziplinierteres Arbeiten gegen den Ball und flexibleres Agieren mit dem Ball, unberechenbarer, weg von der Statik.

          Und jetzt?

          Jetzt müssen wir wieder Ziele und Verhaltensweisen definieren, aber erst nach einer Zeit des Beschnupperns. Ich sehe keine Gefahr eines Nachlassens. Die Definitionen müssen wieder eindeutig sein.

          Haben Sie beim Beschnuppern mit Guardiola eine Wellenlänge gefunden?

          Es ist wunderbar. Die menschliche Basis stimmt.

          Reichen seine Sprachkenntnisse schon, um das Team führen zu können?

          Die sprachliche Kommunikation findet schon auf einem sehr, sehr guten Niveau statt. Doch fehlen natürlich noch einige Feinheiten. Er braucht noch Zeit.

          Bekommt er die?

          Wir wollen weg von diesem Hype. Wir wollen uns mit Arbeit beschäftigen, mit Details. Der Zeitfaktor soll kein Alibi sein, aber trotzdem braucht Entwicklung ein gewisses Maß an Geduld. Wir gehen davon aus, dass es sofort läuft. Aber wir werden uns auch nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn es anfangs noch etwas holpert. Ich erinnere daran, bei aller Dankbarkeit für Jupp Heynckes, dass er im ersten Jahr keinen Titel geholt hat. Auch Guardiola darf die Zeit haben, die andere Trainer hatten.

          Hilft es, dass Sie und er sich als Spieler ziemlich ähnlich waren? Sie zählten in den neunziger Jahren zu den besten Defensivstrategen Europas.

          Er spielte in Spanien den klassischen Sechser. Ich versuchte auf einer etwas anderen Position, die unser deutsches System, noch mit Libero, hergab, relativ ähnlich zu spielen. Vor ein paar Tagen sagten wir im Gespräch: Es wäre interessant gewesen, wenn wir mal in einer Mannschaft gespielt hätten. Mit seiner Idee vom Fußball, Lücken zu erkennen, in die man stößt. Aber vielleicht wäre der eine schon immer da gewesen, wo der andere hinwollte.

          „Ich betrachte Konflikte als etwas Positives, sie geben mir Kraft“

          Zwei Spieler, eine Position: Der Trainer hätte viel Arbeit mit Ihnen beiden gehabt. So wie Guardiola nun bei den Bayern. Heynckes schaffte es, die drei Offensivpositionen auf den Flügeln und hinter der Spitze ohne Revolte unter fünf Spielern aufzuteilen. Jetzt kommt aber noch Götze. Kann das gutgehen?

          Wenn der Kader zu klein ist, fehlen Alternativen. Wenn der Kader zu groß ist, kann Unruhe entstehen. Aber neben dem Trainer bin auch ich da, um täglich darauf hinzuweisen, dass man sich bei aller individuellen Qualität und unterschiedlichen Charakteren in den Dienst der Mannschaft zu stellen hat. Im letzten Jahr hat es uns sehr gut getan, auch zu rotieren.

          Sehen Sie sich nun selbst verstärkt als Moderator und Motivator der Spieler?

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