https://www.faz.net/-gtm-99oej

0:3 in Frankfurt : Jetzt braucht der HSV ein Fußball-Wunder

Stehen die Hamburger am letzten Spieltag nochmal auf? Bild: EPA

Die Hoffnung war so groß, doch Hamburg verliert in Frankfurt. Der erste Abstieg in der Geschichte des Klubs rückt immer näher. Ganz anders ist die Stimmung bei der Eintracht – auch dank eines besonderen Torschützen.

          Der letzte Weg nach einem anstrengenden Arbeitstag fiel noch einmal schwer. Den Gang vor den eigenen Anhang traten die Spieler des Hamburger SV mit langsamen Schritten und gesenkten Köpfen an. Ihnen allen war bewusst, dass dieser Nachmittag weitreichende Bedeutung in der Geschichte des Klubs haben könnte: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Verein nach 55 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zur Fußball-Bundesliga in dieser Saison erstmals absteigt, ist deutlich größer geworden.

          Bundesliga
          ANZEIGE

          Durch das 0:3 am Samstag in Frankfurt verschlechterte sich die Situation für das Team von Christian Titz erheblich. Aus eigener Kraft kann es der Tabellen-Siebzehnte nun nicht mehr schaffen. Der aufmunternde Applaus der mitgereisten Sympathisanten war da nur ein schwacher Trost. „Ich habe direkt in der Kabine das Wort an die Mannschaft gerichtet. Alle glauben noch daran. Ich traue uns einen Sieg zu und dann schauen wir, was in den anderen Stadien passiert“, sagte HSV-Trainer Titz.

          Ungleich besser die Stimmung beim Sieger, für den die Qualifikation für den Europapokal machbar bleibt. Niko Kovac, der für sich persönlich die besseren Zukunftsperspektiven in München sieht, ging zuletzt zusammen mit der Eintracht bei den Zusammentreffen mit den Klubs, deren Trikots er in der Vergangenheit als Spieler trug, stets leer aus. Sowohl gegen Leverkusen (1:4), Hertha (0:3) als auch die Bayern (1:4) wurden der Mannschaft Grenzen aufgezeigt. Gegen den HSV, wo Kovac von 1999 bis 2001 unter Vertrag stand, setzte der 46-Jährige mit seiner Elf auf kontrollierte Offensive, um den negativen Trend umzukehren.

          Das gelang – nach Anlaufschwierigkeiten. Sein Team tat sich zunächst schwer, mit der Erwartungshaltung zurecht zu kommen. Es waren die Hamburger, die die strukturiertere Vorstellung boten und mit Lewis Holtby und Tatsuya Ito zwei Mann in ihrer Startformation hatten, die etwas mit dem Ball anzufangen wussten. „Ich glaube nicht, dass wir etwas zu verlieren haben. Wir sind nach wie vor die Mannschaft, die hinten dran steht, aber für uns ist die Ausrichtung klar: Es bringt nichts, wenn wir uns tiefstellen, wir müssen das Zepter in die Hand nehmen“, hatte Christian Titz unmittelbar vor dem Anstoß in einem Interview bei „Sky“ die Marschrichtung skizziert – seine Leute setzen die Worte lange in die Tat um.

          Ito stand bei der ersten aufregenden Aktion im Mittelpunkt, nachdem er von Aaron Hunt in Szene gesetzt worden war. Der Japaner dribbelte sich als Solokünstler durch die Eintracht-Abwehr und überwand zudem Keeper Lukas Hradecky; doch die vermeintliche HSV-Führung hatte nur kurz Bestand. Auf Intervention des Videoreferees nahm Schiedsrichter Deniz Aytekin den Treffer wegen einer Abseitsstellung zurück (26.). Auf diese überstandene Schrecksekunde antwortete die Eintracht bestmöglich: Marius Wolf behielt auf der Gegenseite die Nerven und schob die Kugel zwischen den Beinen von Julian Pollersbeck hindurch zum 1:0 ins Netz (34.). Dem Hamburger Keeper gelang 120 Sekunden später eine Rettungstat, als er gegen den mit Tempo auf ihn zustürmenden Omar Mascarell den Winkel verkürzte (36.).

          Der eingewechselte Alex Meier setzte den Schlusspunkt für Frankfurt. Bilderstrecke

          Nach dem Seitenwechsel blieben die Norddeutschen ihrer mutigen Vorgehensweise treu, und Titz gab mit der Hereinnahme der Angreifer Filip Kostic und Luca Waldschmidt (für Ekdal und den angeschlagenen Ito) das passende Signal: Der HSV agierte, die Eintracht reagierte und beschränkte sich vor allem darauf, die Reihen geschlossen zu halten. Bei einem Eckstoß verpasste Kyriakos Papadopoulos per Kopfball das Ziel knapp (56.), während Lukas Hradecky einen Distanzversuch von Douglas Santos festhielt (63.). Der finnische Torhüter der Eintracht, der den Klub verlässt, parierte danach auch gegen Bobby Wood reaktionsschnell (67.).

          Nach einem fulminanten Schuss von Santos aus 25 Metern an den Pfosten, schloss Holtby den Vorstoß ab – stand aber dabei ebenfalls knapp im Abseits (70.). Die Eintracht nutzte ihre Chancen effektiver. Mascarell traf, abgefälscht von Gideon Jung, zum 2:0 (77.). Und auch die Frankfurter Schlusspointe passte: Der eingewechselte Alex Meier, von den eigenen Anhängern als „Fußballgott“ verehrt, erzielte bei seinem ersten Einsatz nach einjähriger Verletzungspause in der Nachspielzeit den Endstand. „Ich habe gehofft, dass irgendwann die Chance kommt. Das hat ganz gut geklappt“, sagte Meier. Und Kovac erklärte: „Alex Meier ist Eintracht Frankfurt. Wir freuen uns alle für ihn und mit ihm.“

          Weitere Themen

          Europaweite Ermittlungen im Fußball

          Verdacht auf Finanzvergehen : Europaweite Ermittlungen im Fußball

          Basierend auf der als „Football Leaks“ bekannt gewordenen Dokumentensammlung koordiniert die französische Steuerfahndung ihre Ermittlungen nun mit etlichen weiteren Behörden. Dabei geht es um etwas bestimmtes.

          Backpfeife vom DOSB

          E-Gaming : Backpfeife vom DOSB

          Deutliche Distanzierung des organisierten Sports vom E-Gaming: Bei einer Sportausschuss-Anhörung sieht der DOSB keinen Platz für einen E-Sport-Verband in seinen Reihen.

          Fährmann ist nur fair, Mann! Video-Seite öffnen

          Championsleague Achtelfinale : Fährmann ist nur fair, Mann!

          Beim Champions-League-Spiel gegen Manchester City steht bei Schalke 04 Ralf Fährmann im Tor. Für Trainer Tedesco ist es auch Fährmanns verdienst, dass das Team so weit gekommen ist.

          Topmeldungen

          Viktor Orbán und die EU : Eine weitere Zerreißprobe

          Orbán provoziert Brüssel mit einer neuen Plakatkampagne. Doch diesmal geht er so weit, dass sich EVP darüber entzweien könnte.
          Die „Gorch Fock“ läuft aus ihrem Heimathafen in Kiel aus.

          Insolvenz : Krimi um „Gorch Fock“ und ihre Werft

          Die Sanierung des maroden Segelschiffs „Gorch Fock“ gerät immer weiter zum Krimi. Jetzt meldet die zuständige Werft Insolvenz an – und es ist von rätselhaften Geldflüssen in Millionen-Höhe die Rede.

          Sinkende Exportzahlen : So wichtig ist die Autoindustrie für Deutschland

          Erstmals seit 2009 sinkt der Wert der deutschen Autoexporte. Der drohende Handelskonflikt mit Amerika, der Brexit und neue Abgasvorschriften setzen der Branche zu. Deutschlands wichtigste Branche geht unsicheren Zeiten entgegen.

          Sebastian Rudy : Das Schalker Symbol des Scheiterns

          Der deutsche Nationalspieler erweist sich als Fehlinvestition von Schalke 04. Sogar der lange Zeit sehr nachsichtige Manager verliert nun die Geduld mit Sebastian Rudy. Und der wirkt eher uneinsichtig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.