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Trainer Horst Hrubesch : Die letzte Hoffnung des HSV

  • -Aktualisiert am

Volle Konzentration auf das gemeinsame Ziel: Horst Hrubesch Bild: dpa

Mehr als ein Gute-Laune-Onkel beim in dieser Saison wieder schwächelnden Zweitligaverein: Wie die HSV-Legende Horst Hrubesch den Klub doch noch zurück in die Bundesliga führen will.

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          Verabredungen mit Horst Hrubesch sind denkbar unprätentiös. Als er noch in der östlichen Lüneburger Heide wohnte, schlug er einmal das Bahnhofscafé Uelzen als praktischen Treffpunkt vor. Seit dem Umzug nach Schleswig-Holstein diente ein Bäcker im Supermarkt als Ort für Gespräche. Man muss jetzt nicht mehr nach Boostedt nahe Neumünster fahren, um Hrubesch zu treffen. Er gibt nun im Volksparkstadion Auskunft, als Cheftrainer des Hamburger SV.

          2. Bundesliga

          Schon wieder leiden die Fans des HSV. Diesmal nicht nur daran, dass die Mannschaft den Aufstieg wieder verspielen könnte. Sondern auch daran, dass Hrubesch nur längstens bis zum 29. Mai erster Übungsleiter bleibt. Dann findet das Relegationsrückspiel gegen den Drittletzten der Bundesliga statt.

          Ein Monat Hrubesch also, maximal, dabei hat er schon nach knapp zwei Wochen die Herzen der Hamburger im Sturm erobert. Warum nicht früher, warum nicht länger? HSV-Vorstand Jonas Boldt entschied erst nach dem kümmerlichen 1:1 gegen den Karlsruher SC am 29. April, Trainer Daniel Thioune zu entlassen und mit Nachwuchschef Hrubesch in die letzten drei bis fünf Spiele zu gehen.

          Hrubesch hat den HSV gelassen und lebenserfahren wachgeküsst. Eine Trainingswoche mit guter Laune und viel Spaß, ein 5:2 gegen den 1. FC Nürnberg, und schon scheint der Aufstieg via Relegation wieder möglich. Dass bei einem traditionsverbundenen Klub wie dem HSV nun einer der nach Uwe Seeler größten Söhne erfolgreich Verantwortung übernimmt, verzückt Fans und Fußballöffentlichkeit.

          Niemand hat sich um ihn bemüht

          Dabei hätte der HSV seinen Horst schon viel früher wiederhaben können. Oft genug war er für die eine oder andere Position im Gespräch. Aber kein Verantwortlicher habe sich in den vergangenen Jahrzehnten wirklich ernsthaft um ihn bemüht, sagt Hrubesch. Boldt tat es vor einem Jahr.

          Nicht das erste Mal arbeitet Hrubesch nun in einer Funktion, für die das Wort „Interimstrainer“ verwendet wird. Nach dem EM-Titel mit der deutschen U 19 im Jahr 2008 sorgte Hrubesch für Aufsehen, als er die U 21 von Dieter Eilts übernahm und auch mit ihr Europameister wurde. Neuer, Khedira, Özil, Hummels und Boateng: Die Saat der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien legte Hrubesch in Schweden. Zwei Jahre später führte er die Olympiaauswahl ohne Vorbereitung zur Silbermedaille. Auch Übergangs-Sportdirektor beim DFB war Hrubesch schon, und er trainierte 2018 für acht Monate die Frauen-Nationalmannschaft. Und immer gehörte Geschlossenheit zu den obersten Tugenden seiner Teams.

          Was dem heute 70-Jährigen das Zusammensein mit den erheblich Jüngeren vereinfacht, ist seine Wissbegierde. Wenn er schon die allseits respektierte Vaterfigur war, wollte er von seinen Töchtern und Söhnen auch etwas erfahren: „Ich habe mir dann Sachen wie diese Apps auf dem Smartphone erklären lassen.“

          Der zähe Mittelstürmer von einst geht mit der Zeit. Keineswegs ist er beim HSV nur Gute-Laune-Onkel und Stimmungsaufheller. „Wir versuchen, Lockerheit reinzukriegen, aber wir haben den Jungs auch taktische Dinge mit auf den Weg gegeben“, sagt Hrubesch. Am vergangenen Montag gegen Nürnberg dirigierte er gut hörbar, korrigierte Lauf- und Anlaufwege. Die gekrönte U 21 des Jahres 2009 ließ er bis zum Finale ohne gelernten Mittelstürmer spielen, weil er keinen geeigneten fand.

          Nun sorgt er selbst für den Nachschub und verhalf dem zentralen Angreifer Robin Meißner gegen Nürnberg zu seinem Startelfdebüt – einem Spieler, den Hrubesch selbst aus der Hamburger U 21 kennt. Dort versteht sich Teamarbeiter Hrubesch als oberster Ausbilder, als Entwickler, der dem verschuldeten HSV einen steten Zustrom an Talenten garantiert. Das hat mit sechs Spielern aus dem eigenen Nachwuchs im Profikader schon gut funktioniert. Vielleicht profitiert sein Nachfolger davon. Denn länger als diese vier Wochen, an diesem Sonntag trifft der HSV auswärts auf Osnabrück (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Liga sowie bei Sky), will Hrubesch nicht im Rampenlicht stehen.

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