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HSV : Arnesen muss von Bord

  • -Aktualisiert am

Vorzeitige Trennung: Frank Arnesen muss den HSV verlassen Bild: dpa

Der Sündenbock ist gefunden: Der HSV trennt sich von Frank Arnesen. Als mögliche Nachfolger werden Jörg Schmadtke, Felix Magath und Oliver Kreuzer gehandelt.

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          Sein nächster Programmpunkt wäre das Gespräch mit den Scouts des Hamburger SV gewesen, Themen hätte es genug gegeben - etwa warum norddeutsche Talente lieber in Wolfsburg oder Hannover spielen als beim HSV. Doch Frank Arnesen wird sich dieses Arbeitsessen sparen können. Seine Ablösung nach zwei Jahren als zweiter Vorstandsvorsitzender und Sportdirektor des HSV ist seit Dienstagabend beschlossene Sache.

          Sechs Stunden tagten die elf Aufsichtsräte des Bundesligaklubs über die Causa Arnesen in einem Hamburger Hotel. Am Ende um Mitternacht wollte Aufsichtsratschef Manfred Ertel nichts sagen. Doch schon in den Tagen vor der Sitzung war durchgesickert, dass das Gros der Kontrolleure gegen eine Weiterbeschäftigung Arnesens sein würde. Ertel war dabei die treibende Kraft: Ihm war Arnesen mit seinen Jahreseinkünften von knapp 1,8 Millionen Euro zu teuer und sein Geschick bei den Transfers und in der Nachwuchsarbeit zu dürftig.

          Rettig hat schon abgesagt

          Offizielles gebe es noch nicht zu verkünden, sagte Pressesprecher Jörn Wolf am Mittwoch. Aber da war Arnesen aus dem Kreis der Räte schon informiert worden, dass sein bis 2014 laufender Vertrag aufgelöst wird. Andreas Rettig, der Wunschkandidat des Aufsichtsrates, hat schon abgesagt. Rettig sagte, er wolle lieber bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) bleiben.

          Der nächste auf der Liste der Kontrolleure soll Jörg Schmadtke sein, der bis April Sportchef bei Hannover 96 war. Auch Felix Magath, mit dem es Informationsgespräche gegeben hat, und Oliver Kreuzer vom Karlsruher SC sollen auf dem Zettel stehen. Es herrscht Eile, denn etliche ungeklärte Personalfragen müssen beantwortet werden. Was wird aus Heung-Min Son? Gibt es Interessenten für Dennis Aogo, Tomas Rincon, Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne? Wie wird der HSV die teuren Bankdrücker Marcus Berg, Gojko Kacar und Robert Tesche los? Arnesens Nachfolger wird beim HSV kein Geld für Verstärkungen haben, wenn er niemanden verkauft. Der Verein steuert auf ein Minus von rund 20 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr zu.

          Wieder mal verlässt den HSV jemand, der doch für die große Zukunft des Klubs stehen sollte, als er kam. Im Mai vor zwei Jahren brachte Arnesen fünf Profis von seinem ehemaligen Arbeitgeber FC Chelsea mit - für „null money“ wie er gern sagte. Letztlich wurden ihm Mancienne, Bruma, Rajkovic, Sala und Töre zum Verhängnis. Töre ließ sich gewinnbringend verkaufen. Der Rest spielte unauffällig, erfüllte aber nie die Erwartungen.

          Zuletzt verteilte Frank Arnesen noch Blumensträuße wie hier an Abgänger Jeffrey Bruma

          Nach dem Fast-Abstieg vor einem Jahr stand Arnesen auf der Kippe. Mit dem van-der-Vaart-Kauf, der ihn rettete, hatte er wenig zu tun. Torwart René Adler war ein gelungener Transfer, Artjoms Rudnevs war ein guter Griff. Auch Milan Badelj und Petr Jiracek halfen dem HSV, eine akzeptable Saison ohne Abstiegsgefahr zu spielen. Doch in der letzten Transferperiode misslang es Arnesen, die Ladenhüter an den Mann zu bringen. Das Chaos im Jugendbereich, wo fast alle Jugendtrainer auf neue Verträge warten, und der Niedergang der zweiten Mannschaft, die fast aus der Regionalliga abgestiegen wäre, schmälerten Arnesens Verdienste beträchtlich.

          Nächste Farce bei der Managersuche

          Die komplizierten Strukturen des HSV hat er nie ganz verstanden. Zudem stand ihm seit Anfang 2013 der Aufsichtsratschef Ertel gegenüber, der sein Wirken mehr als kritisch beäugte. Ertel ist selbstbewusst und tritt auf, als würde er den Klub am liebsten selbst als Vorstandsvorsitzender führen. Da es die HSV-Statuten vorsehen, dass der Sportchef vom Aufsichtsrat bestimmt wird, sind dem auf Ausgleich bedachten Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow die Hände gebunden. Jarchow war nie Arnesens größter Fan, doch er hätte gern weiter im Verbund mit Arnesen und Fink gearbeitet. Nun zieht der machtbewusste Ertel die Reißleine, und ein Neuer betritt die Bühne.

          Hoffentlich kommt er auch wirklich, und nicht wie Matthias Sammer und Urs Siegenthaler nur beinahe. Beide galten einmal als heiße Kandidaten für die Beiersdorfer-Nachfolge. In Hamburg gelandet sind sie nicht. Damals machte sich der HSV zum Gespött der Liga, und auch in diesen Mai-Tagen wird man das Gefühl nicht los, dass in Hamburg der Schwanz mit dem Hund wedelt. Ob es den Mitgliedern des HSV gefällt, wie sehr dieser Aufsichtsrat in das Tagesgeschäft eingreift? Viele von ihnen wünschen sich indes Dietmar Beiersdorfer zurück.

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