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Dietmar Hopp im Gespräch : „Meisterträume? Dann müsste ich zum Psychiater“

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Mäzen und Fan der TSG Hoffenheim: Dietmar Hopp Bild: imago sportfotodienst

Hoffenheim bildet auf Platz neun das Mittelmaß der Bundesliga ab. Dietmar Hopp, Mäzen des Klubs, spricht im Interview über die teuren Einkaufstouren der Vergangenheit, die Häme, die der Klub ertragen musste, und die Rückbesinnung auf die Jugend.

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          1899 Hoffenheim hat harte Jahre hinter sich. Wie groß ist die Erleichterung, dass Ihre Mannschaft nach dem Fast-Abstieg jetzt wieder so positiv auffällt?

          Das ist ein sehr schönes Gefühl. Das verdanken wir der Arbeit von Trainer Markus Gisdol. Auch Sportdirektor Alexander Rosen hat einen großen Anteil am Erfolg. Ich habe in die beiden großes Vertrauen. Es gibt hier bei SAP eine große Tipprunde, an der viele Mitarbeiter jedes Wochenende mitmachen. Vor dem vorletzten Bundesligaspiel gegen die Bayern habe ich 3:3 getippt - und war dann auch der Einzelsieger. Toll. Bei der TSG hat eine neue Zeitrechnung begonnen.

          Ist es nicht die alte Zeitrechnung?

          Es ist sicherlich das Hoffenheim des Jahres 2008. Als wir in der Rückrunde der zweiten Liga von Platz acht völlig überraschend zum Aufstieg stürmten und dann diese fulminante Hinrunde in der Bundesliga mit der Herbstmeisterschaft gespielt haben. Mich erinnert das heute schon an die Zeit damals. Und ich bin auch stolz darauf, nachdem wir ein so hartes Jahr durchmachen mussten.

          Sie hätten Markus Gisdol schon früher als Trainer haben können. Er war ja, bevor er mit ihm zu Schalke 04 ging, hier schon unter Rangnick Nachwuchstrainer.

          Manch einer hier sagt, das wäre am gescheitesten gewesen, hätten wir ihm direkt nach Ralf Rangnick die Cheftrainerrolle angeboten. Aber Markus Gisdol selbst war davon nicht überzeugt, weil ihm damals noch der höchste Trainerschein fehlte. Es gab auch zwischendurch weitere Ansätze, ihn zu holen. Viele im Verein, nicht nur ich, hätten ihn gerne schon früher hier gesehen, aber der damalige Manager entschied anders. Sie sehen, das Unken über meinen riesigen Einfluss in diesem Verein entspricht nicht ganz der Realität.

          Sollen wir Ihnen das wirklich glauben?

          Neulich hat mir jemand gesagt, er habe gehört, dass ich im vergangenen Mai zum letzten Mal im Trainingszentrum zum Mittagessen vorbeigeschaut habe. Dort war ich in der Tat einige Monate nicht. Natürlich werde ich gefragt, wenn Investitionen anstehen. Aber ich bin doch nicht verrückt, den Experten sportlich reinzureden.

          Dann ist das Bild vom Fußball-Mäzen Dietmar Hopp, der sich andauernd in die Belange seines Vereins einmischt, etwa falsch?

          Absolut. Ich bin auch nie bei Gesprächen mit Spielern dabei. Zugleich musste ich im Lauf der Zeit feststellen, dass einige Experten nur selbsternannte Experten waren. Vielleicht hätte ich mich manchmal lieber mehr einmischen sollen.

          Was meinen Sie?

          Der Januar 2013 war eine schwere Zeit. Der Manager setzte sich durch, Gisdol nicht zu nehmen, obwohl es mein ausdrücklicher Wunsch war. Wir hatten sieben nicht einsatzfähige Spieler, darunter Tim Wiese. Dann wurde mir gesagt, wir müssten neue Spieler verpflichten, weil ein Abstieg teurer käme. Ich war leider zu diesem Zeitpunkt in Florida und damit zu weit weg. Die Einkaufstour kostete zwölf Millionen Euro, die uns jetzt noch weh tun. Da gab es viele Fehleinschätzungen. Als Markus Gisdol dann vor einem Jahr kam, traf er einen Kader mit 47 Profis an. Das ist doch verrückt. Neben dem Neuaufbau musste dann auch das von Sportlicher Leitung und Geschäftsführung abgearbeitet werden.

          Die sogenannte „Trainingsgruppe 2“ entstand und sorgte für Negativschlagzeilen. Dort kamen die Profis hinein, von denen Sie sich trennen wollten. Symbolisierte diese unschöne Entwicklung nicht das Scheitern des Hoffenheimer Projektes?

          Diese Häme mussten wir ertragen. Aber die 47 Profis waren halt da. Viele der Spieler passten nicht in das Konzept von Gisdol und Rosen. Es schien herzlos zu sein, aber es war die einzige Alternative, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen und vor allem ein ordentliches Training abzuhalten.

          Hatten Sie zwischendurch das ungute Gefühl, ich habe Geld verbrannt?

          So bin ich nicht veranlagt. Ich habe zum Beispiel sehr viel Geld in junge, innovative Biotech-Firmen investiert - gut ein Drittel der Firmen ist erfolglos, dennoch bin ich extrem optimistisch geblieben, dass die Strategie sich auszahlen wird. Sie sehen: Ich kann mit

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