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Hopp und Hoffenheim : Die Macht des guten Geldes

2008 stieg Hoffenheim in die Bundesliga auf - die Emanzipation von Dietmar Hopp wird noch ein bisschen dauern beim Klub aus dem Kraichgau Bild: dpa

Hopp und Hoffenheim könnten gegen die „50 plus 1“-Regel verstoßen haben, die verhindern soll, dass ein Mann allein zu mächtig wird. Formal wird die Rolle des Mäzens nun auch von der DFL überprüft, größeren Druck aber gibt es nicht. Das dürfte nicht zuletzt an Hopp selbst liegen.

          Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wacht über die Statuten des Profifußballs. Sie macht das gewissenhaft, getreu den Buchstaben ihrer Satzung. Nach dem Wechsel von Luiz Gustavo von Hoffenheim zum FC Bayern, der Trainer Ralf Rangnick dazu bewog, seinen Posten zu räumen, wird die DFL aktiv. „Die DFL steht in dieser Angelegenheit in Kontakt mit der Geschäftsführung von 1899 Hoffenheim. Die Geschäftsführung hat uns zugesagt, den Ablauf des Transfers entsprechend zu dokumentieren“, teilte der Verband mit.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Verdacht liegt auf der Hand: Dietmar Hopp, der rund 99 Prozent des Stammkapitals des Klubs hält, aber satzungsgemäß nur 49 Prozent des Stimmrechts, hat als Investor die Fäden gezogen. Hopp und Hoffenheim könnten gegen die „50 plus 1“-Regel verstoßen haben, jene Sperrregelung, die verhindern soll, dass auch deutsche Profiklubs, die längst in Kapitalgesellschaften umgewandelt sind, einem russischen Oligarchen (FC Chelsea), einem arabischen Scheich (Manchester City) einem anglo-amerikanischen Finanzinvestor (FC Liverpool, Manchester United) oder einem unberechenbaren Sponsor oder allmächtigen Mäzen in die Hände fallen.

          Die DFL rechnet nicht damit, dass Hoffenheim eine juristische Schlampigkeit unterlaufen ist. Ein Verstoß gegen die Satzung werde sich kaum nachweisen lassen. Aber die DFL studiert nicht nur die Satzung, sie liest auch Zeitung. Und dass in diesem Hoffenheimer Fall eindeutig gegen den Geist der Regel verstoßen worden ist, dass sagt man in der Frankfurter Zentrale natürlich auch, nur nicht laut.

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          „Hopp tut das, was der DFB gerne machen würde“

          Dass nicht größerer Druck im Fall Hoffenheim ausgeübt wird, dürfte nicht zuletzt an der Person Hopp liegen. Selbst der größte Kritiker des Modells Hoffenheim, der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der den Einfluss von Investoren auf das operative Geschäft eines Vereins verhindert wissen will, äußert sich zum bisher offensichtlichsten Fall der direkten Einflusseinnahme nicht.

          Denn der SAP-Gründer und Milliardär Hopp gilt als Vorzeigeunternehmer, als Förderer der Region und des Fußballs wie aus dem Mäzenaten-Bilderbuch. DFB-Präsident Theo Zwanziger hat Hopps Engagement schon früh geadelt: „Hopp tut mit seinem redlich verdienten Geld in seiner Region das, was der DFB deutschlandweit auch gerne tun würde.“ Hopps Geld, so die Diktion in höchsten deutschen Fußballkreisen, ist gutes Geld.

          Die „Bild“-Zeitung hat nun dokumentiert, wie Hopp (stets in Begleitung eines Vereinsvertreters) den Transfer gegen den Willen und ohne Wissen Rangnicks steuerte und durchgezogen hat – und dann auch die Trennung vom Trainer betrieb.

          19. Dezember: Hopp und Manager Tanner verhandeln mit Rummenigge und Nerlinger über einen Transfer von Gustavo. Rangnick weiß nichts davon.

          20. Dezember: Hopp und Tanner informieren Rangnick über das Interesse der Bayern, aber nicht über das Treffen.

          21. Dezember: Manager Tanner legt dem Trainer einen Brief vor. Darin wird Gustavo erklärt, dass er nicht im Winter zu Bayern gehen darf. Neben Hopp und Tanner unterschreibt auch Rangnick das Papier. Gustavo bittet Hopp danach trotzdem um die Freigabe.

          22. Dezember: Rangnick erfährt vom Treffen zwischen Hopp und Bayern.

          23. Dezember: Rangnick schickt Hopp eine E-Mail nach Florida und beschwert sich, dass er nicht früher über das Treffen informiert wurde. „Das war richtig heftig. Extrem heftig“, sagt Hopp in der „Rhein-Neckar-Zeitung“.

          27. Dezember: Hopp rechtfertigt in einer Mail aus Amerika an Rangnick sein Vorgehen in Sachen Gustavo.

          30. Dezember: Hopp schreibt Rangnick eine weitere Mail. „Ich habe ihm mitgeteilt, dass es besser ist, sich zu trennen.“ Hinzugefügt wird, dass sich Hopp zuvor mit Vereinspräsident Peter Hofmann auf eine Trennung von Rangnick verständigt habe.

          Hopp hat stets betont, die Regularien einzuhalten. Einen Fall wie nun mit Rangnick hat er gleichwohl für ausgeschlossen gehalten. So antwortete er im Vorjahr auf die Frage, ob er die „50 plus 1“-Regel in Hoffenheim umgehe: „Das zu behaupten, dazu gehört schon viel Phantasie. Ich habe nun einmal nur 49 Prozent an unserer Spielbetriebs-GmbH und der Verein 51.“

          „Warum soll einer gegen mich stimmen?“

          Auf den Einwand, dass sich in den Gremien wohl niemand gegen ihn stellen werde, entgegnete Hopp: „Das ist ja auch in Ordnung. Wir ziehen an einem Strang. Und warum soll einer gegen mich stimmen? Was habe ich dem Verein getan, außer ihn zu unterstützen? Und wenn das, was ich tue, einmal unvernünftig würde, dann wird man auch gegen mich stimmen, da bin ich sicher.“

          Ob Manager Tanner und Präsident Hofmann versucht haben, Hopp von seinen Verkaufsabsichten und der Geheimniskrämerei gegenüber dem Trainer abzuhalten? Rangnick jedenfalls war mit dem Verhalten des Mäzens nicht einverstanden. Hopp legte ihm die Trennung nahe. Wie anders als im Fall Gustavo/Rangnick muss man sich direkte Einflussnahme eigentlich vorstellen?

          „Der Klub hat eine sehr gute Chance“

          Formal wird Hopps Rolle von der DFL überprüft, in der Sache hat er mit dem Verkauf Gustavos gute Argumente auf seiner Seite. Eine finanziell solide Vereinsführung mit dem Ziel einer schwarzen Null würde den Klub stärken – und könnte ihn auf Dauer auch unabhängiger von seinem auch operativ umtriebigen Mäzen machen.

          „Der Klub hat eine sehr gute Chance, sich als feste Größe zu etablieren. Mittelfristig muss er sich aber von seinem Finanzier Dietmar Hopp abnabeln“, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß schon vor knapp zwei Jahren. Mit der Hoffenheimer Emanzipation von Dietmar Hopp, das hat das neue Jahr schon eindrucksvoll gezeigt, wird es noch ein bisschen dauern.

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