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Nach Spiel gegen Bochum : Herthas Situation ist reichlich verworren

  • -Aktualisiert am

Vladimir Darida (Mitte hinten, Hertha) gegen Danilo Soares (3, VfL) im Zweikampf: Fußballerisch ist das Team weit weg vom Niveau des oberen Tabellendrittels. Bild: dpa

Den Berlinern gelingt in Bochum ein Sieg gegen viele Widerstände. Die Aussagen von Trainer Pal Dardai nach dem Spiel irritierten aber – vor allem die Klub-Verantwortlichen.

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          Für Kevin-Prince Boateng war der Arbeitstag noch nicht vorbei, als seine Kollegen sich nach dem Abpfiff im Mittelkreis versammelten, um den dringend herbeigesehnten ersten Saisonsieg zu feiern. Auf den mühsamen 3:1-Erfolg hatte der spät eingewechselte Mittelfeldspieler mit der ausgeprägten Anführerattitüde keinen großen Einfluss mehr gehabt, doch nun trieb er seine Kollegen an, wedelte mit den Armen.

          Bundesliga

          Marco Richter erhielt eine lautstarke Extraermahnung, weil er nicht sofort reagierte. Boateng wollte, dass die Mannschaft sich geschlossen bei den Anhängern in der Kurve bedankt. Denn die Sache mit der Geschlossenheit bleibt auch nach diesem ersten Saisonsieg in Bochum ein großes Thema bei den von allerlei Unruhen erschütterten Berlinern. Schon ein Punkt wäre „in dieser Situation wichtig“ gewesen, sollte Trainer Pal Dardai etwas später sagen, „nun sind es drei geworden“. Selbst hinter diesen harmlosen Worten konnten aufmerksame Zuhörer eine verborgene Provokation vermuten.

          Denn eigentlich widersprechen derlei demütige Formulierungen dem Selbstbild dieses ambitionierten Klubs. Sich mit einem Punkt bei einem Aufsteiger zufriedenzugeben mag zur aktuellen sportlichen Lage passen, nicht aber zur Vision, die die Verantwortlichen von der Zukunft der Hertha haben. Am Tag vor dem Spiel war ein Interview mit Lars Windhorst in der Süddeutschen Zeitung erschienen, in dem der Investor erklärte, „in zwei bis fünf Jahren“ die Champions League erreichen zu wollen.

          „Dem ist eh alles egal“

          Mit deutlichen Worten hatte er Dardais Bescheidenheit kritisiert, der nach dem 0:5 in München vor der Länderspielpause seinen Rücktritt angeboten und sich selbst als „den kleinen Pal“ bezeichnet hatte. „So etwas geht einfach nicht. Da denke ich doch als Spieler: Dem ist eh alles egal“, sagte Windhorst über den Trainer. Die Situation ist also reichlich verworren, denn in Bochum hinterließ das Team den Eindruck, dass Dardai schon richtig liegt mit seinem Versuch, Erwartungen zu dämpfen.

          Fußballerisch ist das Team weit weg vom Niveau des oberen Tabellendrittels. „Wenn jemand denkt, wir würden Wunderfußball spielen in einem Stadion, in dem zehn Jahre keine Bundesliga war und gegen eine mutige Mannschaft mit Selbstvertrauen, der kennt den Fußball nicht“, sagte der Trainer und erklärte geradezu trotzig: „Deswegen bin ich stolz auf die Mannschaft.“ Denn der Erfolg war nicht unbedingt verdient, aber ein Sieg gegen viele Widerstände.

          „Das war ein Druckspiel“

          Der VfL Bochum hatte leidenschaftlicher gespielt, er hatte auch einen erkennbaren Plan, aber er hatte zum Beispiel keinen Suat Serdar. Der frühere Nationalspieler hat im vergangenen Jahr beim katastrophal schwachen FC Schalke gespielt, jetzt war er mit Hertha abermals ans Tabellenende abgestürzt und ebnete mit zwei Toren in der ersten Halbzeit den Weg zu diesem kleinen Akt der Befreiung. „Das war ein Druckspiel“, sagte Hertha-Verteidiger Niklas Stark, „wir haben in den richtigen Situationen für Entlastung gesorgt und waren effizient heute.“

          Nur einen guten Angriff brachte die Hertha nach der Pause zustande, und den vollendete Neuzugang Myziane Maolida prompt mit dem 1:3. Die deutlichsten Fortschritte waren aber in der Berliner Abwehr erkennbar, sodass Dardai ein Lob „an die defensive Kette“ aussprach, weil „die alles weggeköpft haben, sich reingeschmissen haben, leidenschaftlich gewesen sind“.

          Hertha BSC geht damit schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison den klassischen Weg eines Krisenteams mit sehr ungewisser Routenführung. Bevor das Offensivspiel kreativer und variantenreicher werden kann, wird an der Stabilität gearbeitet, und am Freitag gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth ergibt sich die günstige Option, weiteres Selbstvertrauen zu sammeln. Es ist möglich, dass der Klub sich schnell fängt und stabilisiert, aber auch ein Herbst in den Tiefen der Tabelle ist vorstellbar angesichts der allgegenwärtigen Unruhe.

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