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Berliner „Big City Club“? : Aber nur in Köpenick

Angetreten mit großen Zielen: Hertha-Investor Lars Windhorst (rechts, hier im Februar 2020) Bild: dpa

Bei Hertha BSC sprachen sie großspurig von Europa, doch die bittere Realität ist eine andere: In der Bundesliga steckt der Verein im trostlosen Niemandsland. Und in der Hauptstadt steht ein Machtwechsel bevor.

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          Vor einem Jahr war überall mehr los, auch bei Hertha BSC. Damals hieß der Trainer noch Jürgen Klinsmann. Mit ihm, so hoffte und glaubte man dort, könne man endlich zu dem „Big City Club“ werden, der man in der Hauptstadt längst sein wollte. In der vergangenen Winterpause investierte die Hertha dann nochmals kräftig in ihren Kader, und der frühere Bundestrainer sprach von nichts weniger als dem spannendsten Fußballprojekt in Europa, das in Berlin gerade im Gange sei.

          12 Monate, zwei Trainer und eine Pandemie später ist Hertha BSC nicht einmal ein Thema, das genug Energie hat, für einen Hauch an Aufmerksamkeit wenigstens in Berlin zu sorgen. Am Sonntag verlor die Hertha sang- und klanglos mit 0:1 bei Aufsteiger und Abstiegskandidat Bielefeld. Nach dieser nächsten Enttäuschung ist die Hertha mal wieder genau dort, wo sie seit Jahren feststeckt: tief im Mittelfeld, im Niemandsland der Liga. Dort, wohin sich weder Glanz noch Glamour hin verirren. Von Freude und Begeisterung in diesen trüben Zeiten mal ganz zu schweigen. Selbst über die Superverlierer von Tasmania ist in den vergangenen Wochen mit größerem Vergnügen geredet worden, und das nicht nur in Berlin.

          Bemerkenswerte Folgen

          In den beiden letzten Begegnungen der Hinrunde, in Köln und gegen Hoffenheim, geht es für den Tabellenzwölften nur darum, auf Abstand von der Abstiegszone zu bleiben. Und als wäre diese Trostlosigkeit für Hertha-Fans nicht schon betrüblich genug, schlägt ihnen auch noch der drohende sportliche Machtwechsel in der Hauptstadt aufs Gemüt. Denn als Tabellenfünfter kann sich Union Berlin auf den Schlussetappen der Hinserie gegen Leverkusen und in Leipzig genau dort etablieren, wovon die Hertha bisher immer nur großspurig spricht – und wovon Union bisher partout nichts wissen will: auf Plätzen, die auch in der Realität nach Europa führen. Vielleicht sogar in die Champions League.

          Bemerkenswert an den unterschiedlichen Berliner Befindlichkeiten sind nicht zuletzt die Folgen, die sich aus der Tatsache ergeben, dass beide Klubs in der Pandemie auf ihre sportliche Substanz zurückgeworfen worden sind. In seiner immer ausverkauften „Alten Försterei“ hatte sich Union mit seinen wilden Massen im Rücken stets wie in einer sicheren Burg gefühlt – während die Hertha ihr weitläufiges und stimmungsarmes Olympiastadion als Wettbewerbsnachteil anführte.

          Der Hertha haben die Geisterspiele dennoch nichts genutzt. Corona ändert eben doch nicht alles. In sieben Heimspielen hat es nur zu zwei Siegen gereicht. Union steht in der Heimtabelle dagegen auf einem Champions-League-Platz. Mit Fans im Stadion, so ist zu befürchten, kann es für die Eisernen eigentlich nur schlechter werden. Aber man darf sicher sein: Dieses Risiko wird Union, wenn es irgendwann endlich wieder so weit ist, liebend gerne in Kauf nehmen. So sehr wie kein anderes.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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