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Risiko vor Hertha-Sieg : „Dann würden jetzt alle lachen“

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Trainer Pal Dardai wechselt personell viel und gewinnt mit der Hertha dennoch. Bild: AFP

Der Berliner Trainer Pal Dardai tauscht im Stress nach der Quarantäne fast die gesamte Startelf aus und wird mit einem Sieg belohnt. Zwei verletzte Spieler machen Hertha allerdings Sorgen.

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          Geeint, gestärkt – und womöglich am Sonntag schon so gut wie gerettet? Hertha BSC will die erste Woche nach der Corona-Zwangspause mit einem Sieg über einen weiteren Mitkonkurrenten im Kampf gegen den Abstieg krönen. „Hier wächst etwas zusammen. Die Egos sind zur Seite geschoben worden. Jeder macht richtig mit wie eine Hertha-Familie. So schaffen wir das“, betonte Trainer Pal Dardai nach den „Gänsehaut“-Momenten beim 3:0-Sieg am Donnerstagabend im Nachholspiel gegen den SC Freiburg: „Die Jungs verstehen langsam, was ein Team ist.“

          Bundesliga

          Dass Dardais Risiko-Rotation so aufging, hat viel mit dem in der Quarantäne entstandenen Spirit der Herthaner zu tun. Neun Spieler, darunter gestandene Stammkräfte, setzte der Coach zunächst auf die Bank oder nahm sie gar nicht in den Kader nur drei Tage nach dem 1:1 beim FSV Mainz 05. Aber kein Knurren, kein Murren. Im Gegenteil. „Wer auf die Bank geschaut und gehört hat, hat gespürt, dass keiner geknickt war“, sagte Nationalspieler Niklas Stark. Auch der Stellvertretende Kapitän war zunächst nur Ersatz.

          Egal, wen Dardai dann im Verlauf der Partie gegen die Freiburger, die ihrerseits von den massiven personellen Umstellungen sowie auch der taktischen Veränderung auf Viererabwehrkette, ins Spiel brachte, es zeigte Wirkung. Auch einer wie der bekanntermaßen emotional-launische Angreifer Matheus Cunha rackerte und belebte den Angriff der Herthaner nach seiner Einwechslung. Es wachse etwas zusammen, betonte Herthas Sportdirektor Arne Friedrich bereits in der Pause beim Sender DAZN. „So lebt die Mannschaft“, meinte Dardai.

          „Es geht keiner weg“

          Der 45 Jahre alte Ungar wusste aber auch, wie viel er riskiert hatte. „Man kann natürlich auch sagen, ich habe gute Entscheidungen getroffen, aber wenn es schief gegangen wäre, würden alle lachen“, sagte er. Es ging gut und Hertha katapultierte sich von den Abstiegsrängen. Platz 14 statt Vorletzter. 30 Punkte und damit so viel wie Werder Bremen (15.) und der kommende Gegner aus Bielefeld (16.) – aber mit noch einem Spiel weniger. Am Mittwoch nächster Woche kann der Hauptstadtklub beim bereits abgestiegenen FC Schalke 04 gegebenenfalls sogar schon die Rettung feiern.

          Und das unter den besonderen Umständen nach der Quarantäne wegen fünf Corona-Fällen. „Diese Spieler werden auch zwei, drei Tage Schmerzen haben“, sagte Dardai nach der Partie gegen Freiburg. Dass er überhaupt seinen Plan so durchziehen konnte – und damit sogar eine eigenen Assistenten überraschte – hat der Rückkehrer auf dem Trainerposten bei den Berlinern auch dem breiten Kader des Klubs zu verdanken.

          „Es geht keiner weg“, habe er bei seiner Übernahme betont. Dardai wollte für alle Eventualitäten gerüstet sein, als er im Januar den Posten wieder übernahm. Dass er „die Eier“ hat, eine derartige Rotation auch durchzuziehen, ließ Dardai mit einem Schmunzeln nicht unerwähnt.

          Wie seine Startelf gegen Bielefeld aussehen wird, muss sich noch zeigen, nicht zur Verfügung wird ihm Mattéo Guendouzi stehen. Der 22 Jahre alte Franzose wurde mit einem Mittelfußbruch ausgewechselt und fällt für den Rest der Saison aus, wie der Verein am Tag nach dem Spiel mitteilte. Die Leihgabe des FC Arsenal war neben Alexander Schwolow im Tor der einzige, der auch schon gegen den FSV Mainz 05 in der Startformation gestanden hatte.

          Dass es kurz vor Schluss auch noch den für Guendouzi eingewechselten Sami Khedira mit einer Wadenverhärtung erwischte, trübte den Abend, aber nicht die Zuversicht der gestärkten und neu geeinten Berliner. „Dieser Sieg war für die Seele extrem wichtig, aber wir haben nach wie vor ein großes Ziel vor uns. Deshalb dürfen wir uns nicht ausruhen, das wollen wir auch gar nicht“, sagte Abwehrmann Stark.

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