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Fußball-Bundesliga : Warum Gündogan doch in Dortmund bleibt

  • Aktualisiert am

Nationalspieler Ilkay Gündogan bleibt nun wohl doch in Dortmund. Bild: dpa

Eigentlich wollte Ilkay Gündogan schon in München oder Barcelona sein. Nun aber startet er in Dortmund in die neue Saison. Dass der Nationalspieler die Borussia doch nicht verließ, hat Gründe.

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          Pünktlich zum Trainingsauftakt von Borussia Dortmund scheint Thomas Tuchel mit einem Spieler planen zu können, mit dem in Dortmund kaum jemand mehr gerechnet hatte. Nationalspieler Ilkay Gündogan steht vor einer Vertragsverlängerung, behauptete die „Bild am Sonntag“ und fügte das nächste Detail einer sich schon länger andeutenden Volte hinzu: Die vergebliche Suche nach einem neuen Verein hat beim eigentlich abwanderungswilligen Nationalspieler offenbar einen Sinneswandel eingeleitet.

          Und auch beim Führungspersonal des BVB. Vor Wochen noch hatten die Parteien erklärt, eigene Wege gehen zu wollen. Nun spricht wohl vieles für eine „Zusammenarbeit“ über die Saison 2015/16 hinaus. „Wir haben eine gute Basis“, ließ Sportdirektor Michael Zorc wissen. Gündogan bleibt? Wenn dem so ist, dann liegt das wohl auch am Neuen. Tuchels Verpflichtung und dessen Interesse an Gündogan gefällt dem Nationalspieler: Die Ideen des ehemaligen Mainzer Coaches vom Fußball und die Rolle, die er spielen könnte beim „Neuaufbau“ der Dortmunder.

          Angeblich ist Gündogan diese Aussicht wichtiger als das viele Geld für seine Dienste als Legionär - etwa bei Manchester oder Paris-Saint-Germain. Mehr als zehn Millionen Euro hätte er bei den Franzosen verdienen sollen. Aber Gündogan hatte ohnehin andere Klubs im Visier gehabt: den FC Barcelona und Bayern München. Bei den Spaniern scheiterte es wohl an den unübersehbaren Schwierigkeiten angesichts der Transfersperre bis zum Jahresbeginn. Der deutsche Rekordmeister schien nicht vollends überzeugt, mit Gündogan eine Lücke schließen zu können.

          Allerdings könnte auch ein Schuss Ernüchterung die Parteien getrieben haben, es weiterhin miteinander zu versuchen. Gündogans Marktwert ist wegen dessen langwieriger Rückenverletzung, wegen Dortmunds Schwäche und seiner soliden, aber sicherlich nicht überragenden Vorstellung in der zweiten Saisonhälfte wohl kaum gestiegen, Talent hin oder her. Was, wenn die potentiellen „Käufer“ nicht so tief in die Tasche greifen wollten, wie sich das Spieler und Verein vorstellten?

          Kein einfacher Zeitplan für BVB-Trainer Tuchel

          In solchen Fällen ist Geduld eine goldene Tugend. Gündogan könnte in einem ihm bekannten, ihn schätzenden Umfeld, noch dazu mit einem neuen Trainer, der auf ihn baut, wieder zu alter Form finden. Und Dortmund im Zuge eines persönlichen und allgemeinen Aufschwungs nach der Achterbahnfahrt in Jürgen Klopps letzter Saison kräftig profitieren: von einer dann gestiegenen Ablösesumme.

          Tuchel kann also auf eine halbwegs vertraute Größe mit Entwicklungs-Potential setzen. Aber der Zeitplan der Borussia bis zum Bundesligastart Mitte August macht dem Coach den Einstieg beim Kultklub nicht einfacher. Eine einwöchige Asien-Reise vom 5. bis 11. Juli und die Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League verdichten das Sommer-Programm. Dennoch macht Tuchel auf Optimismus: „Wir werden Lösungen finden, damit umzugehen.“

          Trainer Thomas Tuchel geht seine neue Aufgabe akribisch an.

          Nach dem Abschied von Klopp ist im Team die Lust auf Neues gewachsen. Auch der vom einstigen BVB-Coach geförderte und aus Mainz nach Dortmund zurückgekehrte Jonas Hofmann empfindet den Wechsel als Chance: „Es ist überhaupt kein Nachteil, dass Jürgen Klopp nicht mehr da ist. Es gibt auch andere Trainer, die auf junge Profis setzen - wie Thomas Tuchel.“ Wie gewissenhaft Tuchel die Aufgabe angeht, bekommen die Profis von diesem Montag an zu spüren.

          Mit einem Stich ins Ohrläppchen beim obligatorischen Laktattest ist es nicht getan. Die in ein Institut außerhalb Dortmunds verlegte Leistungsdiagnostik soll einen genaueren Überblick über den Fitnesszustand der Spieler geben. Er fließt in die Trainingspläne ein, in die individuell abgestimmten Vorgaben. Sie sollen so helfen, die hohe Verletzungsrate der vergangenen Jahre zu senken. Gleichzeitig arbeiten Tuchel und Zorc an der Zusammenstellung des Kaders.

          Das Fußballspiel ist ein Geschäft

          Eine neue Perspektive winkt beim BVB neben Gündogan auch Weltmeister Roman Weidenfeller. Konkurrent Mitch Langerak wechselt zum VfB Stuttgart, das wurde am Montag offiziell bekannt. Stürmer Ciro Immobile, der zu selten zum Zuge kam - auch aus Sicht des Klubs -, zieht es wieder in die Heimat.

          Aber solange der Italiener nicht transferiert ist, fehlen Mittel für die Verpflichtung eines neuen Torjägers. Bas Dost, der in Wolfsburg spielende Niederländer, gilt als Kandidat. Mit einem Verkauf von Gündogan wäre der Spielraum größer geworden. Aber die Dortmunder wissen zu genau, dass man gute Aktien in schwächeren Momenten halten und nicht verschleudern sollte. Das Spiel ist ein Geschäft.

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