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Hamburger SV : Das plötzliche Comeback des René Adler

  • -Aktualisiert am

René Adler in den Armen seiner Teamkollegen: Endlich wieder über Siege freuen Bild: Picture-Alliance

Einst war er Nationaltorwart, zuletzt nur noch Ersatztorwart beim HSV im Abstiegskampf. Nun ist René Adler wieder erste Wahl. Doch das neue Glück in Hamburg könnte schon sehr bald wieder zu Ende sein.

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          Wer René Adler in den vergangenen Wochen mit seiner beruflichen Situation beim Hamburger SV konfrontieren wollte, fing sich einen Korb ein. Adler ist normalerweise ein versierter Rhetoriker in eigener Sache. Doch zwei Dinge hatten offenbar an seinen Nerven gezerrt: Zum einen setzte ihn Trainer Markus Gisdol nach dem 2:5 gegen Borussia Dortmund am zehnten Spieltag auf die Bank, zum anderen plagte sich der 32 Jahre alte Torwart immer wieder mit Verletzungen herum. Mitte November ließ er sich am rechten Ellenbogen operieren.

          Anschließend schmerzte die Leiste. Adler fiel bis Jahresende 2016 aus, und auch im Trainingslager übte er nur eingeschränkt. Gisdol vertraute Adlers Stellvertreter Christian Mathenia; der frühere Darmstädter machte seine Sache in den acht Spielen ordentlich. Für Adler schien weder kurzfristig noch gar auf lange Sicht Platz zu sein beim HSV. Sein Vertrag endet am 30. Juni 2017, und ein Klub, der zum Sparen gezwungen ist, sollte sich doch wohl keinen Torwart mehr leisten können, der mehr als zweieinhalb Millionen Euro im Jahr verdient. So gab es positive Schlagzeilen nur, als Adler im Oktober seine langjährige Freundin heiratete, die Schauspielerin Lilli Hollunder.

          René Adler: Der mittlerweile schon 32 Jahre alte Torhüter kämpft beim HSV um einen neuen Vertrag und den Abstieg. Gut, dass er rechtzeitig wieder fit ist und sich zeigen kann. Bilderstrecke
          René Adler: Der mittlerweile schon 32 Jahre alte Torhüter kämpft beim HSV um einen neuen Vertrag und den Abstieg. Gut, dass er rechtzeitig wieder fit ist und sich zeigen kann. :

          Doch das Bundesliga-Geschäft hält bekanntlich immer wieder Überraschungen bereit. Als sei es eine Nebensache, die ihm nie größeres Kopfzerbrechen bereitet habe, begründete Gisdol seine Entscheidung, beim 1:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen wieder Adler ins Hamburger Tor zu stellen und in Abwesenheit des gesperrten Gotoku Sakai zum Kapitän zu machen: „René ist unsere Nummer eins - und er ist wieder voll da.“ So schnell kann es gehen, und plötzlich hat Adler auch wieder alle Chancen, für seine Zukunft beim HSV zu werben. Das Spiel im Achtelfinale des DFB-Pokals an diesem Dienstag gegen den 1. FC Köln (18.30 Uhr / Live bei Sky und im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) bietet die nächste Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen.

          Obwohl: Das braucht Adler ja gar nicht. Der Verein weiß genau, was er an dem ehemaligen Nationalspieler hat. In Sachen Ausstrahlung und Innenwirkung ist er Mathenia deutlich überlegen. Adler war in den finstersten Phasen der vergangenen Jahre oft Sprachrohr der Mannschaft, erinnerte die Kollegen an die nötige Berufsauffassung und bewahrte die Nerven. Zudem hat er sich mehr als einmal zum Klub und der Stadt bekannt; er trat gern als der etwas andere Fußballprofi auf, etwa bei einem Treffen mit Kulturfreunden in der Kunsthalle oder bei Plauderabenden mit Hamburger Wirtschaftsgrößen.

          Allerdings gehört er schon länger nicht mehr zu den allerbesten Torhütern der Liga, und spektakuläre Paraden wechselten sich mit haltbaren Bällen ab, die Adler passieren ließ. Von einem Keeper dieser Preisklasse wird einfach mehr erwartet. Adler ist aber ein Kämpfer, das vergisst man manchmal. Er lebt und arbeitet wie ein Profi, gerade jetzt, wo das Laufbahnende in nicht mehr allzu weiter Ferne liegt. Er fühlte sich durch die Zuschreibung „verletzungsanfälliger Großverdiener“ ungerecht behandelt. Allerdings sind das natürlich nur die Fakten - wenn auch unangenehme.

          Seine Chancen schienen zu schwinden, zumal die ersten Gespräche mit Dietmar Beiersdorfer über eine Vertragsverlängerung an dem Tag obsolet waren, als dessen Nachfolger Heribert Bruchhagen die Bühne betrat. Der neue Vorstand will es mit dem Sparen ernst meinen. Am Tag vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen erfuhr Adler dann, dass er spielen werde. „Auch wenn man zehn Jahre dabei ist, ist eine gewisse Nervosität dabei. Aber das braucht man, um auf Spannung zu kommen“, sagte er. Gisdol erzählte noch, dass der 24 Jahre alte Mathenia die Rückversetzung auf die Bank professionell aufgenommen habe. Beim 1:3 in Ingolstadt hatte Mathenia sich nichts zuschulden kommen lassen. Aber offenbar setzte Gisdol auch auf den Impuls eines abermaligen Torwartwechsels.

          Vielleicht geht es ja noch ein paar Runden weiter mit Adler, diesem Torwart, bei dem es sich lohnt zuzuhören. Und dem HSV, der weniger Geld ausgeben will. Als der Verhandlungspartner im vergangenen Sommer noch Beiersdorfer hieß, sprach Adler davon, wie wohl er sich in Hamburg fühle, dass er hier noch „fünf, sechs Jahre“ spielen wolle. Dazu passt, dass er 2013 ein Haus im feinen Harvestehude kaufte und umbauen ließ. Unter Bruchhagen ist die Lage eine andere und die Frage entscheidend, zu welchen Gehaltseinbußen der stolze Adler bereit sein wird.

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