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Heribert Bruchhagen im Gespräch : „Die Spitzenklubs saugen alles auf“

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„Vor einem Abstieg habe ich panische Angst”: Heribert Bruchhagen Bild: Wonge Bergmann

Seit vier Jahren führt Heribert Bruchhagen die Frankfurter Eintracht, seit August gehört er auch dem DFL-Vorstand an. Er gilt als die konservative Stimme der Liga. Im Interview mit der F.A.Z. spricht Bruchhagen über den Streit mit Oliver Bierhoff, Defizite der Liga und sein unbequemes Sicherheitsdenken.

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          Seit vier Jahren führt Heribert Bruchhagen die Frankfurter Eintracht, seit August gehört er auch dem DFL-Vorstand an. Der Oberstudienrat, einst Profi und Trainer in Gütersloh, dann später Manager bei Schalke, dem Hamburger SV und Arminia Bielefeld, gilt als die konservative Stimme der Liga. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Bruchhagen über den Streit mit Oliver Bierhoff, Defizite der Liga und sein unbequemes Sicherheitsdenken.

          Sie sind in der Kontroverse zwischen Völler und Bierhoff mit der Bemerkung aufgefallen, dass Sie gegen eine weitere Verwissenschaftlichung des Fußballs sind. Passt Ihnen die gesamte Richtung nicht?

          Es fängt doch schon damit an, dass die Nationalmannschaft wegen ihres großen Personals mit zwei Bussen ins Stadion fährt. Das ist bei uns undenkbar. In der Bundesliga muss alles in viel komprimierterer Form stattfinden. In der Bundesliga muss sich ein Trainer viel häufiger auf veränderte Personalsituationen einstellen und dafür schnell Lösungen finden. Joachim Löw und sein Team können in aller Ruhe ihre Gedanken entwickeln – aber mit der Realität in der Bundesliga hat das nichts zu tun. Es gibt nicht die Zeit, dass man Psychologen und Pädagogen einsetzt, um mit ihnen Entscheidungen zu treffen. Mich stört wahnsinnig, dass der Eindruck erweckt wird, mit amerikanischen Fitnesstrainern, fortlaufenden Untersuchungen des Blutes, der Laktatwerte und aller möglichen Säuren könne man auf die Trainierbarkeit der Spieler schließen – und das ganze Programm ließe sich auch in der Bundesliga umsetzen. Wir sind ein blitzschnelles Tagesgeschäft. Die Nationalmannschaft ist ein leichter vorzubereitendes Monatsgeschäft. Wir müssen uns höllisch dagegen wehren, dass unseren Trainern, die, geprägt durch den Bundesligaalltag, einen starken Pragmatismus pflegen, unterstellt wird, nicht wissenschaftlich genug zu arbeiten – dass sie nicht mehr zeitgemäß wären. Trainer wie Funkel oder Koller können bei der Darstellung ihrer Arbeit nicht einen solchen Hype verbreiten. Die Willenskraft eines Spielers und seine Konzentrationsfähigkeit sind immer noch das A und O im Fußball. Das ist durch keine Trainingsmethode der Welt zu ersetzen.

          Lassen Sie uns doch mal konkret werden: Die Nationalmannschaft hat untersucht, dass Bundesligaspieler länger den Ball halten als Profis in England – und dass deswegen das Spiel dort schneller ist. Jetzt wurde durch gezielte Arbeit die Zeit des Ballbesitzes in der Nationalelf von 2,8 auf 1,9 Sekunden reduziert. Unnötige Verwissenschaftlichung?

          Nein, aber dafür brauche ich keine Messung. Die Passschnelligkeit, die Passhärte und die Antizipation sind genau die Dinge, woran wir in der Bundesliga arbeiten müssen. Die Erkenntnis, dass wir neue Übungsformen dafür entwickeln müssen, ist mir vollständig klar. Das weiß jeder Bundesligatrainer – aber vielleicht weiß Herr Funkel nicht, dass die Zeit von 2,8 auf 1,9 Sekunden gesunken ist. Das ist auch nicht unbedingt nötig.

          Löw bekommt schon Gegenwind, wenn er analysiert, dass Verteidiger viele unnötige Fouls begehen – und er eine verbesserte Defensivschulung anmahnt. Unnötige Verwissenschaftlichung?

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