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Huub Stevens im Gespräch : „Auch Klopp wird ruhiger werden“

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Authentischer Fußballtrainer: Stevens trägt stets Trainingsanzug, keinen feinen Zwirn Bild: dapd

Borussia Dortmund gegen Schalke 04, der Tabellenvierte gegen den Dritten - und ein 58 Jahre alter Routinier mit viel Erfahrung im Derby mittendrin. Im F.A.Z.-Interview spricht Huub Stevens über die schönsten Seiten des Derbys, Schalkes Chancen und den Kollegen vom BVB.

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          Kein Trainer des FC Schalke 04 hat in der Fußball-Bundesliga mehr Derbys gegen Dortmund bestritten als Huub Stevens. Vor dem Nachbarschaftsstreit an diesem Samstag ist ihm vor allem wichtig, dass seine Mannschaft aus den beiden Niederlagen in der vergangenen Saison ihre Schlüsse zieht - und er auch. Das ist typisch für den Schalker „Trainer des Jahrhunderts“, der, verteilt auf zwei Anstellungsverhältnisse, schon sieben Jahre für die Königsblauen gearbeitet hat - ein Rekord.

          Viele Leute in Gelsenkirchen und Dortmund behaupten, die Revierderbys seien die bedeutsamsten Spiele der Saison? Sehen Sie das auch so?

          Für die Fans mag das so sein, in so einem Derby stecken natürlich viele Emotionen. Aber als Trainer guckst du nicht nur auf ein oder zwei Spiele. Ich bin normal angespannt wie vor anderen Spielen auch. Im Laufe der Jahre ist aber auch die Art der Anspannung anders geworden.

          Stevens ist sich treu geblieben. Das zeigt auch sein Kleidungsstil. Als er vor gut einem Jahr zum zweiten Mal als Cheftrainer in Gelsenkirchen vorgestellt wurde, erschien er in Badelatschen. Die und ein Trainingsanzug sind die Insignien seiner Authentizität. Sogar in der Champions League verzichtet er meist auf feinen Zwirn.

          Was hat sich geändert?

          Ich bin viel erfahrener und gelassener, nicht nur im Derby. Wenn ich in bestimmten Situationen nicht anders reagieren würde als vor zehn Jahren, hätte ich aus dieser ganzen Zeit nichts gelernt, das wäre schlecht. Jeder Trainer, jeder Spieler, jeder Mensch wird sich entwickeln - wenn er offen dafür ist. Jeder Tag, an dem du nichts lernst, ist ein verlorener Tag. Ich kann mit vielen Situationen inzwischen besser umgehen.

          Sie empfinden den Beruf als weniger anstrengend?

          Ja. Das hat auch mit der modernen Kommunikation zu tun. Früher saß ich um sieben Uhr morgens schon bei Manager Rudi Assauer im Büro, um einiges zu besprechen. Das ist heute mit Horst Heldt nicht mehr in dem Maße nötig. Man kann über das Internet kommunizieren, per E-Mail oder SMS. Das erleichtert vieles.

          Sie sind immer erreichbar?

          Nein. Natürlich kann es auch stressiger werden aufgrund der modernen Kommunikationsmittel. Bei Facebook oder Twitter zum Beispiel mache ich nicht mit, das wäre noch mehr Stress, den will ich nicht. Während der Länderspielpause habe ich sogar mein Handy für zwei Tage ausgeschaltet. Ich brauche nicht so oft von der Arbeit abzuschalten wie andere vielleicht. Aber manchmal sage auch ich: Jetzt ist Schluss.

          Was hat Sie in all den Ruhrgebietsderbys am meisten beeindruckt?

          Das Kopfballtor zum 2:2 von Jens Lehmann, der damals noch für Schalke spielte. Das ist ein Moment, der mir in Erinnerung geblieben ist.

          Das 4:0 des FC Schalke in Dortmund nicht?

          Obwohl es ein Super-Ergebnis war: weniger.

          Nach der Niederlage vor kurzem gegen Bayern haben Sie gesagt, es sei lächerlich anzunehmen, Schalke und Bayern begegneten sich auf Augenhöhe. Gilt das auch bei Dortmund?

          Ich habe vor der Saison gesagt, dass die Meisterschaft zwischen Bayern und Dortmund entschieden wird. Das denke ich noch immer. Wenn man sieht, was diese Vereine ausgeben können und was wir gemacht haben, dann kann man doch nicht sagen, wir sind auf Augenhöhe. Wir haben null Euro bezahlt für Ablösesummen. Wir haben den Kader deutlich verkleinert und Gehalt eingespart. Aber es gibt immer wieder Mannschaften, die für eine Überraschung sorgen können, obwohl sie eigentlich nicht auf Augenhöhe mit den Besten sind. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Deutschland nach einem 4:0 gegen Schweden noch 4:4 spielt? Überraschungen dieser Art wird es immer wieder geben - hoffe ich zumindest. Wir werden uns in der Bundesliga hoffentlich wieder oben etablieren. Aber mit einer so jungen Mannschaft kann es auch mal schwierig werden, das internationale Geschäft zu erreichen, wenn die Leistung schwankt.

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