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Bundesliga-Nordderby : Wie sich der HSV und Werder unterscheiden

  • -Aktualisiert am

Ewig jung, immer reizvoll: Das Nordderby zwischen dem HSV und Werder Bremen Bild: dpa

Die Hamburger und Bremer stehen vor ihrem Duell im Tabellenkeller. Bei beiden gibt es einige ähnliche Probleme. Dennoch unterscheiden sich die Klubs in einem wichtigen Punkt.

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          Die Geschichte dieses Nordderbys erzählt von Entfremdung und Nähe. Sie wird auf eine typisch hamburgische Art dargeboten und auf eine typische bremische. Die Hauptpersonen sind vier Männer: Markus Gisdol und Jens Todt, Alexander Nouri und Frank Baumann. Auch Heribert Bruchhagen und Marco Bode spielen mit. Sie sind die Mediatoren. Bruchhagen, der HSV-Vorstandschef, und Bode, Vorsitzender des Bremer Aufsichtsrates, schauen zu, wie ihre wichtigsten Mitarbeiter miteinander umgehen. Und was auf dem Fußballplatz daraus wird. Sie greifen nur sehr dosiert bis gar nicht ein.

          Wer sich im Juli oder August mit Gisdol unterhielt, erlebte einen aufgeräumten HSV-Trainer, der sich auf seine erste komplette Saison in der Verantwortung beim norddeutschen Schwergewicht freute. Denn Gisdol hoffte, dass ihm Sportchef Todt ein paar Spieler kaufen würde. Es war keine Warnung, aber der Coach erinnerte daran, dass in der Abwehr wenigstens zwei Profis fehlten, nachdem Johan Djourou und Matthias Ostrzolek verkauft wurden. Gisdol plante ohne sie. Er wünschte sich andere: Carlos Zambrano wollte er für die schwach besetzte Innenverteidigung. Konstantinos Stafylidis sollte die linke Abwehrseite entlasten. Der Plan war gut. Die Umsetzung – schwierig. Und langsam wurde Gisdols Laune auch schlechter, das gute Verhältnis zu Todt litt. Die Situation eskalierte, als Todt mitten in der heißen Transferperiode im August in den Familien-Urlaub nach Südfrankreich entschwand, und Gisdol sich fühlte, als läge die Last der Kaderplanung allein auf seinen Schultern.

          Nun ist die Transferzeit längst vorbei. Zambrano und Stafylidis sind nicht gekommen. Und der HSV hat wegen der vielen Verletzten plötzlich den kleinsten Kader der Liga. Auch deswegen haben die Hamburger zuletzt viermal nacheinander verloren. Gisdol hat in dieser Woche daran erinnert, dass er vor schwierigen Zeiten gewarnt habe, sollte der Kader nicht verstärkt werden. Jens Todt hat erklärt, wie kompliziert der Transfersommer gewesen sei – der HSV müsse nicht nach Stars suchen, sondern junge, interessante und günstige Spieler finden. Bruchhagen hat beide gestützt: Todt, der nicht mehr Geld habe ausgeben können, als das Budget hergab, und Gisdol, der sich über den dünnen Kader mokiert. Der HSV ist nach dem schönen Saisonstart mit zwei Siegen zurück auf dem Weg in den Krisenmodus. „Für uns ist es ein permanenter Behauptungskampf“, sagt Bruchhagen. Eigentlich wäre die Harmonie zwischen Trainer und Sportchef leicht zu erreichen: Der Sportchef kauft (oder leiht) dem Trainer die Spieler, die er haben will. Nach gemeinsamer Abstimmung natürlich. So simpel ist es aber selten.

          Trainer Markus Gidsol und der Hamburger SV stehen wieder im Keller der Tabelle.
          Trainer Markus Gidsol und der Hamburger SV stehen wieder im Keller der Tabelle. : Bild: dpa

          Nicht einmal in Bremen. Beim Tabellenvorletzten, der an diesem Samstag in Hamburg antreten muss (18.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET), gibt es eine andere Konstellation als beim HSV, wo eigentlich immer alles neu auf Führungsebene ist und es selten klare Hierarchien gibt. Baumann als Geschäftsführer Sport hat vor einem Jahr Mut bewiesen, als er Nouri zum Cheftrainer beförderte. Der zwischenzeitliche Höhenflug auf Europa-League-Niveau gab den beiden recht. Nun tritt aber schon seit den letzten Spieltagen der vergangenen Saison eine ziemlich verzagte, uninspirierte Mannschaft auf, die in dieser Saison noch sieglos ist,  weil die sonst so starke Offensive lahmt.

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