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TSG Hoffenheim : Schmutzige Wäsche zum Abschied

  • -Aktualisiert am

Blick zurück im Zorn: Rangnick hört freiwillig auf Bild: dpa

Dubioses Rätsel: Hat Ralf Rangnick bei der TSG Hoffenheim die Reißleine gezogen. Oder hat doch Mäzen Hopp die Liaison beendet? Ob der bisherige Assistent Marco Pezzaiuoli eine langfristige Lösung sein kann, ist ungewiss.

          Was wie ein launiger Rückblick auf eine schöne gemeinsame Zeit mit allerlei bunten Geschichten begann, wurde schnell zur peinlichen Aufarbeitung einer Trennung, die kaum noch als harmonisch durchgehen kann. Als 1899 Hoffenheim am Sonntagmorgen im Trainingszentrum in Zuzenhausen nach viereinhalb Jahren die Vertragsauflösung mit Cheftrainer Ralf Rangnick bestätigte, der scheidende Coach wehmütig an den rasanten Aufstieg innerhalb von zwei Jahren aus der Regionalliga bis in die Bundesliga erinnert hatte und mit dem bisherigen Assistenten Marco Pezzaiuoli der Nachfolger feststand, entglitt dem badischen Klub die Pressekonferenz.

          Von Harmonie konnte keine Rede mehr sein. Verlegen und kleinlaut mussten Manager Ernst Tanner, Präsident Peter Hofmann und Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus eingestehen, ihren bisherigen Cheftrainer gemeinsam mit Dietmar Hopp, dem mächtigen Gesellschafter im Hintergrund, quasi weg gemobbt zu haben, indem sie hinter dessen Rücken mit Luiz Gustavo den „besten Spieler“ (Rangnick) für 15 Millionen Euro an Bayern München verkauften.

          „Es ist ein einmaliger Vorgang im Profifußball, dass der beste Spieler ohne Informationsfluss zum Trainer verkauft wird“, sagte Rangnick, „das war das letzte Signal, dass man hier einen Trainer wie mich nicht mehr braucht.“ Deutlich wird das ganze Ausmaß des fragwürdigen Gebarens am Beispiel des Anrufes von David Alabas Berater bei Rangnick am Neujahrstag, als der sich nach einem Kurzurlaub auf der Heimreise befand. Jeannot Werth überraschte den Coach mit der Vollzugsmeldung des Transfers des brasilianischen Mittelfeldspielers Luiz Gustavo und gleichzeitigen dem Ausleihgeschäft seines Klienten, dem 18 Jahre alten Nachwuchstalent von Bayern München. „Ich habe geschluckt, ich war nicht eingeweiht“, sagte Rangnick. Mehr noch: In einem Sechs-Augengespräch hätten Hopp, Tanner und Rangnick zuvor festgelegt, Gustavo frühestens im kommenden Sommer ziehen zu lassen. Rangnick habe einen früheren Verkauf als „fatales Signal“ bezeichnet.

          Klare Worte zum Abgang: Ralf Rangnicks Abschied in Hoffenheim

          Die Hintergründe der Trennung wurden freilich im Verlauf des Sonntags immer dubioser. Mäzen Dietmar Hopp sagte der Heidelberger „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Montagausgabe), er habe Rangnick bereits am 30. Dezember mitgeteilt, dass es am besten sei, wenn sich die Wege zwischen Coach und Verein trennen würden. Ausschlaggebend sei eine E-Mail Rangnicks vom 23. Dezember gewesen, in der sich der 52-Jährige laut Hopp im Ton vergriffen habe. „Das war richtig heftig. Extrem heftig. Unter anderem hat der Trainer mit seinem Rücktritt gedroht“, sagte Hopp. Zusammen mit dem Vorsitzenden und Hauptgesellschafter Peter Hofmann habe er daher noch vor dem Jahreswechsel die Trennung von Rangnick beschlossen. „Deshalb gab es auch keinen Grund mehr, Rangnick vom Gustavo-Transfer zu unterrichten“, sagte Hopp.

          Hinter Rangnicks Rücken

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