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HSV-Kommentar : Dem Nachwuchs keine Chance

  • -Aktualisiert am

Auf Wiedersehen: Wird der HSV bei der Nachfolgersuche wie üblich entscheiden? Bild: dpa

Die Trennung von Thorsten Fink ist richtig. Aber eine Entwickung zum Besseren bleibt beim HSV zweifelhaft. Der Klub wird es wie immer machen und den Trainer nehmen, der woanders frei wurde.

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          Nach der 13. Trainerentlassung seit 2001 fällt dem Hamburger SV gerade noch etwas ganz anderes auf die Füße als seine peinliche Hire-and-fire-Mentalität: die desolate Nachwuchsarbeit. Die Trennung von Thorsten Fink wäre eine gute Gelegenheit, einen nicht ganz so namhaften Trainer aus der zweiten Reihe zu befördern. Einen, der ein Konzept hat und eine Spielidee mitbringt. Einen, der durch Argumente überzeugt, nicht durch Lautstärke. Es wäre eine gute Gelegenheit, nicht wieder reflexhaft einen zu holen, der 358 Bundesligaspiele gemacht hat und seine ganze Kompetenz daraus ableitet. Bedenken gegen Fußball-Lehrer ohne Bundesliga-Stallgeruch gehören dank Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Christian Streich, Markus Gisdol und Frank Kramer ja weitgehend der Vergangenheit an.

          Doch der HSV ist bei der Rekrutierung fähiger Nachwuchstrainer in etwa so erfolgreich wie bei der Verkleinerung des Aufsichtsrates. Weit und breit gibt es niemanden, dem man die Beförderung zutrauen könnte. Die ehemaligen Profis Rodolfo Cardoso und Otto Addo übernehmen für das Spiel gegen Werder am Samstag; sie arbeiten als Coaches der U23 in der Regionalliga Nord und der A-Jugend in der Bundesliga mehr schlecht als recht – die U23 wäre vergangene Saison mit einem Etat von vier Millionen Euro beinahe abgestiegen, die A-Jugend dümpelt im Mittelfeld. Cardoso und Addo sind Übergangskandidaten. Strohmänner.

          Für den Nachwuchs hat sich beim HSV nie jemand interessiert. Das Internat draußen in Ochsenzoll führt ein vom Profibetrieb isoliertes Eigenleben, und weder Dietmar Beiersdorfer noch Frank Arnesen kümmerte es als frühere Sportchefs groß, wer da gerade Internatsleiter oder Trainer war. In dieser Atmosphäre können keine Trainertalente gedeihen. Bruno Labbadia, Armin Veh, nun Thorsten Fink – immer nahm Hamburg den naheliegenden Kandidaten, den greifbaren, der gerade woanders vom Karussell gefallen war (oder mit Millionen überzeugt wurde). Als man es einmal mit einem zum Chef aufgestiegenen Assistenten versuchte, vergriff man sich völlig: Michael Oenning wirkte als Chef eines medial gesteuerten Großklubs vom ersten Tag an überfordert.

          Ein Mann aus den eigenen Reihen wäre ein Segen

          Eine organische Lösung kann es beim HSV somit nicht geben. Der Aufstieg vom zweiten zum ersten Mann misslingt, weil der entlassene, arrivierte Coach stets seinen Stab mitnimmt und weiterzieht. Dabei wäre in diesen Tagen ein Mann aus den eigenen Reihen ein Segen, der den HSV, seine Schwächen und Stärken, seine gesamte Struktur von innen kennt. Er wäre ein Kandidat, auf den sich alle Fraktionen in diesem komplizierten Großklub verständigen könnten, mit einem gewissen Langmut in Phasen des Misserfolgs. Allein: Es gibt ihn nicht. Cardoso wird als der Trainer in Erinnerung bleiben, der die Zulassung zur Fußball-Lehrer-Ausbildung verpasste, weil sein Deutsch zu schlecht war.

          Hamburg wird es wie immer machen und den nehmen, der woanders gerade frei wurde. Eine Lösung mit Charme, eine überraschende, weniger marktschreierische – die ist diesem Klub nicht zuzutrauen. So gesehen, wäre Holger Stanislawski nicht der schlechteste Kandidat. Er kommt wenigstens aus der Stadt.

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