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HSV in der Krise : Machtkampf wegen Magath

  • -Aktualisiert am

„Geben Sie sich einen Ruck“: Viele beim HSV sehnen sich nach Magath Bild: dpa

Das Ringen beim HSV um den „Feuerwehrmann“ und der damit verbundene Machtkampf zwischen Trainer, Vorstand und Aufsichtsrat gehen weiter. Ein Milliardär könnte nun zur wichtigen Figur werden.

          Das Ringen um Felix Magath geht weiter. Hinter den Kulissen arbeiteten auch am Dienstag einige Aufsichtsräte des Hamburger SV daran, die notwendige Mehrheit im Kontrollgremium zu erlangen, um den 60 Jahre alten Magath als Trainer bis zum Saisonende zu verpflichten. Nur eine Stimme soll am Sonntagabend bei der Abstimmung zur sofortigen Einstellung Magaths gefehlt haben; demnach waren sieben der elf Räte bereit, Magath sofort einen Vertrag anzubieten.

          Längst tobt ein Machtkampf im Verein, in dem der Aufsichtsrat gegen den Vorstand und den Trainer kämpft. Satzungsrechtlich ist es dem Aufsichtsrat untersagt, in das operative Geschäft einzugreifen. Deswegen versucht es das Kontrollgremium über einen Trick. Um Magath zu bekommen, müsste der erst zwei Wochen im Amt befindliche Räte-Chef Jens Meier zunächst einen Teil des Vorstandes entlassen, dann rasch einen neuen installieren und danach Trainer Bert van Marwijk entlassen, um den Weg für den „Feuerwehrmann“ Magath frei zu machen. Dagegen sperrt sich der aktuelle Vorstand um den Vorsitzenden Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer. Sie vertrauen darauf, dass der HSV am Samstag mit Marwijk bei Eintracht Braunschweig gewinnt und damit in der Fußball-Bundesliga die Kurve kriegt. Vom Pokalspiel an diesem Mittwoch gegen Bayern München sprach kaum jemand. Auf den Punkt brachte es van Marwijk, als er eine Erklärung vortrug, die im Kern folgende Erkenntnis enthielt: „Der Verein zerstört sich selbst.“

          Kühne sieht sich als Aufbauer, nicht als Zerstörer

          Eigentlich sieht sich Klaus-Michael Kühne als Aufbauer, nicht als Zerstörer. Der Milliardär aus der Schweiz, HSV-Fan, kam am Dienstag wieder zurück ins Spiel, weil er Magath in einem Brief aufforderte, sich „einen Ruck zu geben“ und Trainer und Sportdirektor beim Hamburger SV zu werden. „Dann“, so Kühne, „wird alles gut.“ Vergangene Woche hatte sich HSV-Marketingvorstand Joachim Hilke mit Kühne getroffen und offenbar über die Rahmenbedingungen einer Beteiligung Kühnes am HSV nach einer Ausgliederung verhandelt. Wieder „wedelte“ Kühne mit den 25 Millionen Euro, die er wohl bereit ist, sofort einzusetzen. Und eine Forderung soll er gestellt haben - dass Hilke als sein Gewährsmann im Vorstand vom sich abzeichnenden Revirement verschont bleibt und seinen Job behält. Solche verqueren Vorstellungen lassen vermuten, dass Kühne auch als Anteilseigner nicht stillhalten wird und immer dann Vereinspolitik betreiben wird, wenn ihm danach ist. Auch könnte Zahlmeister Kühne bereit sein, die anfallenden, nicht unerheblichen Abfindungen der Vorstände und für Marwijk und dessen Trainerteam zu übernehmen - und die ersten Gehälter Magaths gleich mit. So käme Kühne in der vermutlich größten Personalrochade in der HSV-Geschichte eine gewichtige Rolle zu.

          Ob er immer bestens informiert ist über das Innenleben seines Lieblingsvereins, bleibt fraglich. Magath hat sich „den Ruck“ ja längst gegeben, und wie er gegenüber dieser Zeitung zugab, sich längst entschlossen, den HSV zunächst als Trainer, dann ab dem Sommer mit Coach Bernd Hollerbach als Vorstandsvorsitzender zu übernehmen. Mit einigen Bauchschmerzen, wie er sagt, und eher vom Gefühl als vom Verstand geleitet. Magath sieht ja, auf welchen zerrissenen und zerstrittenen Klub er sich einließe. Übrigens scheint die zweite Liga ihn weniger zu schrecken. Magath scheut nicht das Risiko, mit dem Hamburger SV eventuell abzusteigen, das verdeutlicht er im Gespräch. Und er hält es auch gar nicht für ausgeschlossen, dass das dieser leblosen Mannschaft tatsächlich passieren könnte.

          Pulverfass HSV nicht früh genug entschärft

          Eine tadellose Figur gibt derweil Vorstand Jarchow ab. Man kann ihm nachsagen, sich zu spät in die Diskussionen eingeschaltet zu haben, das Pulverfass HSV nicht früh genug entschärft zu haben, die Dinge zu lange schöngeredet zu haben. Inzwischen hat er einiges Substantielles zum HSV gesagt, dem er vorsteht. Er hat die dramatischen wirtschaftlichen Folgen eines Abstiegs skizziert, er hat die Profis in die Pflicht genommen, er hat erklärt, warum nicht schon wieder der Trainer schuld sein soll.

          Nun erträgt er die Diskussionen auch um seine Person in hohem Maße professionell. „Mich sorgt, dass wir zusätzlich zur sportlichen Situation nun weiter Baustellen haben. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass dieser Verein nicht auseinanderfällt.“ Ob er an Rücktritt denkt? Jarchow sagte: „Es mag sein, dass es irgendwann einen kritischen Moment gibt. Aber ich weiß nicht, wann dieser Moment tatsächlich kommt.“ Jarchow ist finanziell unabhängig und strebt kein Amt bei einem anderen Bundesligaverein an. Auch deswegen sticht er in der Krise mit Gelassenheit hervor.

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