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HSV : Magath raus, Slomka rein

  • -Aktualisiert am

Ist er der nächste Kandidat: Mirko Slomka soll als HSV-Trainer im Gespräch sein Bild: AFP

Felix Magath, der vermeintliche neue starke Mann ist beim HSV schon wieder aus dem Rennen - am Abend beendet er via Facebook das Trauerspiel. Verlieren die Hamburger auch am Samstag in Braunschweig, kommt Mirko Slomka 96 als Nachfolger Bert van Marwijks ins Spiel.

          Er verkniff sich jede Jubelpose, nicht das kleinste Zeichen von Zufriedenheit oder Genugtuung ließ Carl-Edgar Jarchow erkennen. Er sagte am Donnerstagnachmittag schlicht und ergreifend: „Wir stehen zu unserem Wort. Herr van Marwijk wird die Mannschaft in Braunschweig betreuen.“ Mit zwei simplen Hauptsätzen wischte der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV eine nun beinahe einwöchige Dauerspekulation vom Tisch: Felix Magath wird nicht Trainer des Hamburger SV. Magath war zwar am Donnerstag in Hamburg – aber nur, um bei einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Schach macht schlau“ über den Denksport zu referieren.

          Alle eifrigen Nutzer sozialer Netze, die von Mitfliegern oder zufälligen Flughafenbegegnungen wussten, dass Magath am Mittag in der Lufthansa-Maschine LH 2070 nach Hamburg saß, zogen daraus voreilig falsche Schlüsse. Nun muss man in diesen Tagen vorsichtig sein mit endgültigen Aussagen zu Hamburger Personalien. Zu oft hat sich das Tableau gedreht, zu oft war einer schon fast da, obwohl er doch in München saß und wartete und hoffte. Aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war am Donnerstag festzuhalten, dass es im Aufsichtsrat des HSV keine Mehrheit für den Trainer-Manager Magath gegeben hat. Am Abend beendet schließlich Magath selbst das Trauerspiel, indem er auf seiner Facebook-Seite seinerseits ein Engagement beim HSV ausschloss. „Liebe Freunde, Fans und HSV Anhänger, es ging mir um Euch und den HSV, um den Klassenerhalt und einen gleichzeitigen Neuaufbau. Leider beharren im HSV zu viele der alten Kräfte auf ihren Positionen, sind an einem ehrlichen Neuanfang nicht interessiert. Teile des Aufsichtsrates, der Vorstand sowie die Initiatoren der Gruppe HSVplus haben sich gegen mich gestellt. Wie soll man mit solchen Voraussetzungen einen Verein erfolgreich durch den Abstiegskampf führen?“, schrieb Magath.

          Van Marwijk braucht einen Sieg

          Also weiter wie bisher? Die beiden, die sich trotz des traurigen Bildes, das der HSV seit Wochen abgibt, wie Sieger fühlen durften, sind nun umso mehr als Krisenhelfer gefragt. Ihren eigenen Job werden sie allem Anschein nach behalten. Doch sollte der HSV am Samstag (15.30 Uhr/live in Sky und F.A.Z.-Liveticker) bei Eintracht Braunschweig nicht gewinnen, wird van Marwijk als weiterer Hamburger Kurzzeittrainer in der Statistik verschwinden.

          Nur zum Schachspielen in Hamburg: Felix Magath wird wohl doch nicht HSV-Retter

          Ein Sieg, sonst nichts, und van Marwijk darf den HSV auch beim Spiel gegen Borussia Dortmund in der Woche darauf anleiten. Bei weniger als drei Punkten im Stadion an der Hamburger Straße soll Mirko Slomka übernehmen. Auf diesen Kandidaten, freigeworden durch die Entlassung kurz nach Weihnachten in Hannover, sollen sich Vorstand und Aufsichtsrat geeinigt haben. Einigung: Das wäre ja mal ein Anfang – ein Anfang auf dem Weg zum Klassenverbleib, dem man diesem verunsicherten Team kaum noch zutrauen mag.

          Es bröckelte an der Magath-Front

          Wer gedacht hatte, die desolate, mutlose Leistung beim 0:5 im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den FC Bayern München am Mittwochabend hätte die Magath-Befürworter im Kontrollgremium bestärkt und einen Abweichler ins Grübeln gebracht, wurde am Donnerstag eines Besseren belehrt. Es bröckelte an der Magath-Front. Das hatte verschiedene Gründe. Im Grunde missfiel dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jens Meier nur, dass der Vorstand so lange an van Marwijk festhält – aber der Weg, ihn hintenherum loszuwerden, war nun einmal steinig. Auf diesem Weg ist Meier ganz schön gestolpert.

          Der Ehrenrat rügte das nicht satzungskonforme Vorgehen der Räte um Meier, es gab Zweifel, wie der mit großer Machtfülle ausgestattete Magath in die Strukturen der geplanten HSV AG einzufügen sei – und dann kamen einige Räte noch auf die großartige Idee, bei früheren Klubs Magaths nachzufragen. Meier machte am Mittwoch den Anfang und unterhielt sich mit Karl-Heinz Rummenigge. Plötzlich wirkte auch der Chef der Hamburger Hafenbehörde nicht mehr ganz so überzeugt von seinem Umsturzplan mit Magath im Zentrum. Es stellt sich nun die Frage: Warum hat man sich nicht früher über Magath informiert? Womöglich hätte eine gepflegte Internet-Recherche schon genügt.

          Oder bleibt doch alles beim Alten? Bert van Marwijk (l.) mit den Co-Trainern Roger Stilz und Roel Coumans (r.)

          Man kann vom Münchner und Wolfsburger Meistertrainer ja halten, was man will. Aber ihm und seinen Methoden wäre es sicher zuzutrauen gewesen, den HSV vor dem Abstieg zu bewahren. Er wäre auf der Basis einer Erfolgsprämie im Falle des Nichtabstiegs nach Hamburg gekommen. Ohne Gehalt. Und vielleicht wäre er als Vorstandsvorsitzender auch die Autorität geworden, nach der man sich beim Hamburger SV so sehnt.

          Van Marwijks gute Figur

          Dass es fortan beim HSV ohne Streit und Egoismus weiter geht, ist auf der Grundlage des allseitigen Misstrauens ein frommer Wunsch. Denn zu den verfeindeten Lagern Vorstand und Aufsichtsrat kommen jetzt auch noch Spannungen innerhalb des Vorstands. Marketing-Vorstand Joachim Hilke wäre bei der großen Rasur ungeschoren davongekommen, beim neuen Magath-HSV wären seine Dienste nämlich willkommen gewesen.

          Bert van Marwijk indes hat abseits des Spielfeldes eine gute Figur abgegeben im großen Hamburger Chaos, das vielleicht doch als Posse endet. Mit der Geste von Ich-hab-schon-alles-erlebt ist er durch die Tage geschritten, hat gemahnt und auch Einblicke gewährt: „Ich bin auch nur ein Mensch“, sagte er, „natürlich bewegt mich das.“ Er goss kein Öl ins Feuer, er attackierte niemanden, er versuchte, nur über Fußball zu reden. Er sprach mit großer Selbstverständlichkeit vom nächsten Spiel, dem Spiel des Jahres. Weil es ihm bei aller Souveränität leider überhaupt nicht gelungen ist, diese Mannschaft zu stabilisieren, könnte es gut sein, dass van Marwijk nach dem Spiel des Jahres abtreten muss. Wer dann übernehmen könnte, ist offen. Felix Magath wird es nicht sein.

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