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2:0 gegen Schalke : Der Bundesliga-Dino aus Hamburg lebt noch

  • -Aktualisiert am

Hermann darf noch etwas bleiben: Das HSV-Maskottchen wäre bei Abstieg ausgemustert worden Bild: AFP

Die Bundesliga-Uhr im Hamburger Volkspark tickt weiter – vorerst: Durch einen 2:0-Sieg über Schalke und Hilfe aus Hannover bekommt der HSV eine zweite Chance im Abstiegskampf. Am Donnerstag wartet das erste Spiel in der Relegation.

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          Es war ein Zittern bis zum Schluss – allerdings mehr auf den Bänken und Tribünen als auf dem Platz, denn dort wurde gespannt auf die Ergebnisse der anderen Plätze geschaut. Der Hamburger SV führte 2:0 und verteidigte den Vorsprung gegen nun auch nicht mit letzter Macht angreifende Schalker halbwegs sicher. Durch die Stuttgarter Führung in Paderborn war der zwischenzeitliche 15. Rang dahin für den HSV, es ging nur noch um den Sieg und Platz 16, die Relegation mithin.

          Dafür musste es aber beim knappen Hannoveraner Sieg gegen den SC Freiburg bleiben. Was für ein Abstiegsfinale, eines, das tatsächlich bis zur letzten Sekunde alle Spannung beinhaltete. Als Hannover 96 das 2:0 gegen die Freiburger machte, konnte sich der HSV auf die am Donnerstagabend beginnende Relegation vorbereiten. Wie im Vorjahr werden die Hamburger die nervenaufreibende Saisonverlängerung spielen müssen – wobei es nach diesem Saisonverlauf eher spielen dürfen heißen muss.

          Am 28. Mai geht es zuhause gegen den Tabellendritten der zweiten Liga los, derzeit ist das der Karlsruher SC. Das Rückspiel findet am darauffolgenden Montag statt. Im Vorjahr setzte sich der HSV durch ein sehr glückliches 0:0 und 1:1 gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth durch. Trainer Bruno Labbadia hatte den HSV vor sechs Wochen als Tabellenletzter übernommen. Ihm müssen die Saisonspiele Nummer 35 und 36 wie ein Geschenk vorkommen.

          Zumindest ihre Hausaufgaben hatten sie durch diesen 2:0-Sieg gegen den FC Schalke 04 erledigt. Ob es der „Geist von Malente“ war oder die Schwäche des Gegners, der Hamburger SV tat am Samstagnachmittag das Seine, um weiterhin Mitglied der Bundesliga zu bleiben. Im Trainingslager hatte Labbadia ja versucht, die mannschaftliche Geschlossenheit in den Mittelpunkt zu stellen. Um Taktisches oder Technisches ging es weniger.

          Die Raute bleibt oben – zumindest bis zum Ende der Relegation Bilderstrecke
          Die Raute bleibt oben – zumindest bis zum Ende der Relegation :

          Und das, was Labbadias Team auf dem Rasen zeigte, erinnerte tatsächlich daran, dass Fußball ein Mannschaftssport ist. Begünstigt von schwachen Schalkern spielte der HSV eine ordentliche erste Halbzeit ohne größere Wackler. Nach der Pause dann – und wahrscheinlich auch mit Blick auf die Zwischenergebnisse der Abstiegskonkurrenz – drehte der HSV auf und kam innerhalb von zehn Minuten zur 2:0.

          Erst lenkte Johan Djourou den Ball nach einem Eckball mit dem Hintern zu Ivica Olic, der mit rechts aus wenigen Metern traf (49. Minute). Neun Minuten später war Slobodan Rajkovic mit dem Kopf zur Stelle. Lauf- und kampfstark überzeugten die Hamburger in diesem Spiel der letzten Chance. Und lange Zeit spielten die anderen auch mit – durch Rang 15 in der „Blitztabelle“ war der HSV am Ziel seiner Träume angelangt. „Niemals zweite Liga“, brüllten die prächtig unterstützenden Fans und trieben ihre Spieler nach vorn.

          Nach dem Trainingslager im ostholsteinischen Luftkurort Malente – dort gab es eine Paddeltour auf dem Kellersee, Scheibenschießen mit dem Luftgewehr und ein Erdbeerkuchen-Essen – waren die Hamburger Profis am Samstag ohnehin begeistert von ihren Anhängern begrüßt worden. Hunderte standen mittags Spalier, als sich der „Rauten-Express“ genannte Bus seinen Weg zum Stadion bahnte. Sogar Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hatte den HSV in Malente besucht und aufmunternde Worte gespendet.

          Die Unterstützung der Stadt war spürbar, doch das Ganze ging ruhiger und sachlicher vonstatten als noch vor einem Jahr. Fans und Umfeld haben sich offenbar an den Abstiegskampf gewöhnt und hatten genug Zeit, die düstersten Szenarien durchzuspielen. Und die waren ja wirklich finster, bedenkt man, dass der Klub mit dem sechsthöchsten Etat der Liga schon wieder direkt am Abgrund stand. Die Polizeipräsenz rund ums Stadion war in jedem Fall in Erwartung möglicher Randale stattlich. Sogar Wasserwerfer standen bereit. Die wurden zum Glück nicht benötigt.

          Mit Anpfiff waren der Worte dann aber genug gewechselt, und die elf Auserwählten des Fußball-Lehrers Labbadia standen im Mittelpunkt. Seine Mannschaft machte es gegen schwache Gelsenkirchener nicht schlecht und hatte in der 30. Minute die große Führungschance, als Artjoms Rudnevs aus acht Metern freistehend vorbeischoss.

          Auf der anderen Seite schoss der Schalker Klaas-Jan Huntelaar in der 43. Minute knapp vorbei. In der 49. Minute stand Olic nach einem Eckball frei und brachte den HSV 1:0 in Führung. Und neun Minuten später nickte Rajkovic zum 2:0 ein. Der Sieg schien sicher, nun kam es auf den anderen Ergebnisse an. Bange Sekunden, als der SC Freiburg verkürzte – dann begann unter dem Applaus des Publikums die Vorbereitung auf Donnerstag.

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