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2:1 gegen Wolfsburg : Dramatische Rettung für den HSV

  • -Aktualisiert am

Hamburger Wahnsinn kurz vor Schluss: Waldschmidt trifft gegen Wolfsburg. Bild: dpa

Die Hamburger Bundesliga-Uhr tickt auch nächste Saison weiter. In einem am Ende unglaublichen Spiel gegen Wolfsburg rettet ein Joker den HSV kurz vor Schluss. Für den VfL geht es in die Relegation.

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          Luca Waldschmidt als Retter des Bundesliga-Dinos? Der hatte nun wirklich keine große Rolle gespielt in dieser Saison. Am Samstag spielte der Zugang aus Frankfurt die Rolle des Erlösers und erleichterte den HSV mit seinem Tor in der 88. Minute um Tonnen. Waldschmidt war wenige Sekunden zuvor eingewechselt worden. Sein wuchtiger Kopfball schenkte dem HSV einen glücklichen 2:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg, mit dem noch Minuten zuvor niemand gerechnet hatte. „Ein tolles Gefühl. Ich bin froh, dass wir unser heutiges Ziel erreicht und den Sack zugemacht haben“, sagte Waldschmidt.

          Der HSV bleibt also erstklassig, darf sich weiter als Bundesliga-Dinosaurier fühlen und ist Trainer Markus Gisdol zu großem Dank verpflichtet. „Für die Fans freue ich mich besonders. Sie haben uns die gesamte Saison über super unterstützt“, sagte Nicolai Müller. Wolfsburg verpasste nach einer guten Leistung, mehr aus seinen Tormöglichkeiten zu machen und muss den bitteren Weg in die Relegation antreten. Dort könnte der Gegner am Donnerstag und dem darauffolgenden Montag Eintracht Braunschweig heißen.

          Mit Müller und Albin Ekdal in der Start-Elf fühlte sich der HSV gleich etwas besser. Müllers Knieverletzung aus dem Köln-Spiel und Ekdals Muskelriss in Dortmund hatten beide lange pausieren lassen. Wolfsburg begann ohne Riechedly Bazoer, Jannes Horn, Maximilian Arnold und Daniel Didavi; für sie ließ Jonker etwas überraschend Yannick Gerhardt, Yunus Malli, Philipp Wollscheid und Jakub Blaszczykowski spielen. Hamburg hatte sich noch einmal bis Freitagabend nach Rotenburg zurückgezogen. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, uns vor einem wichtigen Spiel zurückzuziehen und im kleinen Kreis zu fokussieren“, sagte Sportchef Jens Todt.

          Ganz bei der Sache wirkten von Beginn an aber die Wolfsburger. Mit viel Druck begannen sie die Partie, ließen den HSV nicht zum Atmen kommen. Der seit Wochen starke Anführer Mario Gomez stand dicht vor der VfL-Führung, doch seinen schönen Schuss aus der Drehung wehrte Torhüter Christian Mathenia zum Eckball ab (10. Minute). Beim HSV ging wenig zusammen. „Wir haben dieses eine Spiel und müssen auf keinen Platz und kein anderes Team schauen, sondern nur auf uns“, hatte Gisdol gesagt – eine Feststellung, die Mut machen sollte, weil die Formkurve in den vergangenen Wochen deutlich nach unten zeigte. Der HSV war seit fünf Spielen sieglos.

          Trainer Gidsol und sein Team im Taumel der Emotionen. Bilderstrecke
          Trainer Gidsol und sein Team im Taumel der Emotionen. :

          Die Anspannung im ausverkauften Stadion war spürbar. Wolfsburg konnte mit der Konstellation offenbar mehr anfangen, wirkte zunächst weniger verkrampft und belastet als der HSV. Gomez forderte vorn jeden Ball. In der 22. Minute hatte Blaszczykowski die nächste gute Chance für Wolfsburg – wieder zeichnete sich Mathenia mit einer Großtat aus. Eine Minute später war es soweit. Robin Knoche belohnte den guten Wolfsburger Start und traf per Kopf zur verdienten 1:0-Führung. Die 6000 mitgereisten Fans jubelten in ihrem grün und weiß gefärbten Eck.

          Der große Rest pfiff den HSV nach 30 Minuten aus – es ging nichts zusammen. In diese ganz schwache Phase fiel ein Fehler von Wollscheid, der den Ball nicht wegbekam. Lewis Holtby reagierte mit einem Pass, und Filip Kostic schoss den Ball zum 1:1 ins Wolfsburger Tor (32.). Hektik, Härte und Gemoser von den Bänken nahmen zu. Die Erregung wuchs. Der junge Wolfsburger Manager Olaf Rebbe rannte bei praktisch jedem Pfiff gegen den VfL aus seiner Coachingzone. Ja, es ging um viel. Kurz vor dem Halbzeitpfiff vergab Malli die Wolfsburger Führung. Bei allen relevanten statistischen Werten hatte der VfL in der ersten Halbzeit die Nase vorn, und doch stand es nur 1:1.

          Nach der Pause tat der HSV mehr – musste er ja auch. Doch Wolfsburg machte das ganz clever. Stand hinten gut, verdichtete die Mitte dank Guilavogui und Luiz Gustavo. Nach einer Stunde kam der VfL auch wieder besser ins Spiel. Gisdol ging volles Risiko und brachte Mitte der zweiten Halbzeit Gregoritsch und Jatta für die müden Müller und Ekdal ins Spiel. Doch irgendwie kam das Hamburger Spiel nur schwer auf Touren. Kleine Fehler und Ungenauigkeiten verhinderten, richtig zum Abschluss zukommen. Erst Markus Gisdols goldenes Händchen mit der Einwechslung von Luca Waldschmidt führte in diesem am Ende unglaublichen Spiel zu einem großen Hamburger Happy-End.

          „Jetzt haben wir das bekommen, was wir verdient haben. Wir müssen schnell die Köpfe frei bekommen“, sagte Wolfsburgs Nationalstürmer Mario Gomez und Trainer Andries Jonker haderte: „Fußballerisch sind wir in Ordnung. Wenn wir das mit Kampfgeist kombinieren, gehören wir zu den besten Mannschaften.“ Das muss der VfL nun beweisen – in den zwei Partien des Nervenspiels namens Relegation.

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