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Horst Heldt im Interview : „Den FC Bayern können wir nicht kopieren“

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„Natürlich will man immer das Maximum erreichen” Bild: dpa

Manager Horst Heldt spricht im F.A.Z.-Interview über Sympathie-Fußball der Marke VfB Stuttgart und über schwäbische Wirtschaftsstärke. Sein Ziel für die Saison: „Mit Kombinationsfußball eine eigene Nische finden.“

          7 Min.

          Manager Horst Heldt spricht im Interview mit der F.A.Z. über Sympathie-Fußball der Marke VfB Stuttgart und über schwäbische Wirtschaftsstärke. An diesem Freitag beginnt für den deutschen Meister mit dem Spiel gegen Schalke 04 die neue Spielzeit (20.30 Uhr im FAZ.NET-Liveticker). Heldts Saison-Ziel: „Mit fließenden Kombinationsfußball eine eigene Nische finden.“

          Können Sie sich als Teammanager nach den Erfahrungen des letzten Spieljahrs wirklich auf das erste Spiel freuen? Schließlich verlor der VfB Stuttgart 2006 zum Saisonauftakt daheim 0:3 gegen den 1. FC Nürnberg und zu Beginn der Rückrunde 1:4 beim „Club“.

          Vielleicht sollte ich das als gutes Omen betrachten, denn immerhin sind wir ja trotzdem deutscher Meister geworden. Ich bin aber nicht abergläubisch und deshalb zuversichtlich, dass wir diesmal die Premiere gegen Schalke 04 siegreich überstehen. Trotzdem möchte ich anmerken, dass mir die Strategie bei der Ansetzung des ersten Spieltages nicht ganz verständlich ist. Dass wir als Vorjahrserster sogleich gegen den Zweiten Schalke antreten müssen, dahinter stecken sicher Marketingaspekte. Dafür habe ich zwar ein gewisses Verständnis, aber ich sehe die Liga und ihren Spannungsbogen wie ein Theaterstück. Bei einem solchen Saisonbeginn jedenfalls stimmen Aufbau und Dramaturgie aus meiner Sicht nicht ganz.

          „Ich kann doch jetzt nicht sagen, was im Mai 2008, wenn Meisterschaft und Abstieg entschieden werden, sein wird”

          Der VfB Stuttgart ist dank eines überragenden Endspurts vor zwölf Wochen deutscher Fußballmeister geworden. Trotzdem treten Sie nicht mit neuen Titelansprüchen oder konkreten Platzvorgaben an. Warum diese Bescheidenheit?

          Es hat sich bei uns so eingebürgert, dass jeder vor dem Rundenbeginn ein bestimmtes Saisonziel artikuliert. Ich halte diese Bestimmtheit für typisch deutsch. Ich kann doch jetzt nicht sagen, was im Mai 2008, wenn Meisterschaft und Abstieg entschieden werden, sein wird. Wenn das jemand genau vorhersagen könnte, hätte er ja schon gewonnen. Es gibt Verletzungen, Krankheiten, Formschwächen und andere Unwägbarkeiten. Woran man arbeiten und was man sich zum Ziel setzen kann, sind die Attribute des Auftritts. Also, wie man Fußball spielen, wie man sich darstellen will. Natürlich kann man sagen - und wir können damit gut leben -, der für viel Geld qualitativ verstärkte FC Bayern wird wohl Meister. Bei allem Hype um die Münchner glaube ich trotzdem, dass der Titelgewinn für sie kein Selbstläufer wird. Nach ihnen kommen dann eine Reihe von Mannschaften, die eine vergleichbare Klasse besitzen - ob wir das sind, die Schalker, die Bremer, die Dortmunder, die Hamburger oder die Leverkusener. Sie alle wollen unter die ersten drei. Natürlich will man immer das Maximum erreichen, aber das kann man doch nicht wie von selbst gewährleisten.

          Wenn schon das Ergebnis aller Bemühungen tabellarisch noch nicht absehbar ist, wie soll dann das Markenzeichen VfB im Wettstreit der besten deutschen Mannschaften glänzen?

          Unser Ziel sollte es sein, dass es in Deutschland oder Europa sofort „klick“ macht, wenn man vom VfB Stuttgart spricht. Wir wollen unseren eigenen Weg finden und uns immer realistisch einschätzen. Also: Den FC Bayern wollen und können wir nicht kopieren. Wir möchten mit unserem fließenden Kombinationsfußball eine eigene Nische finden, die Sympathien weckt.

          Sie und Trainer Armin Veh haben auf der Suche nach einem eigenen unverwechselbaren Platz oft das Vorbild Werder Bremen erwähnt, und Sie und Ihr Partner werden häufig mit dem Bremer Erfolgsduo Allofs/Schaaf verglichen. Was imponiert Ihnen an den Norddeutschen?

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