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Berlin droht der Abstieg : Fredi Bobic und die Hertha-Misere

  • -Aktualisiert am

Zu viele Personalentscheidungen von Fredi Bobic gingen nicht auf. Bild: Witters

Fredi Bobic sollte Hertha BSC nach vorne bringen. Stattdessen droht nun sogar der Abstieg aus der Bundesliga. Welchen Anteil hat der Sportdirektor an der miesen Situation?

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          Über Fredi Bobic gibt es eine eigene Internetseite, die Adresse trägt seinen Namen. Dort wird er noch als Manager von Eintracht Frankfurt geführt, ganz aktuell ist sie also nicht mehr. Vielleicht wollen die Betreiber aber auch nur bewusst in der Vergangenheit schwelgen, war sie doch so viel rosiger als die triste Gegenwart.

          Die Symbiose zwischen Eintracht Frankfurt und Fredi Bobic wird immer als eine erfolgreiche in Erinnerung bleiben. Über das Zusammenwirken von Bobic und dessen neuem Arbeitgeber Hertha BSC lässt sich das bisher nicht sagen.

          Die Hertha braucht einen Punkt

          Knapp ein Jahr ist der Sportchef nun im Amt und steht am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) mit seinem Klub vor nicht weniger als der größten sportlichen Herausforderung der jüngeren Vergangenheit. Hertha muss beim Tabellenzweiten Borussia Dortmund den Abstieg in die zweite Liga verhindern.

          Dafür benötigen die Berliner einen Punkt um sicherzugehen. Verlieren sie, müssen sie darauf hoffen das der VfB Stuttgart nicht gegen Köln gewinnt. Sonst würde Hertha auf den Relegationsplatz zurückfallen.

          Ungenutzte Möglichkeiten

          „Unsere Situation hat sich relativiert, sie ist nicht mehr ganz so komfortabel“, sagt Trainer Felix Magath. Das ist noch milde ausgedrückt angesichts der vielen Möglichkeiten zum Klassenverbleib, die Hertha verstreichen ließ. Schon vor zwei Wochen hätte die Mannschaft in Bielefeld alles klarmachen können.

          Bundesliga

          Kurz vor dem Ende liefen Maximilian Mittelstädt und Luca Wollschläger allein auf das Bielefelder Tor zu. Doch statt 2:0 stand es wenig später 1:1, Hertha vertändelte nicht nur leichtfertig eine große Torchance, sondern auch die Möglichkeit, sich zu retten. Im letzten Heimspiel gegen Mainz (1:2) hätte lediglich ein Unentschieden gereicht, aber auch das klappte nicht.

          Nun sehen sich die Berliner einer maximalen Drucksituation ausgesetzt und mit ihnen Bobic. Dessen Ankunft sollte eigentlich verhindern, was dann aber doch eintraf: noch ein weiteres Jahr Abstiegskampf. Bereits in den vergangenen beiden Spielzeiten hatte Hertha nur mit Mühe den Klassenverbleib geschafft. Und das trotz des vielen Gelds, das Investor Lars Windhorst dem Verein zur Verfügung gestellt hatte. Es waren 375 Millionen Euro.

          Bundesliga

          Von der Aufbruchstimmung, die Bobic entfacht hatte, ist nichts mehr übrig. Neben der sportlichen Misere reibt sich der Verein weiterhin in Grabenkämpfen auf. Investor Windhorst ruft offen zum Sturz des Präsidenten Werner Gegenbauer bei der Mitgliederversammlung am 29. Mai auf, erste Abwahlanträge liegen vor. Querelen, die Bobic nun vor dem so wichtigen Spiel in Dortmund runtermoderieren muss.

          Auf die Frage, ob die Streitigkeiten das Team in seiner Vorbereitung störten, antwortete er: „Gar nicht. Die Jungs fokussieren sich auf den Spieltag. Was wir hinter den Kulissen besprechen, soll auch erst mal da bleiben.“ In der Formulierung steckt mehr Wunsch als Wahrheit.

          Mit der Verschwiegenheit nehmen es viele Beteiligte bei der Hertha nicht immer so genau. „Dass es immer Gerüchte gibt, gerade in so Phasen und bei uns ja eigentlich durchgehend durchs ganze Jahr, das ist ja schon fast normal“, sagt Bobic genervt.

          Bobic vom Gefühl im Stich gelassen

          Immer wieder hat er Kritik geübt. Am Verein, an der Mannschaft und an der Erwartungshaltung im Umfeld. Aber es ist längst nicht so, dass sein Handeln nur noch wohlwollend bewertet wird. Im Gegenteil. Die Frage, welchen Anteil Bobic an der Situation besitzt, rückt immer stärker in den Fokus angesichts des drohenden Abstiegs.

          Die meisten seiner Personalentscheidungen gingen nicht auf und trugen entscheidend dazu bei, dass Hertha ums sportliche Überleben kämpft. Bobic, der als Bauchmensch gilt, wurde von seinem Gefühl allzu oft im Stich gelassen.

          Nicht zu fassen: Die Hertha muss schon wieder bangen bis zum letzten Spieltag.
          Nicht zu fassen: Die Hertha muss schon wieder bangen bis zum letzten Spieltag. : Bild: nordphoto GmbH / Engler

          Er war es, der im Sommer die Trennung von wichtigen Spielern wie Matheus Cunha, Jhon Córdoba und Dodi Lukebakio vorantrieb. Keiner der im Anschluss von ihm verpflichteten Spieler kam auch nur annähernd an das Leistungsniveau des Trios heran.

          Sein offen ausgetragener Machtkampf mit Trainer Pal Dardai war in keiner Hinsicht förderlich, und die Wahl von Tayfun Korkut als Nachfolger erwies sich als komplett falsch. Unter Korkut rutschte die Mannschaft mit jedem Wochenende tiefer in den Abstiegskampf.

          Der Trainer wurde in der Öffentlichkeit als Vertrauter von Bobic wahrgenommen. Das passte ins Bild vieler Kritiker, hatte der Manager doch bei seinem Antritt schon einen großen Mitarbeiterstab aus Frankfurt mitgebracht.

          Als die Not immer größer wurde, holte Bobic den Trainer Felix Magath, der in dieser Position seit zehn Jahren nicht mehr in der Bundesliga gearbeitet hatte.

          Magath eilte der Ruf des Retters voraus, seine Kompetenzen auf diesem Gebiet hatte er mehrmals bewiesen. Ob Magath dieses Kunststück in Berlin noch mal gelingt, wird auch für die weitere Arbeit von Bobic von erheblicher Bedeutung sein.

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