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Im Gespräch: Bayern-Sportvorstand Sammer : „Ich liebe Konflikte“

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Sie finden, Ihre Leistung wird nicht genug wahrgenommen?

Ich finde, man muss Arbeit auch einmal für sich sprechen lassen. Von der U-18-Europameisterschaft mit der DDR bis zum Pokalsieg in diesem Jahr habe ich, individuelle Ehrungen mitgezählt, als Spieler, Trainer und Sportdirektor 23 Titel errungen.

Die meisten davon in Dortmund. Die Rivalität mit der Borussia spitzte sich zuletzt etwas zu. Erwarten Sie ein schärferes Klima in der neuen Saison?

Borussia Dortmund hat zuletzt sehr viel über uns geredet, aber wir nicht über sie. Dafür haben wir in den Jahren, in denen wir nicht erfolgreich waren, auch sehr viel über sie geredet. Ich sehe keine Problematik mit Dortmund. Ich schätze die Entwicklung des Klubs, ich schätze zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg, und ich schätze einen harten Widersacher. Das ist aller Ehren wert, das respektiere ich.

Ist es etwas anderes, weil es Ihr früherer Klub ist?

Dort war ich elfeinhalb Jahre, eine tolle Zeit. Aber ich kann doch meine Energie jetzt nicht mit diesem Klub in Verbindung bringen. Meine Energie ist hier. Ich beschäftige mich nicht mit Borussia Dortmund, außer wenn wir gegeneinander spielen.

Und außer wenn Sie sich für Dortmunder Spieler interessieren. Verstehen Sie deren Ärger über Götze und Lewandowski?

Wenn uns Borussia Dortmund die Möglichkeit gibt, diese Spieler zu bekommen, werden wir uns darum bemühen.

War der Champions-League-Sieg gegen Dortmund Ihr bisher emotionalster Moment beim FC Bayern?

Ja, weil dieser Sieg so extrem wichtig war, für Philipp Lahm, für Bastian Schweinsteiger, nachdem jahrelang darüber geredet wurde, dass das angeblich keine Gewinnertypen sind. Ein drittes Finale in vier Jahren zu verlieren hätte uns einen Stich ins Herz versetzt.

Und dann: endlich diesen Pokal in der Hand.

Wir hatten in vielen Gesprächen die Denkweise verankert: Nicht wir rennen dem Pokal hinterher, der Pokal kommt zu uns. Wir müssen aufhören, etwas nachzujagen, auf andere zu schauen, nach dem Pokal zu schielen. Wenn wir unser Potential ausschöpfen, so war die Botschaft, dann kommen die Titel zu uns.

Bei Ihrer Vorstellung vor einem Jahr sagten Sie: „Wir wollen und wir werden schnellen Erfolg haben.“ Und sprachen von den letzten Prozenten, die noch fehlten.

Entscheidend war, zu verstehen, dass die letzten drei, vier Prozent nicht daraus resultieren können, die Spieler noch mehr unter Druck zu setzen. Diese Prozente werden auf dem Spielfeld herausgeholt. Aber sie werden vorher vorbereitet. Und am Ende übernimmt ein Spieler Verantwortung. So wie Bastian im Champions-League-Finale, als er nach 25 Minuten ohne Anweisung vom Trainer eine taktische Veränderung vornahm - wir waren im Aufbauspiel schlecht, sie pressten gut, also schuf er Überzahl im Aufbauspiel.

Das war mitentscheidend?

Wenn das Spiel verlorengegangen wäre, hätten alle gespottet: Schweinsteiger spielte Libero. Aber ich sagte hinterher zu ihm und hätte das auch gesagt, wenn wir nicht gewonnen hätten: Du hast dich aufgeopfert, um im Aufbauspiel unsere Innenverteidiger zu schützen.

Was heißt das?

Du musst den Menschen die letzten drei, vier Prozent, die du von ihnen verlangst, vorher gegeben haben. Das muss der Klub tun, indem er sie schützt, sie stärkt und ihnen Verantwortung überträgt. Und wir müssen nun den nächsten Schritt machen: mia san mia bewahren, aber noch mehr: mia san Familie. Noch mehr Gefühl füreinander bekommen.

Und nun wieder bei null anfangen?

Ja, Gott sei Dank. Die Titel sind Geschichte. Sie bleiben für die Ewigkeit. Jetzt ist es wieder eine neue Herausforderung, jeden Tag.

Das Gespräch führte Christian Eichler.

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