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Bundesliga-Abstiegskampf : HSV-Trainer schimpft auf den DFB

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Erlösung kurz vor dem Ende: Trainer Gisdol (links) und Torschütze Waldschmidt. Bild: dpa

In einer dramatischen Schlussphase bleibt Hamburg in der Bundesliga und schickt Wolfsburg in die Relegation. HSV-Trainer Gidsol jubelt erst frenetisch – und kritisiert den Deutschen Fußball-Bund danach scharf.

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          Bei aller Freude über den Klassenverbleib wurde Trainer Markus Gisdol vom Hamburger SV doch noch richtig sauer und kritisierte die Ansetzung von Schiedsrichter Manuel Gräfe im Spiel seines Teams gegen den VfL Wolfsburg (2:1) scharf. „Das war eine unglaublich schlechte Entscheidung vom DFB. Das ist verantwortungslos den Schiedsrichtern gegenüber. Das ist eine Sache, die überhaupt nicht geht“, sagte der 47 Jahre alte Coach.

          Vor der Partie habe er sich bewusst mit Kritik zurückgehalten, erklärte er. Zum Glück habe es keine schwierigen Situationen gegeben. Trotz massiver Kritik hatte der Deutsche Fußball-Bund an Gräfe für das Bundesliga-Abstiegsduell festgehalten. Der Berliner hatte 2014/15 im zweiten Relegationsspiel beim Karlsruher SC in der Nachspielzeit einen umstrittenen Freistoß für die Hamburger gegeben, den Marcelo Diaz zum 1:1 nutzte. Nach dem Hinspiel-1:1 ging es in die Verlängerung, in der Nicolai Müller den HSV mit dem 2:1 zum Klassenverbleib schoss.

          Mit dem Schlusspfiff im Volksparkstadion am Samstag begann für den Hamburger SV der Partymarathon. „Ich bin froh, aber auch leer. Aber schlafen will ich auch nicht“, sagte Gisdol nach dem rettenden 2:1 über Wolfsburg. Aus der Geschäftsstelle an der Sylvesterallee dröhnten die Diskosongs, aus der Kabine postete Nicolai Müller Jubel-Videos in Unterwäsche. „Der HSV hat bis zum Schlusspfiff an den Erfolg geglaubt. Das war heute das Entscheidende. Und nun feiert schön!“, sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, der mit Vereinsidol Uwe Seeler auf der Tribüne jubelte.

          Nur sechs Minuten nach Luca Waldschmidts Siegtreffer stürmten die HSV-Fans außer Rand und Band, aber friedlich den Rasen. „Nach dem zehnten Spieltag waren wir tot, hatten nur zwei Punkte auf dem Konto. Wir aber haben uns zusammengerauft und wollten die Geschichtsbücher neu schreiben. Das haben wir geschafft“, sagte Gisdol, der solch eine Aufholjagd nie wieder erleben will. „Niemals zweite Liga“, skandierte auf den Rängen und auf dem Rasen die begeierste Menge, die von Lewis Holtby dirigiert wurde. Der HSV-Profi stand dabei barfuß und mit freiem Oberkörper auf der Reservebank. Denn es bleibt dabei: Gründungsmitglied HSV ist der „Dino“, der noch nie aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen ist.

          Hamburger Wahnsinn kurz vor Schluss: Waldschmidt trifft gegen Wolfsburg. Bilderstrecke
          Hamburger Wahnsinn kurz vor Schluss: Waldschmidt trifft gegen Wolfsburg. :

          „Für die Fans freue ich mich besonders. Sie haben uns die gesamte Saison über super unterstützt“, sagte Müller glückstrahlend nach dem Krimi mit Happy End. Denn dem HSV blieb dank Waldschmidts Treffer in der 88. Minute die befürchtete dritte Relegation nach 2014 und 2015 erspart. Für Waldschmidt war es einen Tag nach seinem 21. Geburtstag das erste Bundesliga-Tor. „Ein tolles Gefühl. Ich bin froh, dass wir unser heutiges Ziel erreicht und den Sack zugemacht haben“, sagte der Matchwinner.

          Dafür müssen nun die „Wölfe“, die nach der ersten Pleite an der Elbe seit zehn Jahren rasch die Arena verließen, am 25. und 29. Mai gegen den Zweitliga-Dritten um den Liga-Verbleib kämpfen. „Jetzt haben wir das bekommen, was wir verdient haben. Wir müssen schnell die Köpfe frei bekommen“, sagte Nationalstürmer Mario Gomez und Trainer Andries Jonker haderte: „Fußballerisch sind wir in Ordnung. Wenn wir das mit Kampfgeist kombinieren, gehören wir zu den besten Mannschaften.“

          In der Tabelle steht allerdings der 16. Platz. So feierten nur die Hanseaten, die nach einem Mega-Fehlstart und dem Trainerwechsel von Bruno Labbadia zu Gisdol dank einer starken Rückrunde in letzter Minute den Gang in die Zweitklassigkeit verhinderten. Clubchef Heribert Bruchhagen, im Vorjahr noch mit Eintracht Frankfurt erfolgreich in der Relegation, atmete erleichtert auf. „Alle bei uns freuen sich, ganz Hamburg ist glücklich“, meinte der strahlende Vorstandsvorsitzende, der nun einen abermaligen Umbruch im Kader vornehmen wird, um sich weitere Zitterpartien zu ersparen.

          Denn auch gegen Wolfsburg sah es zunächst alles andere als gut aus. Der HSV, der unbedingt drei Zähler benötigte, begann unsicher und lag alsbald hinten. Zunächst konnte Torhüter Christian Mathenia zweimal glänzend parieren und einen frühen Rückstand verhindern. So lenkte der Ersatz des verletzten Stammkeepers René Adler einen plazierten Schuss von Torjäger Mario Gomez (10.) am Pfosten vorbei, dann rettete er stark gegen Blaszczykowski (22.). Kurz darauf traf Robin Knoche (24.) den HSV mit dem Wolfsburger Führungstreffer doch ins Mark.

          Und die Führung der „Wölfe“ war zu diesem Zeitpunkt verdient. Als nach 30 Minuten die ersten Pfiffe im Stadionrund aufkamen, glichen die Hanseaten aus. Nach einem beherzten Konter bediente Holtby Mitspieler Kostic, der aus Nahdistanz einschob. Die Hanseaten mussten schon das Glück bemühen, nicht doch noch mit einem Rückstand in die Pause zu gehen. Der agile Yunus Malli verfehlte nur knapp (45.+1). Zu Beginn der zweiten 45 Minuten gingen die Hamburger mutiger zu Werke, waren nun häufig nur noch durch Fouls zu bremsen. Vor allem der seit sieben Spielen schmerzvoll vermisste Müller brachte Schwung in die Angriffe, wurde aber wegen seiner gerade überstandenen Innenbandverletzung nach einer guten Stunde ausgewechselt.

          Für ihn kam Michael Gregoritsch und kurz darauf in Bakery Jatta für Albin Ekdal noch ein weiterer Offensivspieler. Trainer Gisdol riskierte nun viel, um das entscheidende zweite Tor zu erzwingen. Die Abwehr der Gäste wackelte nun mehrmals bedenklich, aber der HSV war im Abschluss lange nicht genau und durchschlagskräftig genug. Bis der kurz zuvor als dritte und letzte Offensiv-Option eingewechselte Edeljoker Waldschmidt goldrichtig stand und per Kopf traf. Sein erstes Bundesliga-Tor ließ ganz Hamburg kopf stehen. Das galt erst recht, als der gute Referee Manuel Gräfe rund sechs Minuten später die Pfeife in den Mund nahm und die Zitterpartie beendete.

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