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Fußball-Kommentar : Beliebt beim HSV, aber nicht erfolgreich

  • -Aktualisiert am

Nun auch ein ehemaliger HSV-Trainer: Ballbesitzanhänger Christian Titz Bild: EPA

Die Trennung von Trainer Christian Titz beim HSV nach nur einem guten halben Jahr ist nachvollziehbar und verständlich. Auch das Tempo, in dem schnell ein Nachfolger präsentiert wurde, ist richtig. Ein Kommentar.

          Seit dem 0:5 gegen Jahn Regensburg vor einem Monat war Christian Titz ein Trainer, dessen Arbeit nach jedem Spiel neu beurteilt wurde. 0:0 gegen St. Pauli – hm, der dürfte bald weg sein. 2:1 in Darmstadt – vielleicht bleibt er doch? 0:0 gegen Bochum – keine Zukunft für den 47 Jahre alten Trainer des Hamburger SV. So kann kein Fußball-Lehrer arbeiten: Wenn die Leistungen und Fähigkeiten eines leitenden Angestellten nur noch vom Ergebnis abhängen, er von Woche zu Woche beurteilt wird, ist das Vertrauen so klein, dass die Zusammenarbeit längst eine Qual ist.

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          Sport-Vorstand Ralf Becker war schon länger von Titz abgerückt, und er hatte gute Gründe dafür. Der von Titz als alternativlos angesehene Ballbesitzfußball, der sich nach Meinung des Trainers auf Sicht durchsetzen werde, schien kein probates Mittel für die Abnutzungskämpfe in der zweiten Liga zu sein. Nach dem torlosen Remis gegen Bochum am Sonntag, dem vierten Heimspiel ohne HSV-Tor, war Insidern klar, dass die Luft für Titz sehr dünn würde.

          Eigentlich hatte man gedacht, der Trainer „bekomme“ noch die Englische Woche mit Aufgaben in Magdeburg, Wehen und gegen Köln, um sein Credo vom schönen Spiel durchzudrücken. Eine Spielweise im Übrigen, die in den letzten acht Spielen der vergangenen Erstliga-Saison Anlass zur Hoffnung gab, letztlich aber doch nicht reichte, um den Dino zu retten. Titz aber war zum Liebling der Fans geworden, und wohl auch deswegen verlängerte der HSV um Vorstand Bernd Hoffmann damals den Vertrag mit ihm.

          Beliebt ja, erfolgreich nein – insofern ist die Trennung von Titz beim Fünften der zweiten Liga nach nur einem guten halben Jahr nachvollziehbar und verständlich. Auch das Tempo, mit dem Becker nun vorgeht, ist richtig. Wer weiß, was im Oberhaus in Leverkusen und Schalke passiert. Der HSV hat jetzt zugegriffen, bei einem Trainer, der auch schnell anderswo hätte begehrt sein können. Hannes Wolf hat den VfB Stuttgart in die erste Liga geführt; in einer ähnlichen Rolle übrigens – als Absteiger, der großer Favorit auf den sofortigen Wiederaufstieg war. Der HSV ist es mit 28,5 Millionen Euro Spieleretat ebenfalls. Wolf ist jung, frisch, taktisch gut; er hat in Dortmund bewiesen, dass er es mit Jungen kann und in Stuttgart mit Arrivierten. Dass für Titz nun wieder eine Abfindung fällig ist, drückt den klammen HSV, darf aber kein Argument dafür sein, mit einem Trainer weiterzumachen, von dem man nicht (mehr) überzeugt ist.

          Titz, ein integrer und sympathischer Typ, hat Vorstellungen von Fußball, die im Erfolg schön aussehen und mitreißend sind. Beim HSV hielt er am Ballbesitzfußball fest, variierte das riskante System mit elf Feldspielern nur leicht. Es war längst durchschaubar geworden, und Torwart Julian Pollersbeck geriet als Libero mehr als einmal in Bedrängnis. Vielleicht wäre das alles halb so schlimm gewesen, hätte Titz nicht den großen Fehler gemacht, Den sensiblen Stürmer Lasogga nach fünf Toren in zwei Spielen auf die Bank zu setzen und zu argumentieren, Lasogga solle fortan erst ins Geschehen eingreifen, wenn der Gegner müde gespielt sei, war schlichtweg eine Fehleinschätzung. Wenn es bei Lasogga läuft, dann läuft es. Wenn nicht, dann nicht. So war die Hamburger Torflaute hausgemacht. Und letztlich Christian Titz anzukreiden.

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