https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/hsv-forsche-toene-von-fink-11496418.html

HSV : Forsche Töne von Fink

  • -Aktualisiert am
„Mich haben alle immer unterschätzt“: Thorsten Fink beim Dienstantritt beim HSV
          2 Min.

          Rund eine halbe Stunde redete Thorsten Fink am Montagvormittag, und neben ziemlich vielen Höflichkeitsfloskeln und Fußballphrasen versäumte es der neue Trainer des Hamburger SV nicht, ein paar Duftmarken zu setzen, die erahnen ließen, in welcher Art er seine neuen Angestellten führen wird. Auf eine bodenständige Art sehr selbstbewusst trat der 43 Jahre alte Westfale auf.

          „Ich bin von mir überzeugt und habe keine Angst“, sagte er bei seiner vom üblichen Mediengetöse begleiteten Vorstellung, und: „Mich haben alle immer unterschätzt, auch damals, als ich zu den Bayern ging. Am Ende habe ich dort 150 Pflichtspiele gemacht.“ Das war in seiner Laufbahn als Profi. Mit 38 Jahren war Schluss auf dem grünen Rasen. Nach den Stationen Ingolstadt und FC Basel ist der HSV nun der vorläufige Höhepunkt des Trainers Thorsten Fink. „Der HSV ist nicht irgendwer, der HSV ist ein toller Klub. Ich bin überzeugt von meinem Schritt, sonst würde ich nicht von einem Champions-League-Klub zu einer Mannschaft wechseln, die absteigen kann.“

          Stabübergabe: Frank Arnesen und sein Trainer Fink
          Stabübergabe: Frank Arnesen und sein Trainer Fink : Bild: dpa

          Am Mittwoch hatten sich abgebender und aufnehmender Verein geeinigt, und der HSV kaufte Fink für rund eine Million Euro vom FC Basel frei. Beim Schweizer Meister gab es Tränen zum Abschied (bei Fink und einigen Spielern) sowie viele warme Worte, wie großartig er als Trainer doch gearbeitet habe - nachvollziehbar nach zwei Meisterschaften.

          Fink gibt die Haltung vor

          Am Dienstagnachmittag wird Fink zusammen mit seinem Assistenten Patrick Rahmen das erste Training als Verantwortlicher des HSV leiten. Der 2:1-Sieg vom Sonntag beim SC Freiburg macht seinen Einstieg erheblich leichter. Einfach ist jedoch nichts beim Tabellenletzten der Bundesliga, jetzt, wo auch andere Klubs aus dem Keller überraschend punkten, das weiß Fink: „Ich kann hier viel über Fußball erzählen, wenn wir alles verlieren, werde auch ich wieder entlassen.“

          Angesichts der Heimspiele gegen den VfL Wolfsburg am Samstag und gegen den 1. FC Kaiserslautern der darauffolgenden Woche scheint das Startprogramm allerdings wie gemalt für den neuen Coach mit Vertrag bis Juni 2014. Fink versprach schon mal zu wissen, was zu tun sei, um Punkte zu holen: „Ich gebe hier die Haltung vor. Wenn die Mannschaft meine Philosophie umsetzt, wird sie erfolgreich sein.“ Das klang sehr autoritär. Fink wirkte insgesamt wie jemand, dem man nicht auf der Nase herumtanzt.

          Viel Lob

          Seine Vorgesetzten sind schon jetzt begeistert von ihrem Wunschtrainer. Sportchef Frank Arnesen saß mit einem Dauerlächeln neben Fink. „Thorsten hat die Leidenschaft, er ist ein Teamplayer, und er hat eine Vision, wo er mit dem HSV hin will. Außerdem bringt er von den Bayern eine Gewinnermentalität mit. Für mich ist es ein Extra-Plus, dass er so gerne zum HSV wollte.“

          Das war ganz schön viel Lob für einen, der noch kein Spiel in der Bundesliga als Bankverantwortlicher hinter sich hat. Beim HSV ist man jedenfalls wild entschlossen, mit dem Trainer-Neuling länger als ein Jahr zu arbeiten - das war im Schnitt die Verweildauer seiner Vorgänger in den vergangenen zehn Jahren. Geschreckt hat das Fink so wenig wie die Tatsache, dass kaum Geld in der Kasse ist. „Ich gehe zu einem Verein mit vielen Fans und einem großen Medieninteresse“, sagte Fink, der deutlich vermied, allzu viel über seine Basler Zeit zu sagen. „Für mich entscheidet, dass mich der HSV unbedingt wollte. Sie wollen hier Kontinuität und lange mit einem Trainer zusammenarbeiten.“

          15 Punkte bis Dezember

          Ein bisschen verriet Fink noch über seine bevorzugte Art des Fußballs. Gern lasse er im 4-4-2-System spielen, er habe den Ball lieber, als ihm nachzujagen, aber es müsse immer möglich sein, taktisch flexibel zu reagieren - was man eben so sagt, wenn man nicht sofort festgelegt werden möchte. Als Trainertyp gehe er in Richtung Jürgen Klopp, kopieren wolle er aber keinen. Es wird noch etwas dauern, bis man vom neuen Hamburger Trainer ein klareres Bild hat.

          Fink wohnt noch im Hotel. Er will seine Frau und die beiden Kinder Mitte Dezember aus Basel holen. Bis dahin, das hatte er schon vergangene Woche gesagt, sollten 15 Punkte her. Gelingt das, wäre Thorsten Fink auf dem besten Weg, so gut zu sein, wie er am Montag schon gemacht wurde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Soll zahlreiche Verfehlungen im Amt begangen haben: Patricia Schlesinger

          ÖRR und der Fall Schlesinger : Systemversagen

          Der Skandal beim Rundfunk Berlin Brandenburg rund um Patricia Schlesinger mag einmalig erscheinen. Er zeigt aber die Schwächen des öffentlich-rechtlichen Systems auf. Werden die Bundesländer daran je etwas ändern?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.