https://www.faz.net/-gtm-95pm1

Beinahe schon resigniert wirkte Gisdol nach der Niederlage gegen Köln. Bild: dpa

HSV-Krise : Gisdol steht vor dem Aus

  • Aktualisiert am

Hamburgs Trainer ist nach der 0:2-Pleite gegen Köln in große Bedrängnis geraten. Heute entscheiden die Verantwortlichen, wie es weitergeht beim HSV. Der Kredit von Gisdol scheint aufgebraucht.

          Die Tage von Trainer Markus Gisdol beim Hamburger SV sind gezählt. Wenige Minuten nach der desillusionierenden 0:2 (0:1)-Heimpleite des Vorletzten HSV gegen Schlusslicht 1. FC Köln trat HSV-Sportchef Jens Todt ans Mikrofon und sprach erstmals vom möglichen Ende der Zusammenarbeit mit Gisdol. „Ich kann das nicht ausschließen“, antwortete Todt beim TV-Sender Sky am Samstagabend auf die Frage nach einem möglichen Trainerwechsel.

          Bundesliga
          ANZEIGE

          Nach sechs sieglosen Spielen in Folge und dem manifestierten direkten Abstiegsrang 17 scheint der Bonus des Retters aus der vergangenen Saison aufgebraucht zu sein. Die anhaltende Erfolglosigkeit, die fehlende Weiterentwicklung der mit hohem finanziellen Aufwand verstärkten Mannschaft und die Ergebnisse der enteilenden Konkurrenz sprechen dafür. „Die Situation hat sich deutlich verschlimmert. Wir wollen erst mal drüber schlafen und das Spiel sacken lassen. Es war ein schlimmer Abend für uns“, formulierte Todt nach einer kurzen Vorstandsberatung unmittelbar nach der Partie. Am Sonntag wird auf der nächsten Krisensitzung abermals geredet – „und entschieden, wie es weitergeht“, sagte Todt und schob nach: „Unsere Mittel sind begrenzt.“ Soll heißen: Eine Trainerentlassung wäre teuer. Eigentlich hat der HSV das Geld nicht. Dennoch sei er auf alle Szenarien vorbereitet, versicherte Todt, der sich auch noch um Verstärkungen bemüht.

          Der Sportchef fand auch Argumente pro Gisdol: „Die Mannschaft ist intakt und hat es in sich, es zu schaffen. Das Herz der Mannschaft stimmt, die Einstellung stimmt.“ Bruchhagen, dem Trainerentlassungen grundsätzlich gegen den Strich gehen, hat in zwölfeinhalbjähriger Cheftätigkeit bei Eintracht Frankfurt nur zweimal den Coach vor die Tür gesetzt. In Hamburg, wo er einen Vertrag bis Sommer 2019 besitzt, will er das eigentlich gar nicht. Allerdings steht auch sein Kredo im Raum: „Der Klassenerhalt steht über allem.“ Doch so oder so: Die Fans sind genervt und wenden sich zunehmend vom Verein ab. Mit einer 30-minütigen Blockade der Stadionzufahrt verschafften sie sich nach der Niederlage gegen Köln Luft. Einige Profis wie Mergim Mavraj, Gotoku Sakai, Aaron Hunt und Dennis Diekmeier stellten sich und beruhigten die aufgebrachten Anhänger.

          Gisdol verschwand direkt nach dem Abpfiff in den Katakomben des Volksparkstadions, in dem die vielen HSV-Fans unter den 52.647 Zuschauern ihren Unmut durch lautstarke Pfiffe zum Ausdruck gebracht hatten. Während Vorstandschef Heribert Bruchhagen standhaft Interviews verweigerte und damit die Spekulationen über die bevorstehende Ablösung des Trainers eher nährte, stellte sich Gisdol wenig später. „Ich hoffe es“, sagte er auf die Frage, ob er glaube, dass er auch im Punktspiel am kommenden Samstag bei RB Leipzig auf der HSV-Bank sitzen werde. „Es war von Anfang an hier eine unglaublich schwierige Zeit beim HSV, aber wir haben es immer wieder hingekriegt“, meinte der 48-Jährige.

          Das Schreckensszenario mit dem erstmaligen Abstieg des einzigen immer im Oberhaus gebliebenen Gründungsmitglieds rückt rasant näher. Deshalb könnte aus Sicht der HSV-Führung die Trennung als letztes Mittel unumgänglich sein – um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, nicht reagiert und alles versucht zu haben. Und in der Hoffnung, dass ein Neuer rasch neue Impulse beim wankenden HSV setzen und die Wende einleiten kann. Als mögliche Nachfolger gehandelt werden die ehemaligen HSV-Profis Felix Magath und Thomas Doll. Am Ende dürfte es Gisdol auch nicht helfen, dass er den Dino 2016/17 aus einer ähnlich prekären Notlage befreit hat. Nach miserablem Saisonstart übernahm er am 26. September den Job von Bruno Labbadia, blieb zwar in den ersten fünf Spielen noch ohne Sieg. Dann aber nahm Gisdol die nötigen personellen Veränderungen konsequent vor und führte den HSV auf den Erfolgsweg zurück.

          Vor allem dank der wiedererlangten Heimstärke und den starken Winter-Verpflichtungen Kyriakos Papadopoulos und Mergim Mavraj, die die Defensive stabilisierten, rettete sich der HSV. Am letzten Spieltag gelang ein umjubelter 2:1-Heimerfolg über den VfL Wolfsburg, der dann anstelle der Hamburger in die Relegation musste.

          Auch die neue Spielzeit begann gut: Gegen den FC Augsburg (1:0) und beim 1. FC Köln (3:1) gelangen zum Auftakt gleich zwei Dreier, die auf ein Ende der sportlichen Zitter-Spielzeiten hoffen ließen. Allerdings verletzte sich in Nicolai Müller (Kreuzbandriss) ein Schlüsselspieler im „System Gisdol“, das fortan immer weniger aufging. Seither holten die Hamburger lediglich neun Punkte. Wohl zu wenig, um Gisdol weiter das Vertrauen zu schenken.

          Weitere Themen

          280 km/h – Mit dem Fahrrad Video-Seite öffnen

          Weltrekord : 280 km/h – Mit dem Fahrrad

          Somit übertraf der Brite den 1995 aufgestellten Spitzenwert von 268 Stundenkilometern. Im nächsten Jahr will Campbell 320 km/h fahren.

          Topmeldungen

          „Verschrotter“ gegen „Planierraupe“: Renzi am Dienstag im italienischen Senat

          Regierungskrise in Italien : Im Land der wilden Matteos

          Italiens früherer Ministerpräsident Renzi wittert in der Regierungskrise die Gelegenheit für ein Comeback – und versucht nun, die Neuwahlpläne seines Erzfeindes Salvini zu durchkreuzen. Der Publizist Massimiliano Lenzi prophezeit einen „langen Krieg der Matteos“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.