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Im Gespräch: Bayern-Sportvorstand Sammer : „Ich liebe Konflikte“

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Sind Sie, seit Hoeneß wegen seiner Steueraffäre öffentlich nicht mehr so präsent ist, in den Vordergrund gerückt, auch in die Rolle des Polarisierers?

Entschuldigung, ich bin Sportvorstand, bin jeden Tag bei der Mannschaft und damit in der Öffentlichkeit. Ich werde jeden Tag um meine Meinung gefragt. Ich nehme die Rolle an, so wie ich sie verstehe und es Bayern dient, und das, bei all meinen Fehlern, authentisch.

Bei Ihrem Wortgefecht mit Jürgen Klopp im Mai in Dortmund fühlte sich mancher an den alten Hoeneß der Abteilung Attacke erinnert.

Klopp hat sich mit Rafinha nicht auseinanderzusetzen, das ist ein Spieler von Bayern München. Wenn er meint, das tun zu müssen, muss er wissen, das lässt Bayern München nicht zu. Und wenn mein Trainer das in dem Moment nicht gemacht hat, weil er vielleicht andere Dinge im Kopf hatte, dann gilt es für mich, Bayern München zu schützen.

„Wenn Spieler von uns von einem Mann eines anderen Klubs angegriffen werden, kann ich das nicht laufenlassen. Aber das ist nichts Persönliches“

Gibt es da etwas Persönliches zwischen Ihnen und Klopp?

Nein, ich schätze Jürgen Klopp. Wenn Spieler von uns von einem Mann eines anderen Klubs angegriffen werden, kann ich das nicht laufenlassen. Aber das ist nichts Persönliches.

Und Ihre Anspielung auf Klopps Haarverpflanzung bei der Vorstellung von Guardiola, der wie Sie eine Glatze hat: „Wenn wir etwas dagegen tun wollten, könnten wir das, aber wir wollen nicht?“

Da ging es nicht um Klopp, sondern um Wayne Rooney.

Aber es musste doch als Spitze gegen Klopp verstanden werden.

Warum? Von uns hat es keiner so verstanden. Ich frage mich oft: Geht’s in Deutschland nicht um Leistung, sondern nur noch um Image, um Schein, um Auftritt und Wirkungen? Für was muss ich mich eigentlich rechtfertigen? Aber für mich ist es kein Problem. Ich bin unabhängig. Ich hatte viel Glück, viele Höhen im Leben, aber auch Tiefen, mit dreißig eine schwere Infektion im Knie; von heute auf morgen musste ich die Laufbahn beenden, ich konnte nicht mehr normal gehen. Ich war am Boden. Mich trifft es nicht, ob einer über mich gut oder schlecht spricht. Ich bin seit dieser Woche zwanzig Jahre mit meiner Frau glücklich verheiratet, wir haben drei gesunde Kinder, das sind für mich die Werte des Lebens. Und Titel! Das ist mein Ehrgeiz. (schmunzelt) Titel auch, das stimmt.

Ihr Image interessiert Sie offenbar nicht. Dieses Wort hat aus Ihrem Munde keinen guten Beiklang.

Warum soll ich auf ein Image reagieren, auf den Schein also? Ich will es nicht. Ich könnte ja jetzt eigentlich losmarschieren mit einem Medien-, Image- und Stylingberater, um der Welt da draußen zu beweisen, was für ein toller Hecht ich bin. Die heutige Zeit fördert diese Eitelkeit. Aber ich bin nicht eitel. Deshalb sage ich: Lasst uns lieber gewinnen.

Sie wirken stets konfliktbereit.

Ich liebe Konflikte. Konflikte und Kritikfähigkeit, so bin ich groß geworden, sind leistungsfördernd und dienen, sofern sie nicht persönlich gemeint sind, immer der Sache. Ich bin unglaublich überrascht, wie kritikempfindlich, wie konfliktscheu die meisten Menschen sind. Ich betrachte Konflikte als etwas Positives, sie geben mir Kraft. Denn ich nehme es nie persönlich.

„Wenn uns Borussia Dortmund die Möglichkeit gibt, diese Spieler zu bekommen, werden wir uns darum bemühen“

Auch die Konflikte mit Jupp Heynckes?

Viele Experten waren der Meinung, dass es nicht funktionieren kann mit Jupp und mir. Aber es hat doch wunderbar funktioniert. Und wir haben es sogar geschafft, dass wir in der laufenden Saison für das neue Jahr einen neuen Trainer verpflichteten, ohne mit dem alten vom Erfolgsweg abzukommen. Ich finde, wir haben Unglaubliches geleistet: diese Mannschaft, diesen Verein erfolgreich und stabil zu halten.

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