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2:1 in Paderborn : Hertha siegt nach Theater um Klinsmann

  • -Aktualisiert am

Es wird ein ... Auswärtssieg: Torschütze Boyata mit Ball unterm Trikot Bild: EPA

Nach den Turbulenzen um den Abschied des Trainers atmen die Berliner im Kampf gegen den Abstieg kräftig durch. In Paderborn gelingt beim Letzten der Tabelle ein Sieg – weil ein Neuzugang artistisch trifft.

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          Nach einer Woche des Egotrips, der für den nach noch mehr Macht gierenden Jürgen Klinsmann im persönlichen Abseits endete, ist es für Hertha BSC am Samstag wieder um ein solidarisches Gemeinschaftswerk der abstiegsbedrohten Bundesliga-Mannschaft gegangen. Ohne den schwäbischen Kurzzeit-Trainer, der nach 76 Tagen der großen Verheißungen seine unscheinbaren Dienste (12 Punkte in acht Spielen) für den Big-City-Klub in spe am Dienstag Knall auf Fall aufkündigte und am Donnerstag nach einem Machtwort des Investors Lars Windhorst sein Mandat im Aufsichtsrat der Hertha KGaA verlor. Übrig blieben die vom früheren Nationalspieler und Bundestrainer mitgebrachten Fußballlehrer, die nun die Chance besitzen, einen eigenen Fußabdruck in diesem eher mausgrau als aufregend anmutenden Hauptstadtverein zu hinterlassen.

          Bundesliga

          Die erste von vier Berliner Reifeprüfungen im Kampf gegen die latente Abstiegsgefahr – danach geht es gegen den 1. FC Köln, zu Fortuna Düsseldorf und gegen Werder Bremen – führte die Berliner am Samstag zum unverdrossen angriffslustigen und mutigen Tabellenletzten SC Paderborn. Diese Probe aufs Exempel bestand die erstmals von Klinsmanns erstem Assistenten Alexander Nouri angeleitete Mannschaft mit viel Kampfgeist und ein, zwei Geistesblitzen. Der 2:1-Sieg durch die Treffer von Boyata (10. Minute) und Cunha (67.) bei einem Gegentor von Srbeny (51.) war Nouris erster voller Erfolg nach zuvor 21 sieglosen Spielen als Cheftrainer von Werder Bremen und des FC Ingolstadt. Während sich die Hertha fürs Erste im unteren Mittelfeld festsetzte, verharrten die Ostwestfalen auf dem letzten Tabellenplatz.

          Unter den 2000 Hertha-Fans gab es nicht ein einziges Zeichen der Erinnerung an oder Empörung über Klinsmann. Der 55 Jahre alte Schwabe wurde in Paderborn totgeschwiegen. Um so lebendiger präsentierte sich die Berliner Mannschaft in der ersten Hälfte. In der letzten Reihe verteidigten Stark, der exzellente Boyata und Rekik wuchtig und mit Übersicht das eigene Tor. Davor überzeugten die fünf Mittelfeldspieler, indem sie das Spiel in ihren Zonen jederzeit kontrollierten.

          Und im Angriff deuteten die im Winter für 23 und 18 Millionen geholten Piatek (AC Mailand) und Cunha (RB Leipzig) geholten Stürmer an, dass sie den Hauptstadtklub auf Sicht voranbringen könnten. Schon in der Frühphase des Spiels ging die Hertha durch Boyatas Kopfball nach einem Berliner Eckstoß 1:0 in Führung. Das vermeintliche 2:0 durch Cunha zählte richtigerweise nicht, weil Piatek den Ball zuvor mit der Hand mitgenommen hatte (18.). Davor und danach beherrschte die Hertha das Geschehen gegen die ziemlich planlos anrennenden Paderborner.

          Alexander Nouri übernahm von Jürgen Klinsmann und coachte Berlin zum Sieg in Paderborn.

          Die erhöhten wie in so manchem Heimspiel zuvor nach der Pause den Druck auf das gegnerische Tor und kamen wenig später durch den zur zweiten Hälfte eingewechselten Srbeny zum Ausgleich. Mit einem Schuss aus spitzem Winkel, den Torwart Jarstein eigentlich hätte parieren müssen. Eigentlich. So aber tat ein gebürtiger Berliner, der mal für den BFC Dynamo stürmte, der Hertha weh. Die fing sich nach ein paar Minuten des Erschreckens und besaß bei Piateks Kopfball die große Gelegenheit, aufs Neue vorn zu liegen. Der Pole aber zielte nicht genau genug, und so verfehlte sein Kopfball das Tor (58.).

          Kollege Cunha war wenig später so überheblich, frei vor Zingerle den Torhüter überlupfen zu wollen. Ein untauglicher Versuch, der dem Schlussmann die Gelegenheit bot, das Eins-gegen-Eins-Duell für sich zu entscheiden (62.). Der Brasilianer machte wenig später seinen Lapsus wieder wett, als er das 2:1 kunstvoll mit der Hacke erzielte und Collins’ Abwehrversuch nicht mehr fruchtete. Am Ende hatte die bessere Mannschaft gewonnen – und Jürgen Klinsmann war, rein sportlich betrachtet, kein Thema mehr bei der Hertha.

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