https://www.faz.net/-gtm-7b2cs

Im Gespräch: Bayern-Sportvorstand Sammer : „Ich liebe Konflikte“

  • Aktualisiert am

Glauben Sie, dass das, was in der letzten Saison passiert ist, von allein funktioniert hat? Dass es ein Zufall war, dass diese Mannschaft so einen Geist entwickelt und wie sie Fußball gespielt hat? Und wie Spieler, die von sogenannten Experten als nicht integrierbar eingeschätzt wurden, plötzlich für ihren Einsatz Anerkennung in der Mannschaft bekommen haben? Das ist jeden Tag im Umgang miteinander gewachsen. Und die wichtigsten Gespräche waren nicht immer die mit den Spielern, die gespielt hatten, sondern mit denen, die nicht dabei waren. Damit du die Gruppe zusammenhältst. Die Qualität der Kommunikation, des Umgangs, die Sensibilität, das ist das Geheimnis.

Und die Taktik? Muss Guardiola Sie von seinen Plänen überzeugen?

Ich rede nicht ins Sportliche hinein. Aber ich stehe ihm als Gesprächspartner zur Verfügung. Und ich versuche, in charakterlichen Fragen Einfluss zu nehmen, den Trainer in diesem Prozess zu unterstützen, mit vielen Gesprächen.

Sammer (l.) und Guardiola:  „Es ist wunderbar. Die menschliche Basis stimmt“

Zuletzt waren Sie im Training nicht mehr so präsent wie unter Heynckes.

Doch, ich bin immer dabei. In der gleichen Quantität und Intensität. Nur suche ich mir beim Training nun teilweise andere Positionen. Wenn wir taktisch arbeiten, bleibe ich oben im Leistungszentrum, von dort habe ich einen viel besseren Überblick als unten. Es ist mein Weg, das Detail zu erkennen. Ich bin nicht der, der dem Trainer in Aufstellungen oder Auswechslungen reinredet. Ich organisiere die Leistungsvoraussetzungen für unsere Arbeit.

Sie sehen sich als Sportdirektor sehr nahe an der Tagesarbeit?

Ich bin Sportvorstand. Ich bin kein Manager. Meine Aufgabe ist nicht die, Finanzen zu planen oder Transfers zu Ende zu führen. Sie zu beginnen, das ist meine Aufgabe. Sportlich mit Karl-Heinz Rummenigge und dem Trainer zu entscheiden, welche Positionen zu besetzen sind, mit welchen Spielern.

Welche Ziele kann man als Sportvorstand nach dem maximalen sportlichen Erfolg in Ihrer ersten Saison noch haben?

Erstens, sich auf dem hohen Niveau zu stabilisieren und im Detail weiterzuentwickeln, hoffentlich eine Ära mit zu prägen. Zweitens, in den nächsten drei bis fünf Jahren eine der besten Nachwuchsakademien der Welt aufzubauen. Bayern München wird stabil bleiben, wir haben Konstanten geschaffen. Wir werden uns weiter entwickeln und mit Pep Guardiola hoffentlich eine Konstanz auf einer entscheidenden Position bekommen. Seine Ideen müssen hier auf fruchtbaren Boden fallen. Das organisiert und leistet Bayern München.

„Ich rede nicht ins Sportliche hinein. Aber ich stehe ihm als Gesprächspartner zur Verfügung“

Im ganzen deutschen Fußball gibt es wohl keinen Mann, über dessen Arbeit es so extrem unterschiedliche Auffassungen gibt wie über Ihre. Von Franz Beckenbauer, der Sie als den wichtigsten Mann für den Erfolg bezeichnete, bis zu Leuten, die Ihren Anteil am Triple in Frage stellen.

Was ich ein bisschen vermisse, ist Respekt. Ich werde immer als polarisierend beschrieben. Ich versuche aber eigentlich nur, authentisch zu sein. Das Ergebnis und der Erfolg sind mir wichtiger als ein persönliches Image und Eitelkeit. Finden Sie nicht, dass dieser Klub in der letzten Saison in seiner Art und Weise des Fußballs und des Auftretens sehr positiv war?

Warum polarisieren Sie so sehr?

Ich strebe das nicht an. Noch einmal: Erfolg ist mir und uns das Wichtigste. Ich kann nicht auf alle Menschen Rücksicht nehmen. Rücksicht muss ich auf den Klub nehmen, auf den Umgang mit unserem Trainer, unserer Mannschaft. Auf Empfindlichkeiten außerhalb des Klubs nehme ich keine Rücksicht. Auf Empfindlichkeiten innerhalb des Klubs reagiere ich hoch sensibel.

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.