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Zweite Bundesliga : Eine unglaubliche Blamage für den HSV

Rick van Drongelen verletzte sich im HSV-Spiel am Knie. Bild: Picture-Alliance

Die Chance war so groß: Heidenheim verliert am letzten Spieltag, doch der HSV kann das nicht ausnutzen und verpasst die Relegation. Nach einem fürchterlichen Debakel wartet ein weiteres Jahr zweite Liga.

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          Am Tag vor dem entscheidenden Spiel versuchte der Hamburger SV Hoffnung zu verbreiten. Auf seinen Internetkanälen veröffentlichte der Verein ein Bild. Es zeigt Aaron Hunt, den Mannschaftskapitän, der auf dem Rasen rutscht, das rechte Bein ausgestreckt. Er versucht, einen Ball aufzuhalten, der ins Aus zu kullern droht, aber noch die Linie des Spielfeldes berührt. Unter dem Bild steht: „Es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist.“

          2. Bundesliga

          Am Sonntagnachmittag, es waren etwas mehr als zwölf Minuten gespielt im Duell HSV gegen SV Sandhausen, flankte Julius Biada den Ball in den Strafraum, wo Kevin Behrens, sein Sturmpartner aus Sandhausen, im Zweikampf mit dem Hamburger Verteidiger Rick van Drongelen den Fuß hinstreckte. Einer von beiden – eher van Drongelen – berührte den Ball, der einmal aufhüpfte und erst im Tornetz wieder abbremste. Es war, anders als auf dem Bild im Internet, kein Hamburger da, der den Ball hätte aufhalten können. Nicht Torhüter Julian Pollersbeck, nicht Aaron Hunt, auch sonst keiner.

          In diesem Moment deutete sich zum ersten Mal an, was später feststand: Es ist wirklich vorbei. Der Hamburger SV, der große Favorit, wird wieder nicht aufsteigen. Er wird auch nächste Saison in der zweiten Liga spielen, das dritte Jahr in Folge. Der 1. FC Heidenheim verlor in Bielefeld, ein Unentschieden hätte den Hamburgern gereicht, um in der Relegation gegen Werder Bremen antreten zu dürfen. Um 17.23 Uhr, als die Partie abgepfiffen wurde, hatte Sandhausen in Hamburg 5:1 gewonnen.

          „Wir haben es leichtfertig aus der Hand gegeben“, sagte HSV-Coach Dieter Hecking: „Es gibt nicht den einen Schuldigen.“ Die Ausgangslage für Hecking hatte sich vor dem Entscheidungsspiel zusätzlich zum Tabellenstand verkompliziert. Er musste zwei Innenverteidiger ersetzen: Louis Jordan Beyer fehlte gesperrt, Timo Letschert verletzt.

          Vielleicht hätte einer von beiden verhindern können, dass Behrens in der zwölften Minute so energisch zum Ball ging. Vielleicht hätten sie Behrens auch in der 22. Minute aufhalten können, als er alleine auf Torhüter Pollersbeck zulief und mit einem Flachschuss das 2:0 erzielte. So konnte sich Behrens in der ersten Hälfte nur selbst stoppen. Er vergab danach noch eine Chance, die vielversprechender war als jede des HSV zu diesem Zeitpunkt. Da gab es nur einen Schuss von Joel Pohjanpalo über das Tor (5.) und einen von Martin Harnik in die Handschuhe des Torhüters (45.).

          Es auch in Hälfte zwei lange nichts darauf hin, dass die Hamburger die Offensivkraft entwickeln können, um einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen. Das änderte sich erst in der 59. Minute, als Hunt im Strafraum gegen den Ball trat – und danach von Sandhausens Tim Kister mit dem Fuß getroffen wurde. Mit Hilfe der Videobilder legte sich Schiedsrichter Frank Willenborg fest: Elfmeter. Hunt schnappte sich den Ball und schoss ihn so fest ins Tor, wie es in dieser Situation wohl angebracht war. Dem HSV fehlt nur ein Tor, doch es war Sandhausen, das noch drei erzielte: Kevin Behrens verwandelte einen Elfmeter (84.), Mario Engels schloss einen Konter ab, in der Nachspielzeit fiel das 5:1 – durch Dennis Diekmeier, neun Jahre lang Profi des Hamburger Sportvereins.

          „Nach so einem Spiele große Erklärungen zu suchen, ist fehl am Platz. So eine Leistung ist nicht zu entschuldigen. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen“, sagte HSV-Präsident Marcell Jansen bei Sky und fügte an: „Die Beine waren schwer, der Kopf war langsam.“ Bleibt Trainer Hecking? „Da werde ich jetzt nicht näher drauf eingehen. Irgendetwas aus der Emotion zu sagen, wäre jetzt falsch“, sagte er kurz nach der Partie.

          Neben Bielefeld stieg auch der VfB Stuttgart auf – trotz eines 1:3 gegen Darmstadt am letzten Spieltag. Mario Gomez schoss in seinem Abschiedsspiel des Tor für die Schwaben. Dynamo Dresden und der SV Wehen Wiesbaden müssen absteigen. Der 1. FC Nürnberg spielt in der Relegation gegen den Dritten der dritten Liga. Nach einem 1:1 in Kiel zog der Karlsruher SC durch ein 2:1 in Fürth noch vorbei und rettete sich.

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