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Hoffenheims Luiz Gustavo : Nächster Halt: Säbener Straße

  • -Aktualisiert am

Blick nach München? Hoffenheims Luiz Gustavo ist heiß umworben Bild: dpa

Der Weg des Hoffenheimer Brasilianers Luiz Gustavo wird mit höchster Wahrscheinlichkeit nach München führen. Die Bayern haben bereits ihr Interesse kundgetan. Die TSG pokert noch um die Ablöse.

          Am deutlichsten wurde der Umworbene selbst. Luiz Gustavo, sonst einer der Schweigsamen in der Fußball-Bundesliga, machte gleich nach dem 2:0-Erfolg der TSG 1899 Hoffenheim über den Ligaletzten Borussia Mönchengladbach im Achtelfinale des DFB-Pokals deutlich, dass sein nächstes persönliches Ziel München sei. Die Reise des 23 Jahre alten Brasilianers soll möglichst umgehend Richtung Säbener Straße, also zum FC Bayern führen. „Ich würde schon jetzt gehen“, sagte der im Vorjahr noch rustikale, inzwischen aber elegante Abräumer der Badener, „aber ich kann das nicht allein entscheiden. Ich muss nur glücklich sein und meine Arbeit weitermachen.“

          Dreieinhalb Jahre rackert der 2007 aus der zweiten brasilianischen Liga zunächst für eine Leihgebühr von 475.000 Euro gekommene, später für eine Ablöse von einer Million Euro von den Corinthians Alagoano fest verpflichtete Schaffer schon für Hoffenheim, nun zeichnet sich das Ende einer für beide Seiten ersprießlichen Liaison ab. Typisch für den sportlichen Wert von Luiz Gustavo, im vorigen Spieljahr noch mit zwei Gelb-Roten und elf Gelben Karten der Kartenkönig der Liga, dass er am Dienstag auch noch das Jahresabschlussspiel unbedingt bestreiten wollte – trotz einer leichten Leistenzerrung, die er sich am Samstag beim 2:2 in Wolfsburg zugezogen hatte. Gustavo bestand morgens einen Leistungstest und stand abends selbstlos wie immer auf dem Platz, um seinem Team zum vierten Mal in der Hoffenheimer Vereinsgeschichte beim Sprung ins Pokalviertelfinale behilflich zu sein. „Seine Zuverlässigkeit“, hob Trainer Ralf Rangnick hervor, „ist seine herausragende Qualität.“

          Die Bayern haben ihr Interesse an einer Verpflichtung des schnellen Umschaltspielers, der in dieser Saison mit erst vier Gelben Karten belastet ist, mündlich bekundet. Doch verhandelt worden ist noch nichts, so dass Rangnick nach dem locker herausgespielten Pokalerfolg durch die Tore von Sigurdsson (35. Minute) und Ba (63.) wie ein Berufspolitiker feststellte: „Es sind bis jetzt überhaupt noch keine Vorschläge und Noten ausgetauscht worden.“

          Der Abräumer: Luiz Gustavo

          Erst im Sommer oder doch schon im Winter

          Ganz so förmlich wird es nicht zugehen bei den handfesten Verkaufsgesprächen, die demnächst zwischen den beiden Klubs anstehen dürften. Die Herren Rummenigge (Vorstandschef) und Nerlinger (Manager) vom FC Bayern, die Herren Hopp (Mäzen) und Tanner (Sportdirektor) auf Seiten von 1899 Hoffenheim sowie Gustavos Berater Wittmann haben sich schon am vergangenen Freitag zu einem ersten Sondierungsgespräch am Münchner Flughafen getroffen. Seitdem geht Dietmar Hopp, ohne den Hoffenheim noch ein kleiner Amateurverein wäre, „zu 99 Prozent davon aus, dass uns Luiz Gustavo im Sommer verlassen wird“.

          Oder doch schon im Winter? Offiziell wollen sich die Kluboberen nach einer internen Verabredung zwischen Hopp, Rangnick und Tanner noch ein wenig Zeit mit diesem Königstransfer lassen. Rangnick gab sich am Dienstag standfest. „Wir können nicht einen unserer wertvollsten, besten und konstantesten Spieler abgeben, wenn wir (als derzeitiger Tabellenachter) noch solche Möglichkeiten in der Liga (und im Pokalwettbewerb) haben. Das wäre ein schlechtes Zeichen an die Fans und die Mannschaft.“

          Der Lehrling ist zum Meister geworden

          Gesagt, getan? Vorsichtig, denn Rangnick sagte auch: „Diese Personalie hat ja sicher auch etwas mit der Zukunft von Mark van Bommel zu tun.“ Der ist noch immer Kapitän der Münchner Meistermannschaft, wird aber wohl keine Verlängerung seines Vertrages über den 30. Juni 2011 hinaus angeboten bekommen. Da der mit hundertprozentiger Unterstützung des VW-Konzerns großzügig kalkulierende Ligakonkurrent VfL Wolfsburg schon mal die Fühler nach dem 33 Jahre alten Holländer ausgestreckt hat und momentan in Abstiegsnot ist, könnte der Münchner Vorkämpfer vielleicht schon im Januar zu einem Wolfsburger Haudegen werden.

          Dann wäre die Bahn wohl frei für den zehn Jahre jüngeren Luiz Gustavo, den die Bayern bei ihrer Aufholjagd in der Bundesliga und auf ihrer Europatour durch die Champions League gern dabei hätten. Ob sich Hoffenheim dann indes mit den 15 Millionen Euro, die als Entschädigung für einen Transfer des Brasilianers kolportiert werden, begnügte? Den Verkaufswert des zurzeit noch bis 2014 an die Kraichgauer gebundenen Gustavo schätzen Insider auf 20 Millionen. „Natürlich“, sagt Rangnick für den Fall des Falles, „geht es dann auch darum, möglichst viel Geld zu generieren.“

          Wehren werden sich die Hoffenheimer letztlich nicht gegen einen Weggang ihres besten Profis. Rangnick, der noch vor einer Woche erste Transfergerüchte um Luiz Gustavo als „Blödsinn“ bezeichnet hatte, konstatiert heute: „Wenn die Bayern ihn haben wollen, ist das eine Auszeichnung für Luiz und das, was er bei uns in den letzten drei Jahren geschafft hat. Es ist ein Grund, sich zu freuen und mit noch breiterer Brust zu spielen, als er das bis jetzt schon gemacht hat.“ 1899 Hoffenheim, sagt Manager Ernst Tanner, „definiert sich auch darüber, ein Ausbildungsverein zu sein“. Darin ist aus dem Lehrling Luiz Gustavo ein junger Meister geworden – den hohen Preis dafür werden andere zahlen, in diesem Fall der Meister aller Fußballmeister in Deutschland.

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