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1:1 gegen Hoffenheim : Hertha holt Punkt im Wirbel um Windhorst

  • Aktualisiert am

Hertha und Hoffenheim schenkten sich nichts. Bild: dpa

Wieder unentschieden: Hertha wartet immer noch auf einen Dreier in dieser Saison im Olympiastadion. Das Duell mit Hoffenheim beginnt verspätet. Die Windhorst-Affäre spielt auf dem Rasen keine Rolle.

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          Großer Jubel machte sich auf beiden Seiten nicht breit: Nach einem tempo- und abwechslungsreichen Spiel schleppten sich die Profis von Hertha BSC und der TSG 1899 Hoffenheim erstmal in ihre Fan-Kurven und holten sich dort den Applaus ab. Die Berliner warten nach dem 1:1 (1:1) am Sonntag weiter auf den ersten Heimsieg in dieser Saison in der Fußball-Bundesliga, die Gäste aus dem Kraichgau verpassten den Sprung auf Tabellenplatz drei. „Es ist bitter, dass wir nur mit einem Punkte nach Hause fahren“, sagte TSG-Profi Christoph Baumgartner. „Ich bin auch nicht zufrieden“, monierte Keeper und Kapitän Oliver Baumann beim Streamingdienst DAZN. 

          Bundesliga

          Hertha-Schreck Andrej Kramaric hatte in seinem 200. Bundesligaspiel die Hoffenheimer in der 25. Minute in Führung geschossen. Noch vor der Pause war Dodi Lukabakio (37.) vor 41.653 Zuschauern der Ausgleich gelungen. Mit nur zwei Punkten Vorsprung auf den 16. Platz erhöht sich auch der sportliche Druck auf die Hertha weiter. „Es ist besser für uns, als zu verlieren“, betonte Lukebakio und forderte den Heimsieg nun in einer Woche gegen den Tabellenzweiten SC Freiburg. „Es wäre wichtig, das Spiel zu gewinnen. Ich hoffe, dass wir da unsere drei Punkte holen.“

          Sämtliche Nebengeräusche um Investor Lars Windhorst und dessen angebliche Verwicklung als Auftraggeber in eine Kampagne gegen den ehemaligen Hertha-Präsidenten Werner Gegenbauer spielten mit dem Anpfiff keine Rolle auf dem Rasen. Auch das Loch im Tornetz, das für eine kleine Verspätung beim Anpfiff sorgte, war geflickt.

          Engagiert legten die Herthaner los. Zweikampfstark, aggressiv, entschlossen - der Gegner allerdings auch. Die ersten Minuten verliefen eher wild und intensiv. Und beinahe mit einem ganz frühen Elfmeter für die Gäste, an dem der ins Team zurückgekehrte Herthaner Suat Serdar beteiligt gewesen wäre. Allerdings verhinderte eine Abseitsposition Schlimmeres für die Gastgeber, die von ihren Fans lautstark nach vorn getrieben wurden und zu Chancen kamen. Aka Wilfriede Kanga (8.) und Lukebakio (16.) verzogen aber.

          Kurz wird es still in Berlin

          Mit zunehmender Spielzeit rollte der Ball immer besser durch die Reihen der Hoffenheimer. Kramaric (19.) zielte zunächst nicht genau genug. Ein paar Minuten später landete der Ball von seinem Fuß im Netz der Herthaner. Wer sonst? Gegen keine andere Mannschaft traf der Spieler aus Kroatien öfter. Dieses war sein zehntes Tor gegen den Berliner Verein im 13. Aufeinandertreffen. Einen Schuss von Ozan Kabak aus rund 16 Metern lenkte Kramaric clever an Hertha-Keeper Oliver Christensen vorbei ins Tor. Kurzzeitig wurde es ziemlich still im Olympiastadion.

          Doch Hertha kam zurück. Mit einem tollen Schlenzer glich Lukebakio aus, es war bereits sein drittes Saisontor. Und eines, das der Mannschaft wieder einen Schub gab gegen die Hoffenheimer, die zwischenzeitig mit einer beeindruckenden Passquote von 90 Prozent das Geschehen bestimmt hatten. Das zweite Tor wäre aber beinahe gegen die Gastgeber gefallen. Wieder war Kramaric daran beteiligt, als er mit einem Schuss unter die Querlatte scheiterte. Den anschließenden Kopfball von Grischa Prömel, einst bei Herthas Stadtrivale 1. FC Union, parierte Christensen.

          Mit dem Remis nach bereits zwei Unentschieden zuvor wollte sich die Hertha nicht zufriedengeben und kam nach dem Seitenwechsel wieder zu Chancen. Chidera Ejuke (48.), Ivan Sunjic und Lukebakio (beide 56.) vergaben aber. Der Wille war spürbar. Doch Hoffenheim hielt dagegen und blieb seinerseits auch gefährlich. Ein Tor aber wollte nicht mehr fallen.

          „Das ist seine Meinung“

          Manager Fredi Bobic wollte sich vor der Partie zur deutlichen Kritik von Windhorst am Vorgehen der Vereinsführung in der Affäre um ein angebliches Engagement einer Detektei durch den Investor nicht inhaltlich äußern. „Da reagiere ich gar nicht drauf“, sagte der Geschäftsführer dem Streamingdienst DAZN. Bobic ergänzte: „Das ist seine Meinung, die darf er öffentlich kundtun.“

          Windhorst hatte am Samstag in einer langen Stellungnahme in einer privaten Facebook-Gruppe von Hertha-Fans Medienberichte über das angebliche Engagement eines israelischen Dienstleisters zur Diskreditierung des ehemaligen Hertha-Präsidenten Werner Gegenbauer von sich gewiesen und als Unsinn bezeichnet.

          Dass die Hertha ihrerseits eine Kanzlei eingeschaltet hat, um die Sachlage zu klären und Windhorst eine schriftliche Stellungnahme offensichtlich bis diesen Montag abgeben soll, stieß beim 45 Jahre alten Investor auf Unverständnis. „Dies alles hat mit Neuanfang und Respekt nichts zu tun“, hatte Windhorst geschrieben. Über seine Tennor-Gruppe überwies Windhorst dem Berliner Verein seit seinem Einstieg 374 Millionen Euro.

          Die Fans des Vereins reagierten auch am Sonntag auf die neuerlichen Geschehnisse um Investor Windhorst. „Schmutzkampagnen, Detektive und Millionen werden es nicht beenden, Hertha BSC bleibt fest in unseren Händen“, stand auf einem mehrteiligen Spruchband, das vor dem Spiel in der Kurve hochgehalten wurde. Nach dem Anpfiff folgte ein weiteres mit der klaren Aufforderung in großen Lettern: „Windhorst raus aus unserem Verein.“

          „Wenn nichts kommt ...“

          Es sei ihre Aufgabe, prüfen zu lassen, was wirklich passiert sei, betonte Bobic. „Das musst du tun als Verein, auch gegenüber den Mitgliedern.“ Zudem gehe es darum, den Präsidenten Kay Bernstein zu unterstützen. Dieser, einstmals Einpeitscher und Ultra, hatte den Posten nach dem Rücktritt von Gegenbauer übernommen.

          „Wenn Sie wüssten, was vorgefallen sei, würden sie das intern besprechen und dann auch Aussagen treffen, wie sie weiter vorgehen würden“, betonte Bobic. Medienberichten zufolge hat Windhorst bis zum Tag der Deutschen Einheit Zeit, sich zu erklären. „Wenn nichts kommt, wird das neu bewertet“, so Bobic.

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