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Eintracht Frankfurt : Hütters Geduldsspiel

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Eintracht-Trainer Hütter braucht noch Zeit für den Umbau seiner Mannschaft – doch die nächste schwere Aufgabe wartet schon an diesem Sonntag. Borussia Dortmund kommt nach Frankfurt.

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          Schon am Morgen danach gab es nur noch wenig, was an den vorherigen Abend erinnerte, von dem sich ein Großteil der 47.000 Besucher mehr versprochen hatte: Putzkolonnen fegten über das Stadiongelände, Werbebanner der Uefa, die jede Europa-League-Partie dekorieren, wurden abgehängt und Getränkelieferanten füllten Vorräte auf. Bereits an diesem Sonntag (18 Uhr/ live im F.A.Z.-Liveticker und Sky)) steht im Waldstadion mit dem Dortmunder Gastspiel eine weitere Partei von Bedeutung auf dem Terminplan der Eintracht. Adi Hütter, der Coach, hätte nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn ihm mehr Zeit geblieben wäre, um sein Team nach dem 0:3 gegen den FC Arsenal psychisch aufzurichten und physisch neu auszurichten, in der Hoffnung, es damit für die nächste Belastungsprobe noch besser zu wappnen.

          Nach der verpatzten Darbietung auf der internationalen Bühne geht es für den Trainer nun darum, im Tagesgeschäft den nächsten Rückschlag zu vermeiden: Eine Niederlage gegen den BVB wäre die dritte binnen acht Tagen und eine Hypothek, die die folgende Reise an die Alte Försterei gegen Union Berlin nicht angenehmer gestalten würde.

          Um den Gunners beizukommen, reichte die Qualität des umformierten Kaders in der gegenwärtigen Verfassung nicht. Für Hütter passten „Leistung und Ergebnis nicht zusammen“. An der Einsatzbereitschaft gab es für ihn nichts auszusetzen. Dass eine Vielzahl von Tormöglichkeiten ungenutzt blieb, war für den 49-Jährigen zum einen ein Indiz für den Nachholbedarf, den André Silva und Bas Dost aus Mailand und Lissabon mitbrachten. Aber nicht nur die beiden Neulinge betrieben Chancenwucher, auch der etablierte Filip Kostic zeigte sich von seiner verschwenderischen Seite im gegnerischen Strafraum. Hütter sagte, „Geduld“ sei nötig, um den nicht abgeschlossenen Umbau der Mannschaft voranzutreiben. Ein frommer Wunsch, der dann schwer in Erfüllung gehen wird, wenn sich auch die Defensive weiter so anfällig präsentiert.

          Bundesliga

          Ausgerechnet Djibril Sow tat sich bis zur Pause als Unsicherheitsfaktor hervor. Der Schweizer Nationalspieler, für den die Eintracht 9,5 Millionen Euro an Young Boys Bern überwiesen hatte, konnte von Glück sagen, dass zwei kapitale Schnitzer von Kollegen bereinigt wurden. „Er hat sich selbst in die Bredouille gebracht“, lautete die Einschätzung Hütters über seinen Wunschspieler, der mit der Überzeugung verpflichtet wurde, mit ihm im defensiven Mittelfeld einen Ordnungshüter hinzuzugewinnen. Gerade im Frühling, als die Frankfurter zwischen Königsklassen-Träumen, Europa-League-Stress und Bundesligapflichten an ihre Grenzen gerierten, wurde eine technisch versierte Führungskraft vermisst, die mit Tempo in beide Richtungen marschieren kann.

          „Vertrauen geben“

          Sow, das zeigt sein Werdegang, wurde diesem Anspruch schon oft gerecht. Ein Sehnenriss, den er sich im Trainingslagers zuzog, hinderte ihn jedoch daran, in Frankfurt rasch Fuß zu fassen. Fast acht Wochen dauerte es, bis er wieder so fit war, dass er gegen Düsseldorf (2:1) zu seinem Comeback in der Schlussphase kam. In Augsburg stand er in der Anfangsformation, wobei er keine Bindung zu den Nebenleuten fand und in der Pause in der Kabine blieb. Gegen Arsenal wechselten sich Schatten und Licht ab. In der zweiten Halbzeit drängte die Eintracht bis zum Platzverweis von Dominik Kohr auf den Ausgleich, und gerade Sow unterstützte mit einigen geschickten Aktionen den Offensivkurs. „Mich hat gefreut, dass er sich im Laufe des Spiels gesteigert hat“, sagte Hütter. Er sei „grundsätzlich der letzte“, der auf einen Spieler, bei dem es nicht zu hundert Prozent rund laufe, „draufsteigt“, fügte der Österreicher an: „Gerade denen helfe ich und reiche ihnen die Hand, damit sie wieder nach oben kommen.“

          Am Rüstzeug mangele es Sow keineswegs. Hütter verwahrte sich gegen Meinungen, die die höherklassige Tauglichkeit des 22-Jährigen in Zweifel zogen. „Wir müssen Vertrauen geben, dann kann etwas wachsen.“ Ob er Sow gegen den BVB wieder in die Startformation beordert, ließ Hütter offen. Genauso wichtig wie die Frage nach der Aufstellung ist für den Trainer die Einstellung: „Wir müssen gemeinsam angreifen und gemeinsam verteidigen“, sagte er und forderte gegen den Tabellenzweiten eine „bessere Balance“. Die Dortmunder schossen beim 0:0 gegen Barcelona kein Tor, verfügen aber über eine Vielzahl an Extrakönnern. Fünf Tore gegen Augsburg, drei in Köln, vier gegen Leverkusen sind ein klares Signal: Die Eintracht muss die Reihen geschlossener halten als zuletzt, nur dann steigt die Chance auf das Happy End einer Woche, die bislang mehr Frust als Freude brachte.

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