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Hamburger SV : Eine Hoffnung namens Horst

  • -Aktualisiert am

Scherz mit Ko-Trainer Hannes Drews: Horst Hrubesch setzt auf Kommunikation und Nähe. Bild: dpa

Kurzzeit-Trainer Hrubesch hält den Glauben des HSV an die Relegation lebendig – er selbst hat schon viel für eine bessere Zukunft getan, weil er das nur scheinbar Einfache beherrscht.

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          Ein heißer Mai-Tag in Hamburg, auch das kommt mal vor, und Horst Hrubesch musste nach dem Training rasch seine Flüssigkeitsdepots auffüllen. Ein Wasser, eine Cola – die Übungseinheit zur Mittagszeit wirkte als schweißtreibende Angelegenheit nach: Mit einer eilends gereichten Papierserviette wischte sich der Kurzzeit-Trainer des Hamburger SV vor der virtuellen Pressekonferenz am Sonntag übers Gesicht und die Stirn.

          2. Bundesliga

          Horst Hrubesch ist wieder da, wo er gar nicht mehr hinwollte – doch das, was er in seiner ersten Trainingswoche im Volkspark sah, hat ihn positiv gestimmt: „Es hat riesig Spaß gemacht. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft freier, offener geworden ist, weniger verkrampft. Wir müssen die vorhandene Qualität jetzt mit Lockerheit herauskitzeln.“

          Wenig überraschend setzt der 70 Jahre alte Coach auf Kommunikation und Nähe. Gleich die ersten Bilder zeigten Anfang vergangener Woche einen Trainer, der seine Spieler umarmt. „Man hat gesehen: wir leben noch“, umriss Hrubesch das Motto seines Nothelfer-Einsatzes, der am Sonntag von 30 begeisterten Fans begleitet wurde. Der Star beim HSV ist gerade der Trainer; er erinnert an die guten alten Zeiten. Vielleicht färbt ein bisschen Glanz auf die Mannschaft ab, die unter Hrubeschs Vorgänger Daniel Thioune in einen Strudel aus Enttäuschungen und Sieglosigkeit geraten war und den Aufstieg so gut wie verspielt hat. Wieder einmal fehlte den HSV-Profis die Widerstandskraft.

          Allzu lang wird die Episode von Horst, dem Hoffnungsträger, die Fans nicht erfreuen. Nürnberg an diesem Montag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Fußball-Bundesliga und bei Sky), dann Osnabrück und Braunschweig: danach wird Hrubeschs Mission Impossible beendet sein, und er kehrt zurück auf seinen Platz als Nachwuchschef des HSV, um dort Talente zu entwickeln – das ist ihm in seinem Jahr auf diesem Posten gelungen. Interessant war am Sonntag Hrubeschs Terminplanung: „Wir wollen uns selbständig aus dem Mist rausziehen, den wir uns eingebrockt haben. Wenn, geht das nur über die Relegation.“ Das Wunder vom Volkspark also, und Hrubesch als Zauberer für dann doch fünf Spiele mittendrin? „Wir glauben bis zum letzten Tag dran.“

          Hoffen auf den Hoffnungslauf

          Die Ergebnisse der Konkurrenz zeigen zumindest, dass auch Fürth und Düsseldorf zuletzt nicht jeden möglichen Punkt holten. Doch erst einmal müsse der HSV „in Vorleistung“ gehen und in den drei verbleibenden Spielen alles abräumen, um weiter von der Relegation träumen zu dürfen. Hoffen also auf den Hoffnungslauf. Eine schwache Ausbeute für das teuerste Team der Liga, das wohl ein viertes Jahr im Unterhaus bleiben wird. Was in der Kritik an der schwachen Rückrunde jedoch unterging, ist die Verjüngung im Kader – für die Hrubesch steht, der gut mit Thioune zusammengearbeitet hat: Ambrosius und Vagnoman sind Stammspieler aus dem eigenen Nachwuchs, auch Meißner, David, Heil und Kwarteng haben es in den Profikader geschafft. Ein Umstand, der es Hrubesch leichtmachte, die Mannschaft sofort zu verstehen: „Viele Spieler kenne ich aus alten Zeiten“, sagt er, „wir haben Durchlässigkeit nachgewiesen und werden das in Zukunft noch mehr tun.“

          Daniel Thioune hatte sich derweil in einem NDR-Interview Ende der Woche eingeschaltet und sein knappes Jahr beim HSV besonnen bewertet. Gern hätte er mehr Zeit bekommen und im zweiten Anlauf versucht aufzusteigen. Den Vorwurf der „fehlenden Führung“, den Vorstand Jonas Boldt vorgebracht hatte, nahm Thioune hin ohne nachzukarten. Er sehe sich keineswegs als gescheitert an, sondern betrachte die vergangenen Monate als unerfüllte Mission: „Vielleicht habe ich dem HSV ein Maß an Demut, Zurückhaltung und respektvollen Umgang mitgegeben, das ich Tag für Tag vorgelebt habe.“ Er hätte sich mehr Toleranz bei Rückschlägen gewünscht. Und tatsächlich muss sich Boldt die Frage gefallen lassen, ob die Schlüsse nach dem 1:1 gegen den Karlsruher SC nicht übereilt gezogen worden sind.

          Dass ein Trainer in Hamburg mal eine zweite Chance bekommt, sprich, eine nächste Saison vorbereiten darf, ist zur Rarität verkommen – und wenn die grundsätzliche Überzeugung doch groß war, mit Thioune den richtigen Mann als Entwickler gefunden zu haben, wäre es klug gewesen, selbst als Tabellenvierter oder -fünfter der zweiten Liga an ihm festzuhalten.

          So geht es neben der Hoffnung, dass Hrubesch den Schaden repariert, nun um den neuen, den nächsten Mann im Volkspark, der womöglich Steffen Baumgart heißt. Worum es in den zuletzt zwar wechselnden, aber verlässlich nachlassenden HSV-Mannschaften aber zukünftig gehen wird, um dann doch irgendwann mal aufzusteigen, formulierte Horst Hrubesch in der bekannten Art: „Wir brauchen ein Miteinander – der eine für den anderen. Wir brauchen mehr Leben, mehr Kommunikation.“ Man könnte auch sagen: das scheinbar Einfache ist bei diesem Verein das Schwierige.

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