https://www.faz.net/-gtm-72y07

Hoffenheim-Kommentar : Vorsicht, Kurzschluss!

Bei 1899 Hoffenheim gibt es rund um Mäzen Dietmar Hopp kurze Entscheidungswege Bild: dpa

Andreas Müller ist schon der dritte Manager bei 1899 Hoffenheim in einem halben Jahr - das ist rekordverdächtig. Man darf ihm viel Glück wünschen. Kontinuität jedenfalls sieht anders aus, konzeptionelle Arbeit auch.

          1 Min.

          Die Entscheidungswege bei 1899 Hoffenheim sind traditionell kurz. Man darf sich das bei wichtigen Fragen ungefähr so vorstellen: Mäzen Dietmar Hopp schließt sich ganz schnell mit dem Gesellschafter und dem Beiratsvorsitzenden des Klubs aus der Fußball-Bundesliga kurz - dann läuft die Sache.

          Der besondere Charme des Hoffenheimer Modells liegt eben auch darin, dass Hopp es dabei nur mit Hopp zu tun hat. Ein Risiko dieser ganz besonderen Klub-Konstruktion springt mittlerweile allerdings auch jedes Jahr ins Auge: die Gefahr des Kurzschlusses.

          Vor der Saison hatte Hopp angekündigt, Trainer Markus Babbel werde die Doppelfunktion als Trainer und Manager so lange ausüben, wie Babbel das wolle. Drei Spieltage haben genügt, dass Babbel nicht mehr will.

          Unmittelbar nach dem 3:5 in Freiburg und dem Absturz auf den letzten Platz ohne ein einziges Pünktchen hatte Babbel seinen Managerstuhl schon auf den Flur geschoben - an diesem Mittwoch hat Andreas Müller nur zu gerne darauf Platz genommen. Der frühere Schalker Sportdirektor unterschrieb einen Vertrag bis zum Saisonende 2014.

          Markus Babbel darf sich fortan ganz auf seine Trainertätigkeit konzentrieren
          Markus Babbel darf sich fortan ganz auf seine Trainertätigkeit konzentrieren : Bild: REUTERS

          Man darf ihm viel Glück wünschen. Müller ist nun schon der dritte Hoffenheimer Manager in einem halben Jahr, nachdem Babbel im Februar erst Trainer Holger Stanislawski und dann einen Monat später Manager Ernst Tanner abgelöst hatte - rekordverdächtig. Kontinuität jedenfalls sieht anders aus, konzeptionelle Arbeit auch.

          Babbel will erst jetzt gemerkt haben, dass sein Doppeljob eben auch eine zu große Doppelbelastung gewesen sei - die drei Niederlagen in der Liga und das blamable 0:4 im DFB-Pokal bei einem Viertligaverein dürften dabei der entscheidende Nachhilfeunterricht in Sachen Fußballführung gewesen sein.

          Andreas Müller war bis 2009 Manager bei Schalke, danach arbeitete er als Spielerberater
          Andreas Müller war bis 2009 Manager bei Schalke, danach arbeitete er als Spielerberater : Bild: picture-alliance/ dpa

          Weniger für Babbel, der den Managerposten nie angestrebt hatte, als für seine Chefs. Immerhin, so darf man angesichts des Hoffenheimer Hochgeschwindigkeits-Karussells der vergangenen Jahre hinzufügen, hat Babbel der Abschied aus dem Managerbüro ein bisschen Zeit auf der wackligen Hoffenheimer Trainerbank verschafft.

          Babbel, so heißt es, habe den neuen Manager in einem Gremium mit Hopp ebenfalls mit aussuchen dürfen. In dieser Frage hatte der mächtige Mäzen, der auch Spielerberater Roger Wittmann in seiner Loge empfängt, selbstverständlich noch andere Berater.

          Bilderstrecke
          Fußball kompakt : Ribery und Robben bereit

          Einen starken Einfluss Wittmanns auf Hoffenheim hat Hopp zuletzt jedoch stets bestritten, nachdem in Torhüter Wiese schon der vierte Spieler aus dessen Beraterfirma „Rogon“ im Kader steht. In seiner Schalker Zeit übrigens ist Sportdirektor Müller auch dadurch aufgefallen, dass dort fast ein ganzes Team aus Rogon-Kickern aktiv war - auch ein Konzept.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Alles aus Liebe zu Schalke 04

          Königstransfer Huntelaar : Alles aus Liebe zu Schalke 04

          2017 verließ Klaas-Jan Huntelaar Schalke 04, weil der Klub andere Pläne hatte. Nun ist der immer noch treffsichere Torjäger zurück, um den Verein seines Herzens vor dem Abstieg zu retten. Er ist der Königstransfer.

          Topmeldungen

          Biden-Präsidentschaft, Tag 1 : Er hat sich viel vorgenommen

          An seinem ersten Tag im Amt nimmt Joe Biden zahlreiche Regelungen von Donald Trump zurück. Der neue Präsident will den Klimaschutz voranbringen und den Kampf gegen Corona besser koordinieren – Hindernisse sind allerdings schon programmiert.

          Party für den Präsidenten : Eine große Werbeveranstaltung für Joe Biden

          Anstelle des traditionellen Balls wird für Joe Biden eine virtuelle Party mit vielen Stars veranstaltet. Doch das als gutgelaunte Feier getarnte Event entpuppt sich als PR-Video. Gerade im Fahrwasser der Trump-Regierung wirkt diese Lobhudelei befremdlich.
          Infektion der anderen Art: Hacker erpressten die Funke-Mediengruppe durch sogenannte Ransomware.

          Funke nach dem Cyberangriff : Wir haben ihre Daten!

          Nachdem die Funke-Mediengruppe Ende Dezember Opfer eines Cyberangriffs geworden war, musste sie ihre gesamte IT-Struktur binnen weniger Wochen wieder aufbauen. Nun will man den Notfallmodus wieder verlassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.