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Hoffenheim-Kommentar : Zurück zu den Wurzeln

  • -Aktualisiert am

Der neue Herbergsvater: Markus Gisdol Bild: dpa

Die vermeintliche Abkürzung zur Siegerstraße war eine Sackgasse: Vier Trainer und vier Manager hat die TSG Hoffenheim verschlissen, seit sie ihr Langzeitkonzept aufgegeben hatte. Nun kommt die fällige Kurskorrektur.

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          Endlich, die TSG Hoffenheim hat sich besonnen. Aus dem sympathischen, wertvollen Fußball-Experiment des Jahres 2008 ist zunächst ein verwechselbares Profi-Produkt und dann ein mahnendes Beispiel dafür geworden, wie kurzatmiges Hinterhergehechel bei aktuellen Schwierigkeiten zum sportlichen Niedergang führt. Vier Trainer und vier Manager in zwei Jahren hat der Verein verschlissen, der einmal mit dem Langzeitkonzept angetreten war, auf junge Spieler zu setzen, sie zu entwickeln und zu Profis internationaler Klasse zu formen. Was überraschend schnell funktionierte.

          Aber nachträglich wurde die begeisternde Hinrunde des Bundesliga-Aufsteigers mit der Herbstmeisterschaft 2008 zum Fluch. Erfolg kann wie ein Gift sein, das gute Vorsätze zersetzt. Als die Scheinwerfer ausgingen, weil die Mannschaft ins Mittelfeld der Tabelle zurückfiel, vermissten einige maßgebliche Leute das Licht.

          Die Abkürzung zur Siegerstraße war eine Sackgasse

          Als mit Trainer Rangnick der große autoritäre Verteidiger des Konzepts ging, weil ihm der Abwehrkampf zu mühsam wurde, dauerte es nicht mehr lange, bis Hoffenheim die Abkürzung zur Siegerstraße suchte - mit der Verpflichtung gestandener Profis. Aber das klappte nicht, weil es im Verein lange niemanden gab, der sich mit dem normalen Bundesligafußball richtig auskannte. Hoffenheim kann nur Nachwuchs, so wurde es aufgebaut - mit vorbildlichem Jugendleistungszentrum, mit herausragenden Juniorentrainern, mit einer niedergeschriebenen Fußball-Philosophie, die auf Frische, Mut und Innovation setzt.

          Aber nachdem Rangnick den Klub Anfang 2011 verlassen hatte, vermochte sich kein Nachwuchsspieler mehr in Hoffenheim durchzusetzen. Der Klub hat sich sozusagen eine Jugendherberge zugelegt, in der nur noch Senioren untergebracht wurden. Mit dem neuen Herbergsvater Markus Gisdol werden die Betten wieder für das ursprüngliche Klientel bezogen. Der 43 Jahre alte Fußballlehrer wirkte schon in Rangnick-Zeiten in Hoffenheim, als Trainer der zweiten Mannschaft. Die Wertschätzung war so groß, dass ihn Rangnick als Assistenten nach Schalke holte. Jetzt wird Gisdol dessen Aufbauwerk in Hoffenheim fortsetzen. Seine Ankündigung: „Wir haben sehr viele Talente in den Jahrgängen 1994 und 1995 und auch in der aktuellen B-Jugend. Wir wollen jedes Jahr ein oder zwei Spieler in die Profimannschaft bringen, mit Glück auch mal drei.“

          Warum Hoffenheim plötzlich zu den Wurzeln zurückkehrt? Weil die bundesligaüblichen Mittel nicht griffen. Hätte Markus Babbel mit seiner Prominenten-Einkaufstour (Wiese, Derdiyok) Erfolg gehabt, wäre seinen Nachfolgern Andreas Müller (Manager) und Marco Kurz (Trainer) im Schlussverkauf mit Polanski und de Camargo eine Korrektur gelungen, dann wären sie noch immer auf ihren Posten. Ob die Rückbesinnung ein Gemeinschaftsbeschluss der Klubführung oder eine einsame Entscheidung des Gesellschafters Dietmar Hopp war, ist einerlei. Auf jeden Fall war es eine richtige. Hoffenheim macht wieder das, wozu es gegründet wurde.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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