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Hoffenheim-Mäzen Hopp : „Microsoft oder Google würde es mit dieser Denke nie geben“

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Der Mäzen mit seinen Kickern: „Vadder” Hopp ist der Schlüssel zum Hoffenheimer Erfolg Bild: dpa

Er ist vermutlich einer der freundlichsten Milliardäre des Landes. Und doch hat der 68 Jahre alte Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp gerade keine allzu gute Presse. Der Vater des Bundesliga Aufstiegs spricht über Neid, Klischees und Heimat.

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          Er ist vermutlich einer der freundlichsten Milliardäre des Landes. Wer mit ihm zu tun hat, ist angetan von seiner bodenständigen Art. Kontaktscheue kennt Dietmar Hopp nicht. Und doch hat der 68 Jahre alte SAP-Gründer, laut Forbes 6,3 Milliarden Euro schwer, gerade keine allzu gute Presse. Zwar ist 1899 Hoffenheim, dessen Mäzen Hopp ist, am vergangenen Sonntag in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Doch der Geldgeber wird für sein 100-Millionen-Euro-Engagement bisweilen angefeindet.


          Herr Hopp, Sie haben vergangenen Mittwoch sicher das Champions-League-Finale zwischen dem Traditionsverein Manchester United und Abramowitschs Retortenklub FC Chelsea gesehen. Wem haben Sie die Daumen gedrückt?

          Ich habe es leider nicht gesehen, weil ich auf einem Geburtstag war. Aber ich sage Ihnen gleich: Ich mag diese Klischees nicht, die in der Frage mitschwingen. Ich hätte mich sehr für Chelsea gefreut. Das hat aber nichts mit irgendwelchen Sympathien für Abramowitsch zu tun, sondern einzig und allein mit Michael Ballack. Dem hätte ich es ehrlich gegönnt.

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          Will man der öffentlichen Meinung glauben, sind Sie die bundesdeutsche Antwort auf Abramowitsch. Sind Sie ihm jemals persönlich begegnet?

          Nie. Ich habe nur gehört, dass er für die Menschen in seiner Heimat sehr viel tut. Das finde ich sehr gut. Ansonsten distanziere ich mich von diesen Vergleichen. Den kann man schon deshalb nicht mit mir vergleichen, weil seine finanziellen Möglichkeiten die meinen um ein Vielfaches übersteigen - um mindestens zehn in der Potenz. Aber viel wichtiger: Ich habe eine Mannschaft von Grund auf entwickelt. Und ich höre auch nicht von Abramowitsch, dass er sich die Jugendspiele seines Klubs ansieht. Die ewigen Vergleiche sind nur das Ergebnis einer unsinnigen Neiddebatte. Viele von denen, die mich heute kritisieren, wären doch froh, wenn ich sie unterstützen würde.

          Helfen Sie uns auf die Sprünge: Ihre Neider wollen Ihnen Ihr regional verankertes Gutmenschentum nicht abnehmen.

          Mache ich es aus Gutmenschentum? Mein Ego ist sicher nicht mein Hauptantrieb. Ich bin weder ein eitler Mensch, noch will ich mich in den Vordergrund spielen. Aber natürlich gerät man durch Erfolge bei der SAP oder im Fußball in den Vordergrund. Ich würde gern darauf verzichten und habe mich schon gefragt, warum ich es nicht wie die Aldi-Brüder mache und ganz auf Interviews oder öffentliche Auftritte verzichte.

          Was treibt Sie denn?

          Ich will den Verein schnellstmöglich in die schwarzen Zahlen führen. Ich bin 68 Jahre alt und will keine Schulden hinterlassen. Unsere Planungsberechnungen zeigen, dass wir im zweiten Jahr der ersten Bundesliga schwarze Zahlen schreiben werden. Mit der neuen "Rhein-Neckar-Arena" und einer achtzigprozentigen Auslastung. Dann muss es zu Ende sein. Dann ist es nicht mehr das Geld von Dietmar Hopp, das war lediglich die Anschubfinanzierung. Wir werden belächelt als Dorfverein, das sind wir natürlich nicht. Wir haben ein Einzugsgebiet von 2,4 Millionen Menschen.

          So viel Selbstbewusstsein hört man selten von einem Aufsteiger: Kaum in der Bundesliga angekommen, sprechen Sie schon vom zweiten Jahr?

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