https://www.faz.net/-gtm-80q69

Heiko Westermann : HW4 schlägt zurück

  • -Aktualisiert am

Heiko Westermann platzt der Kragen Bild: AFP

Wutausbruch eines Lückenbüßers: Nach einer guten Leistung gegen Borussia Dortmund rechnet der sonst pflegeleichte Hamburger Profi mit seinen Kritikern ab.

          2 Min.

          HW4 hatte gesprochen und stapfte davon, dass die Stollen nur so klackerten. Zurück blieben Zuhörer, die so etwas auch noch nicht vernommen hatten.

          Heiko Westermann bleibt auf dem Weg in die Kabine eigentlich immer stehen und spricht. Gute Zeiten, schlechte Zeiten, er hat sie in seinen fünf Hamburger Jahren nun wirklich erlebt – natürlich mit deutlich negativem Schwerpunkt, auch in Bezug auf seine Person. Als Spezialist für schwere Schnitzer entzündet sich manche Diskussion um Wohl und Wehe des HSV eben auch immer an dem 31 Jahre alten Innenverteidiger. Dass er die Masse seiner 149 Spiele für den HSV „unfallfrei“ und mit großem Einsatz hinter sich gebracht hat, verschwindet dann oft hinter dicken Schlagzeilen.

          Gerade steht Westermann wieder im Zentrum der Diskussionen; es geht um die neue Ausrichtung des HSV unter AG-Chef Dietmar Beiersdorfer. Großverdiener aus dem 52-Millionen-Euro-Kader sollen im Sommer gehen, um Platz zu machen für Neue und den Etat zu verschlanken: Marcell Jansen, Rafael van der Vaart und auch Westermann. Deren Verträge laufen im Juni aus.

          „Ich lasse mir von solchen Idioten nicht den Namen kaputt machen“

          Schon oft war Westermann mit der Rückennummer 4 ein Streichkandidat, aber jedes Mal blieb er und spielte auch. Im Sommer könnte wirklich Schluss sein für den Franken, der mit seiner Frau und den beiden Kindern längst in Hamburg heimisch geworden ist. Aber diesmal wollte Westermann nicht mehr alles hinnehmen. Er sagte also: „Ich habe jetzt auf sechs Positionen in fünf Spielen gespielt. Trotzdem sind die Diskussionen um mich wieder aufgekommen. Die Kritiker und Idioten, die meinen, sie hätten den Fußball erfunden, können mich alle mal. Ich habe immer den Arsch hingehalten und lasse mir von solchen Idioten nicht den Namen kaputt machen.“

          HSV-Großverdiener sollen im Sommer gehen: Darunter wohl auch Marcell Jansen.

          Wen er meinte, ließ der 27-malige Nationalspieler im Unklaren. Aber sehr wahrscheinlich eben die Hamburger Journalisten und einige ehemalige Profis wie Uli Stein und Stefan Effenberg, die den HSV im Besonderen und Westermann (und van der Vaart) im Speziellen gern mal aufs Korn nehmen.

          Es kam nicht von ungefähr, dass Westermann seine Abrechnung im Anschluss an das Spiel gegen Borussia Dortmund plazierte. Fehlerfrei und mit guter Ausstrahlung hatte er dieses Spiel hinter sich gebracht und die eigene Vielseitigkeit bewiesen: Er begann als linker Verteidiger und rückte nach Djourous Verletzung in die Mitte neben Cléber. Dort behielt Westermann bis zum Ende Ruhe und Übersicht und leitete sogar einige aussichtsreiche Hamburger Angriffe ein.

          Westermann: Sonst eher pflegeleicht und humorvoll

          Mal rechts, mal links, mal in der Mitte, dann wieder vor der Abwehr – seine schon früher auf Schalke bewiesene Vielfalt wird Westermann manchmal zum Verhängnis. Wenn sie nämlich dazu führt, dass er zum Lückenbüßer wird. Geklagt hat er darüber tatsächlich noch nie. Trainer Joe Zinnbauer konnte den ehemaligen HSV-Kapitän verstehen: „Ich finde, nach gefühlten fünf Jahren Kritik ist es mal an der Zeit gewesen, dass er explodiert. Heiko hat hier jahrelang den Kopf hinhalten müssen. Er hat sich ausgekotzt, das gehört dazu. Irgendwann platzt da mal der Kragen“, sagte er am Sonntag.

          Steht ebenfalls auf der Streichliste: Rafael van der Vaart.

          Kurioserweise war es auch der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp, der eine Lanze für Heiko Westermann unter Einbeziehung zweier Spielszenen brach. „Heiko war zweimal da, sonst hätten unsere Jungs blank gestanden. Er ist vom Tempo der einzige beim HSV hinten, der da mitkommt“, sagte Klopp.

          Sicher hätte sich Westermann über die Worte gefreut, wie ihm auch der Beifall der Fans gutgetan haben dürfte. Bei ihnen gehört der öfter mal unglücklich agierende, aber immer kämpfende Westermann ohnehin zu den Favoriten. Und dass Westermann selten so sauer wie am Samstag, sondern sonst eher pflegeleicht und humorvoll ist, weiß man nicht erst seit seinem Rap-Song „HW4“. Den hat er im vergangenen November mit Rapper „Elvis“ aufgenommen. Darin heißt es: „Ich bin HW4, du bist HW4, wir sind HW4 – und das bleiben wir!“ Wer das Lied gehört hat, weiß, dass Westermanns Stärken dann doch auf dem Feld liegen.

          Weitere Themen

          Die Gesichter der Verlierer

          Denken wir an Sport (1) : Die Gesichter der Verlierer

          Beim Sport stehen oft die Sieger im Mittelpunkt. Mich aber interessieren die Verlierer. Wie gehen sie mit der Niederlage um? Auf der großen Bühne des Fußballs bewundere ich daher Jürgen Klopp in seinen frühen Trainerjahren.

          Für immer Hardrockhausen

          „Nochmal Deutschboden“ : Für immer Hardrockhausen

          Zehn Jahre nach „Deutschboden“ ist Moritz von Uslar nochmal in die brandenburgische Provinz gereist. Auch sein neues Buch ist besessen von der Härte und Melancholie, die die Männer dort angeblich auszeichnet.

          Topmeldungen

          Abes große Pläne : Japan ruft den Coronavirus-Notstand aus

          Japans Ministerpräsident Shinzo Abe zieht in der Pandemie einen Vergleich mit der großen Depression in den Vereinigten Staaten in den dreißiger Jahren. Seine Abhilfe: ein Konjunkturprogramm im Umfang von umgerechnet 915 Milliarden Euro.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.