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HSV : Baustelle 21

  • -Aktualisiert am

Vor dem Abgang: Van Nistelrooy ist nicht das einzige Sorgenkind beim HSV Bild: dapd

Der Start in die Rückrunde ist dem HSV gut gelungen. Die Störfeuer hören aber nicht auf. Nun bereiten vor dem Nachhol-Derby gegen St. Pauli Elia und van Nistelrooy Sorgen.

          Die Debatte um Eigensinnigkeiten beim Hamburger SV ist wieder um ein paar interessante Wort-Beiträge bereichert worden. Eigentlich läuft es gerade ordentlich. Mit neun Punkten aus vier Spielen ist Armin Vehs Mannschaft gut in die Rückrunde gestartet. Sollte Vehs unansehnlicher Zweckfußball zu weiteren Siegen an diesem Mittwoch im Nachholspiel gegen den FC St. Pauli (19 Uhr/ FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) und am Samstag gegen Werder Bremen führen, wären die attraktiven Bundesligaplätze zum Greifen nahe. Doch wie es so ist in Hamburg: wenn es mal läuft, schert gleich einer aus.

          Am Montag machte Flügelflitzer Eljero Elia auf sich aufmerksam, als er einen Stammplatz forderte. In der niederländischen Nationalmannschaft spiele er immer, sagte Elia, beim HSV zu selten, dabei hätten die Hamburger mit ihm deutlich öfter gewonnen als ohne ihn. „Der Trainer vertraut mir nicht“, schloss Elia. Er selbst hat sich natürlich nichts vorzuwerfen: „Ich gebe jedes Spiel 100 Prozent. Im Sommer hatten Juventus Turin und Wolfsburg Interesse, im Januar vier große englische Vereine. Der HSV wollte mich nicht gehen lassen – und ich habe keine Probleme gemacht oder für Unruhe gesorgt.“

          Dass es allein daran lag, dass er nach seinem Raketenstart beim HSV nie wieder an die Form vom Sommer 2009 anknüpfen konnte (was auch mit einer schweren Verletzung zu tun hatte), mag Elia nicht einsehen. Werde ihm weiterhin Marcell Jansen auf der linken Außenbahn vorgezogen, will sich Elia nach einem neuen Verein umsehen. Trotz eines Vertrages bis 2014.

          Unzufrieden: Eljero Elia (r., gegen den Wolfsburger Pekarik) fordert einen Stammplatz

          Van Nistelrooy verscherzt es sich

          So kennt man den HSV: jeder schaut zuerst auf sich. Vorbild für diese Unsitte ist seit einiger Zeit ausgerechnet einer, der als Musterprofi gilt. Doch Ruud van Nistelrooy ist es in diesen sechs Wochen des Jahres 2011 gelungen, beim HSV vom Liebling zum Stinkstiefel zu mutieren. Nach seinem Flirt mit Real Madrid und der Bettelei um sofortige Freigabe Mitte Januar hatte der 34 Jahre alte Niederländer zunächst ein paar Tage die beleidigte Leberwurst gespielt, dann über seinen Berater ausrichten lassen, er sei nicht mehr wütend und werde bis zum Saisonende „alles geben“ für den HSV.

          Was man bei einem monatlichen Einkommen von angeblich 300.000 Euro ja auch erwarten darf. Nun kam die abermalige Volte: gegenüber dem niederländischen Fernsehsender „RTL“ sagte van Nistelrooy in der vergangenen Woche: „Ich muss noch 13 Mal für den HSV spielen. Dann ist es hier genug gewesen.“ Kein Wort mehr davon, im Sommer noch ein Jahr in Hamburg dranzuhängen, in dieser tollen Stadt, in der er sich mit Frau und Kindern doch so wohl fühle. Seine Worte klangen, als wäre es eine Strafe, für den HSV zu spielen. Mit Vorstand Bernd Hoffmann hat es sich Nistelrooy nun endgültig verscherzt.

          Dabei hatte er ihn im Januar 2010 voller Stolz präsentiert und die ganze Liga mit diesem Transfer überrascht. Trainer Veh war wenig begeistert von Nistelrooys niederländischer Ehrlichkeit, seiner Zählweise nach die „Baustelle 21“ beim notorisch aufgeregten HSV. Die Partie gegen den Lokalrivalen gilt als nächste und letzte Bewährungsprobe für den formschwachen Weltstar von einst.

          Keine Herzensangelegenheit mehr

          Dass Nistelrooy nach dem verräterischen Interview – sanft gedrängt – sagte, er werde weiter „100.000 Prozent“ für den HSV geben, dann aber herumlavierte, als er die Frage beantworten sollte, ob er in der nächsten Spielzeit auch noch das Trikot mit der Raute tragen werde, ließ tief blicken. Hier ist einer gedanklich schon weg. Medien- und Werbetermine für den HSV soll van Nistelrooy auch nicht mehr wahrnehmen.

          Nun war es ja eher so, dass die Hamburger viel für ihn getan haben als anders herum. Van Nistelrooy kam mit großem Namen und schwacher Form als Rekonvaleszent nach Hamburg; er hatte bei Real Madrid ein Jahr lang kaum gespielt. Der große Betreuerstab des HSV kümmerte sich Tag und Nacht um den Stürmer. Im vergangenen Frühjahr witterte der ehrgeizige Mann die Chance, vielleicht noch das holländische WM-Ticket zu ergattern, auch das nahe Finale in der Europa League war ein Antrieb.

          Beide Unternehmungen misslangen. Van Nistelrooy blieb beim HSV, aber er betrachtet das eher als Pflicht denn als Freude. Seine bislang elf Tore in 28 Bundesligaspielen illustrieren das Kapitel van Nistelrooy beim HSV ganz treffend: ordentlich, keinesfalls überragend. Natürlich würden ihn die HSV-Fans für den Siegtreffer gegen St. Pauli wieder feiern, er ist ja immer noch ein guter Stürmer. Aber eine Herzensangelegenheit ist dieser Niederländer den meisten Hamburgern nicht mehr.

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