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Hoffenheim-Mäzen Hopp : „Microsoft oder Google würde es mit dieser Denke nie geben“

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Wenn wir das nicht tun würden, bräuchten wir gar nicht zu planen. Natürlich ziehen wir auch den Negativfall ins Kalkül, aber sich zu sehr darauf zu fokussieren wäre kontraproduktiv. Wir haben auch bei der SAP nie über den Abstieg nachgedacht. Im Geschäftsleben war ich immer ein Stürmer.

Kommen wir noch auf die Anfeindungen zurück: Sind Sie in Ihrem Geschäftsleben jemals so persönlich angegriffen worden wie jetzt in den Stadien im Zusammenhang mit Hoffenheims Aufstieg?

In der Geschäftswelt bin ich nie so beschimpft worden. Man muss wissen, woher es kommt. Die Leute in der Kurve, die mich mit widerlichsten Sprüchen beschimpfen, die würden mein Geld ja gerne haben. Man muss einfach kapieren: Vereine sind Unternehmen geworden, und das hat den Vereinen sehr gut getan. Manche leiden noch unter dem Geschäftsgebaren der Vergangenheit, aber die meisten schreiben schwarze Zahlen. Ich kann auch mit dem sogenannten Traditionsbegriff nichts anfangen. Viele träumen noch von Fritz Walter, der für 150 Eintrittskarten gespielt hat.

Sie meinen nicht zufällig den Mainzer Manager Heidel, der sagte: „Schade, dass so ein Klub einen der 36 Profiplätze in Deutschland belegt.“

Heidel hat mir eine SMS geschrieben und zum Aufstieg gratuliert. Er sieht es inzwischen wohl anders. Offiziell von den Klubs gibt es eigentlich gar keine Abneigung oder Kritik, vielmehr Respekt vor dem Geleisteten und gespannte Erwartung, was noch alles kommt.

Haben Sie denn wenigstens ein bisschen ein schlechtes Gewissen gegenüber Vereinen wie Mainz oder Freiburg, die über viele Jahre hinweg kontinuierlich wachsen und dann, wie Mainz, am Ende doch knapp im Aufstiegskampf scheitern?

Ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen, sonst müsste ich Heidel ja recht geben. Tue ich aber nicht. Schauen Sie in die Wirtschaft: Das eine Unternehmen hat ein größeres Budget, das andere ein kleineres, und trotzdem treten sie gemeinsam in Konkurrenz. Durch die TV-Vermarktung sind Vereine wie Mainz oder Freiburg finanziell nicht unterbelichtet. Klar, wir hatten eine Anschubfinanzierung, aber die haben grundsätzlich nicht weniger als wir. Nochmal: Das ganze Gerede von Traditionen verstehe ich nicht. Sehr viele Traditionsvereine sind längst verschwunden, oder wollen wir jetzt Fortuna Düsseldorf zurück in die Bundesliga holen? Das ist Marktwirtschaft. Auch im Sport, vor allem im Fußball. Microsoft oder Google würde es mit dieser Denke nie geben.

Die Fußball-Marktwirtschaft in Deutschland wird von Branchenführer Bayern München beherrscht. Aber Hoffenheim wird schon als neue Macht im deutschen Fußball bezeichnet. Sind Hoeneß & Co. schon nervös wegen der Entwicklungen im Rhein-Neckar-Raum?

Vor gut 14 Tagen wurde in München das neue Orthopädie-Zenrum von Dr. Müller-Wohlfahrt eröffnet, das ich weitestgehend finanziert habe. Da habe ich Hoeneß getroffen. Wir haben häufiger miteinander Golf gespielt, wir gehen sehr freundschaftlich miteinander um. Hoeneß sieht das ganz locker, der ist uns freundlich gesinnt. Bayern ist eine ganz andere Welt, die spielen in einer anderen Dimension. Dieses Konkurrenzgerede ist nur künstlich hochstilisiert. Bayern ist für uns Vorbild in vielerlei Hinsicht, was Merchandising oder Vermarktung angeht, etwa in Asien.

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