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HSV : Bleibt Hoffmann doch?

  • -Aktualisiert am

Comeback der Ausgemusterten? HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann (l.) und Vorstandsmitglied Katja Kraus Bild: dpa

Wende im HSV-Machtkampf: Die Opposition gerät plötzlich in die Defensive. Noch-Trainer Armin Veh ist derweil vor dem Spiel bei Bayern München am Samstag (15.30 Uhr) scheinbar alles egal.

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          Die schönen Bilder sind erst zwei Monate alt. Ein glücklicher Marek Erhardt spreizt die Finger zum Siegeszeichen, Manfred Ertel strahlt in die Kameras, Jürgen Hunke, wie er zufriedener kaum aussehen kann. Am 9. Januar wählten die Mitglieder des Hamburger SV die drei Männer in den neuen Aufsichtsrat; es wurde geklatscht und gejubelt – alle drei gelten als Abgeordnete der mächtigen Fan-Vereinigung „Supporters Club“, als Vertreter der Basis. Alle drei stehen auch für mehr oder weniger scharfe Kritik am Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann. Wobei es sich nicht um offen ausgetragene Feindschaft handelt: alle drei hat man immer wieder im lockeren Gespräch mit Hoffmann gesehen.

          Zunächst wirkte es, als wären Erhardt, Ertel und Hunke vor allem eine starke Opposition gegen Hoffmann, die Faninteressen vertreten und die vielkritisierten Alleingänge des Vereins-Chefs stoppen würde. Doch seit fünf der zwölf HSV-Aufsichtsräte am vergangenen Sonntag die vorzeitige Vertragsverlängerung Hoffmanns verhinderten – darunter eben auch Erhardt, Ertel und Hunke –, stehen die Kontrolleure in der Kritik. Mehr noch: sie sind bedroht worden.

          Der Schauspieler und ehemalige Stadionsprecher Marek Erhardt erhielt sogar telefonische Morddrohungen. Der frühere HSV-Präsident Hunke empfing elektronische Post, in der „von dunklen Gassen“ die Rede war, in denen ihm aufgelauert werde. Auch Ertel, im Hauptberuf Redakteur beim „Spiegel“ und seit vielen Jahren HSV-Fan, erging es nicht viel besser. Neben allerlei Unsachlichem ist der Vorwurf an sie, den Verein durch ihr Abstimmungsverhalten lahmgelegt zu haben: den aktuellen Vorstand zum Vorstand auf Zeit degradiert zu haben, und weit und breit ist kein Nachfolger in Sicht.

          Drohungen gegen die Räte: Die HSV-Aufsichtsrat-Mitglieder Manfred Ertel (l.) und Jürgen Hunke
          Drohungen gegen die Räte: Die HSV-Aufsichtsrat-Mitglieder Manfred Ertel (l.) und Jürgen Hunke : Bild: picture alliance / dpa

          Intern zerstritten

          Die massive, persönliche Kritik hat alle drei beeindruckt, denn aus ihrer Sicht haben sie nur etwas ganz Normales getan: sie haben sich gegen eine Vertragsverlängerung mit jemandem ausgesprochen, von dessen Arbeit sie nicht oder nicht mehr überzeugt sind. Hunke sagt: „Es wird immer unterschiedliche Auffassungen geben in einem Verein. Aber eine Ebene mit solchen Bedrohungen gegen Aufsichtsräte hatten wir noch nie.“

          Dass die Kontrolleure intern zerstritten sind und sich in zwei Lager aufteilen, macht die Lage nur noch verworrener: hier die sieben Personen, die sich vorstellen könnten, mit Hoffmann weiter zu arbeiten, da die fünf, die das auf keinen Fall wollen. Dabei sind die Methoden des Hoffmann-Lagers auch nicht zimperlich: Ratsmitglied Jörg Debatin, mit Hoffmann befreundet, griff im Internet die Hoffmann-Gegner im Kontrollgremium an und geißelte ihr „destruktives Abstimmungsverhalten“.

          Zweite Abstimmung über Hoffmann?

          In diesem Rat finden sich viele Mitglieder nicht mehr wieder. Seit knapp einer Woche läuft im Internet deswegen eine Petition. Dort können sich HSV-Fans registrieren lassen, die für eine Außerordentliche Mitgliederversammlung sind. 5250 Unterzeichner werden benötigt. Mehr als 4000 haben sich schon eingetragen. Auf der Versammlung soll nach ihrem Wunsch der Antrag eingereicht werden, einen komplett neuen Rat zu wählen. Die Hoffmann-Kritiker im Aufsichtsrat glauben, dass Hoffmann selbst hinter der Initiative steckt oder zumindest ihm Nahestehende.

          Ganz nebenbei zeigt der Wunsch nach einer außerordentlichen Versammlung, wie zerrissen der HSV als Gesamtverein ist, wenn schon im März nicht mehr der Abstimmung vom Januar getraut wird. Ob es tatsächlich zu einer Mitgliederversammlung kommt, ist fraglich. Beim HSV befürchtet man, dass es dort nur ausufernde Angriffe und persönliche Beleidigungen geben würde. Aufsichtsratschef Otto Rieckhoff sagte: „Wir brauchen eine Strukturdebatte, keine Schuldzuweisungen.“ Bernd Hoffmann hat die ganzen Diskussionen übrigens aus dem lange geplanten Ski-Urlaub verfolgt und vernommen, dass es auch eine zweite Abstimmung über seine Zukunft geben könnte. Womöglich mit anderem Ausgang.

          „Der Verein ist in großer Gefahr“

          Beinahe untergegangen ist in dieser turbulenten Woche, dass auch noch Fußball gespielt wird. Dabei hat die Partie bei den Bayern am Samstag (15.30 Uhr/ FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) für einen schon Endspielcharakter. Es gilt als sicher, dass Trainer Armin Veh gehen muss, sollte der HSV in München verlieren. Seit seiner Ankündigung vom Dienstag, den Verein im Sommer wegen der anhaltenden Querelen zu verlassen, hat Veh den Status eines Vogelfreien, der ausspricht, was er denkt. Veh sagte also: „Der Verein ist in großer Gefahr. Soweit ich weiß, wurde noch mit keinem Spieler gesprochen, wie es in der nächsten Saison weitergeht.“

          Was für eine Kritik an der Vereinsführung! Sollte der HSV also beim FC Bayern verlieren, wird Vehs Assistent Michael Oenning die Mannschaft durch die dann noch acht Spiele führen. Aber vielleicht gewinnt der HSV ja, und Veh macht noch ein bisschen weiter. Was auf dem Rasen passiert, ist ohnehin gerade nicht so wichtig bei diesem Hamburger Sport-Verein.

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