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Neuer Präsident beim HSV : Kein „Weiter so“ in Hamburg

  • -Aktualisiert am
Seit 2015 bekleidete Jens Meier das Amt als Präsident des Hamburger Sportvereins.

Am Samstag hatte es einen Vorgeschmack darauf gegeben, was im Falle des Abstiegs passieren könnte. Als die HSV-Profis sich warm liefen, hing ein Plakat mit der Aufschrift „Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt“ auf der Nordtribüne. Und als das Spiel vorbei war, hatten einige Fans versucht, den Platz zu stürmen. Ordner und die Hundestaffel der Polizei hielten sie zurück. Besonders das Plakat hatte Trainer Bernd Hollerbach schockiert. „So etwas gehört nicht ins Stadion, davon distanziere ich mich“, sagte er

Hollerbach hatte insgesamt eine große Verunsicherung in seiner Mannschaft gespürt, zum ersten Mal im vierten Spiel unter ihm: „Die Situation geht nicht spurlos an ihnen vorbei.“ Das war besonders Gideon Jung und Fiete Arp anzumerken. Jung verweigerte jeden Ball und jeden Weg nach vorn, um bloß nichts falsch zu machen. Arp trat früh bei einer ordentlichen Torchance neben den Ball und erholte sich von diesem Missgeschick nicht mehr. Hadernd und sichtlich unzufrieden wurde das HSV-Juwel in der 54. Minute gegen Bobby Wood ausgewechselt. „Wir waren nicht zielstrebig, viel zu gehemmt, haben uns nichts getraut und schlampig gespielt“, rügte der Trainer, der ankündigte, mit den Führungsspielern über diese fatale erste Stunde sprechen zu wollen. Als der HSV sich endlich aufraffte, in den Heimspiel-Modus zu schalten und wenigstens zu kämpfen, stand es schon 2:0 für Bayer – Leon Bailey in der 40. Minute und Kai Havertz zehn Minuten später hatten getroffen. André Hahn gelang in der 70. Minute nach feinem Pass Wallac’ noch das 1:2, und der formverbesserte Wood war kurz vor Schluss nicht weit vom Ausgleich entfernt. Die Schlussphase versöhnte die Fans jedoch nicht, was durchaus verständlich ist, wenn bei einer Mannschaft der Effekt eines Trainerwechsels schon wieder verpufft ist und der letzte Heimsieg vom November datiert. Der HSV hat jetzt seit zehn Spielen nicht gewonnen.

Der erste Abstieg aus der Bundesliga rückt näher, und Hollerbach tut nicht so, als habe er die Aufgabe unterschätzt: „Ich wusste doch, worauf ich mich einlasse, dass diese Mission richtig schwer wird.“ Doch trotz dieser Worte wirkte auch der neue Trainer diesmal angeschlagen, enttäuscht und unzufrieden. Eine gute Trainingswoche hatte er gesehen, und dann begann sein Team so fahrig, so zweikampfschwach und voller Fehler wie Douglas Santos bei Baileys Tor – die Macht des Coaches ist begrenzt, das haben schon ganz andere als Hollerbach in Hamburg und darüber hinaus erfahren müssen.

Es ist im Grunde gleichgültig, wer die nächsten Gegner sind, doch der Spielplan hält nun die direkte Konkurrenz bereit. In Bremen und gegen Mainz: Am Samstag in zwei Wochen um 17.20 Uhr kann der HSV im schlechtesten Falle schon so gut wie abgestiegen sein, in der besten Variante schnuppert er wieder am Relegationsrang 16. In der vergangenen Saison zeichnete es diese Mannschaft aus, große Drucksituationen auszuhalten und zu Hause verlässlich Siege einzufahren. Solche Kraftakte sind nicht ewig wiederholbar, und schon gegen Leverkusen war dieses „Gewinnen-Müssen“ eine schwere Last. Und bevor die vermeintlichen Fans solche Plakate wie am Samstag aufhängen, sollten sie zumindest kurz darüber nachdenken, ob sie damit wirklich eine Leistungssteigerung bewirken können. Die Antwort gibt sich von selbst.

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