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Hertha-Profi Ngankam : Der fleißige Schüler

  • -Aktualisiert am

Steile Lernkurve: Jessic Ngankam (rechts) Bild: dpa

Die Hertha kommt dem Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga immer näher – auch weil der junge Jessic Ngankam trifft. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

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          In den vergangenen Tagen betrieb Jessic Ngankam Fortbildung aus eigenem Antrieb. Der 20 Jahre alte Stürmer von Hertha BSC suchte immer wieder das Gespräch mit seinen natürlichen Widersachern, den Torhütern. Von ihnen wollte er wissen, welche Art von Schüssen sie fürchten, welche Bälle ihnen das Leben erschweren und besonderes Unwohlsein bereiten. Was er da zu hören bekam, gefiel ihm. „Ich habe unsere Torhüter gefragt, wie es für sie ist, wenn ich auf die kurze Ecke schieße. Das habe ich dann immer wieder im Training geübt“, sagte Ngankam.

          Bundesliga

          Das Gelernte setzte er dann gleich in die Tat um. Beim 2:1-Sieg von Hertha BSC gegen den FC Schalke 04 am Mittwochabend erzielte er den Siegtreffer – mit einem Schuss in die kurze Ecke. Für Hertha war es ein enorm wichtiger Erfolg auf dem Weg in Richtung Klassenverbleib. Aus den vier Spielen nach der zweiwöchigen Quarantäne holten die Berliner acht Punkte. Am Samstag könnte im Heimspiel gegen den ebenfalls abstiegsbedrohten 1. FC Köln (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) unter Umständen schon ein Punkt zum vorzeitigen Ligaverbleib reichen. „Wir haben jetzt zwei Matchbälle“, sagte Trainer Pal Dardai. Am letzten Spieltag gastiert Hertha bei den schon geretteten Hoffenheimern.

          Schon mit Hoffenheim einig

          Ngankam freute sich ob der Wichtigkeit seines Treffers. „Ich bin ein richtiger Herthaner, da ist man umso stolzer“, sagte er. Der Sohn eines Kameruners und einer Deutschen kam im Alter von sechs Jahren zu Hertha BSC, dort durchlief er alle Nachwuchsmannschaften. Dass sein Tor den Klub womöglich vor dem Abstieg rettet, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst hatte sich die Ausrichtung deutlich verschoben. Der Kader wurde mit viel Geld umgebaut, zum Leidwesen der Talente aus der Nachwuchsakademie, denen anders als früher kaum noch Beachtung geschenkt wurde. Ngankam war sich bereits mit der TSG Hoffenheim einig, der Wechsel scheiterte im letzten Moment am Veto seines Vaters. Zum Glück für Hertha.

          Auf Ngankam, der sein Debüt unter dem inzwischen entlassenen Trainer Bruno Labbadia gab, dürfte auch in den letzten beiden Spielen eine wichtige Rolle zukommen. Er ist der einzig verbliebene Stürmer im Kader. In Gelsenkirchen verletzte sich Krzysztof Piatek am Sprunggelenk, für ihn ist die Saison beendet. Zuvor hatte sich Jhon Córdoba verletzt, für ihn ist die Spielzeit ebenfalls vorbei. Dodi Lukebakio sah gegen Schalke nach seiner Einwechslung innerhalb einer halben Stunden Gelb-Rot. „Inakzeptabel“ nannte Trainer Pal Dardai das Verhalten des Belgiers. Aber auch in Unterzahl überstand Hertha eine aufregende Nachspielzeit mit zwei Schalker Pfostenschüssen. Lukebakio war einer der Ersten gewesen, die mit dem Geld von Windhorst nach Berlin gelockt wurden. Über 20 Millionen Euro überwiesen die Berliner im Sommer 2019 für ihn, die hohe Ablöse konnte er seitdem nicht rechtfertigen.

          An individueller Klasse mangelte es Hertha nie, aber ähnlich wie beim Gegner Schalke 04 entstand daraus nie ein mannschaftliches Gebilde. Im Fall der Berliner ändert sich das gerade. Die Zwangspause Mitte April, als die Mannschaft nach mehreren Corona-Fällen in Quarantäne geschickt wurde, scheint die Spieler zum Zusammenrücken bewogen zu haben. „Auf dem Platz sind wir eine verschworene Gemeinschaft geworden“, sagte Torhüter Alexander Schwolow, der beim Gegentor durch Amine Harit machtlos war. Als Beleg führte Schwolow das Verhalten der Ersatzspieler an. „Was da von draußen an positivem Spirit reinkommt. Es wird sich auch für Defensivaktionen gefeiert“, sagte Schwolow.

          Dass Hertha sich zum entscheidenden Zeitpunkt gefunden zu haben scheint, zeigte auch das Auftreten nach dem Rückstand. Ruhig wurde weitergespielt, der Ausgleich durch Dedryck Boyata ließ nicht lange auf sich warten. „Es ist noch nicht vorbei“, sagte Schwolow. Aber die Anzeichen, dass diese so turbulente Spielzeit doch noch ein glückliches Ende nimmt für Hertha BSC mehren sich. Auch dank so fleißiger Schüler wie Jessic Ngankam.

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