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3:1 in Wolfsburg : Der HSV ist wieder da – und wie!

  • -Aktualisiert am

Der HSV ist wieder da: Kostic und Holtby jubeln. Bild: AP

Schaffen die Hamburger doch noch sensationell den Klassenverbleib? Nach dem Sieg im Abstiegskrimi in Wolfsburg ist die Hoffnung größer denn je. Beim VfL dagegen gehen die Fans auf die Barrikaden.

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          Der Jubel, der mit dem Schlusspfiff ausbrach, ließ vermuten: Der Hamburger SV hat es schon wieder geschafft. Doch gemach: Zumindest ist es den Hanseaten gelungen, eine freundliche Einladung zu einer weiteren Wiederauferstehung anzunehmen. Der überglückliche Hamburger SV fühlt sich wachgeküsst. Aus dem chronisch abstiegsgefährdeten Verein ist wieder eine Einheit geworden, die von der nächsten Rettung träumt. „Wir haben Spaß am Fußball. Wir glauben weiter dran“, sagte Lewis Holtby.

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          Dank eines 3:1-Erfolges beim VfL Wolfsburg, bei dem Bobby Wood in der 42. Minute per Foulelfmeter, Holtby (45.) per Kopf und Luca Waldschmidt (90.) die Tore erzielten, hat sich der HSV für ein weiteres Wunder in Position gebracht. „Meiner Mannschaft möchte ich ein Kompliment aussprechen, denn es war ein sehr schweres Spiel“, sagte Trainer Christian Titz. Drei Jahre nach der wundersamen Rettung in den Relegationsspielen gegen den Karlsruher SC, die unter der Regie des aktuellen Wolfsburger Trainers Bruno Labbadia gelungen war, ist für die Hamburger auch in dieser Saison alles denkbar geworden. Gleiches gilt in der negativen Variante für den VfL Wolfsburg, für den nur Josip Brekalo (78.) traf. Seine Profis mussten sich nach Spielende mit höchst unzufriedenen und lautstark protestierenden Fans auseinandersetzen.

          Das Duell der beiden Vereine, die in dieser Saison jeweils drei verschiedene Trainer beschäftigten und sich auf ein gehöriges Durcheinander in allen Belangen spezialisiert haben, war eine mehrheitlich wuselige Angelegenheit. Nahezu im Sekundentakt musste Schiedsrichter Daniel Siebert aus Berlin darüber befinden, wer denn gerade wen unzulässig geschubst oder getreten hatte. Der Mangel an spielerischer Klasse und guten Ideen wurde vor 29.400 Zuschauern durch harte Zweikämpfe und die üblichen Rangeleien ersetzt. Der feine Unterschied im Kampf gegen den Abstieg blieb aber: Der HSV traute sich etwas, während der VfL Wolfsburg meistens nur reagierte und erschreckend passiv blieb.

          Auf einer Position hatte der HSV bei seinem abermaligen Rettungsversuch in eigener Sache besonderes viel Oberwasser. Der nur 1,63 Meter große Tatsuya Ito spielte imTittz linken Mittelfeld mehrmals seine Wendigkeit und Schnelligkeit aus. Sein eigentlicher Bewacher Paul Verhaegh konnte einem angesichts diverser Niederlagen in Laufduellen und Zweikämpfen leidtun. Und Ito war es auch, der in den entscheidenden Spielszenen glänzen konnte. Der Japaner war vor dem 0:1 vom Wolfsburger Routinier Joshua Guilavogui im Strafraum unsanft ausgebremst worden, was einen Foulelfmeter zur Folge hatte. Dass in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit auch noch das 0:2 durch Holtby fiel, war wiederum einer gefühlvollen Flanke von Ito zu verdanken. Er ließ sich direkt vor der Hamburger Fankurve von den rund 3000 mitgereisten HSV-Anhängern gebührend feiern. Der Kontrast zwischen seiner Freude und dem Entsetzen seiner Wolfsburger Berufskollegen hätte nicht größer ausfallen können.

          Immer mit der Ruhe? Wolfsburg-Trainer Labbadia hat genug Aufregung im Abstiegskampf. Bilderstrecke
          Immer mit der Ruhe? Wolfsburg-Trainer Labbadia hat genug Aufregung im Abstiegskampf. :

          Was hätte man an diesem 32. Spieltag und angesichts der besonderen Konstellation am Tabellenende eigentlich vom Team des VfL Wolfsburg erwarten dürfen? Mit Yunus Malli und Daniel Didavi saßen zwei der besten Offensivspieler der Niedersachsen beim Spielbeginn nur auf der Ersatzbank. Das einst kongeniale Duo ist derzeit aus Formschwäche und Verletzungsgründen keine zuverlässige Größe. Labbadia vertraute auf eine stark veränderte Startelf und wurde einmal mehr enttäuscht. Seit Ende Februar versucht der frühere Torjäger, dem VfL-Team neues Leben einzuhauchen, Fehler zu minimieren und die Offensive zu stärken.

          In dieser Zeit ist gerade einmal ein Sieg gelungen, die Unruhe noch größer geworden und zuletzt eine kuriose Situation entstanden. In der Vorbereitung auf das wichtige Heimspiel gegen Hamburg war man in Wolfsburg der Meinung, sich von Sportdirektor Olaf Rebbe auf der Zielgerade der Saison unbedingt noch trennen zu müssen. Die Personalie belegt, wie verworren die Lage beim VfL ist und wie groß die Nervosität. „Mir ist klar, dass wir zu wenige Ergebnisse geliefert haben. Umso wichtiger ist, zu wissen, dass wir heute ein Stück weit am Boden liegen“, sagte Trainer Labbadia.

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